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Die "Tubaksfabreck" in Beurig
Beuriger Lese- und Bilderbuch
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Aus der Geschichte des Pfarrheimes Sankt Marien zum Andenken an Michael Schmitz, Pfarrer u. Definitor in Beurig (1915 - 1937)
von Ewald Meyer

Ich habe von 1937 bis 1941 die Volksschule in Beurig besucht. Mein Schulweg von der Serriger Straße zur Klosterstraße wurde "Tubaksfabreck" genannt. Tatsächlich war von 1932 bis 1935 hier im alten Klostergebäude eine Tabakfabrik eingerichtet. Die Geschichte um diese Tabakfabrik durfte ich durch Einsehen der "Akte Ambach" und der Pfarrchronik im Pfarrarchiv Beurig kennen lernen. Mein besonderes Interesse daran wurde geweckt durch Akten meines Vaters, der damals Mitglied des Kirchenvorstandes war.
Vom ehemaligen Klostergebäude der Franziskaner war 1931 nur noch ein Trakt übrig. In diesem befand sich zur Klosterstraße hin "Nennig Haus" und anschließend die Forstmeisterei. Der Süd- und Osttrakt des Klosters waren bereits verschwunden (Bögen sind noch im Mauerwerk der alten Küsterwohnung erkennbar).
Die preußische Oberförsterei, die seit 1806 im Klostergebäude untergebracht war, zog 1931 in ihr neues Gebäude am Schadaller Weg um und bot ihren Flügel des Klostergebäudes zum Verkauf an.
Das Saargebiet war seit 1918 von Deutschland getrennt. Die jüdischen Brüder Ambach betrieben in Saarlouis eine Tabakfabrik mit über 150 Beschäftigten. Sie suchten nach einer Möglichkeit, ihre Fabrikation über die Grenze zu erweitern.
Jedenfalls machte der Pfarrer von Sankt Laurentius Saarburg, Dechant Berg, seinen Amtsbruder in Beurig durch eine schriftliche Mitteilung vom 17.7.1932 aufmerksam:
"Eilt! Eben teilt mir Herr Kappes mit, der Jude stehe jetzt vor Abschluß des Kaufvertrages mit dem Forstfiskus..."
Er verweist auf mögliche Folgen (z.B. Lärm und Tabakgestank) für Pfarrkirche, Pastor und Gottesdienstbesucher.
Offensichtlich kam Bergs Warnung zu spät. Die Brüder Ambach erwarben die Forstmeisterei noch 1932 und richteten hier eine Tabakfabrik ein. Sie beförderten Rohtabak über die Grenze und ließen in der "Tubaksfabreck" in Beurig Zigarren, Zigarillos, Zigaretten und Tabak herstellen. Hierzu wurden zwei große Röstöfen betrieben, welche eine Menge Tabaksqualm und -gestank verbreiteten. Die Warnung Bergs war also berechtigt. Andrerseits fanden zwischen 60 und 80 Leute (meist Mädchen und Frauen) Beschäftigung, und in die Kasse des Finanzamtes Saarburg flossen monatlich 20.000 Mark Betriebssteuern. Die Anzahl der jüdischen Familien in Beurig erhöhte sich. Der Betriebsleiter Eugen Zivy wohnte wochentags im Fabrikgebäude, behielt ansonsten seine Wohnung in Saarlouis bei. Dagegen ließ sich sein Stellvertreter Paul Levy mit seiner Familie in der Klosterstraße nieder. Wie gut die Integration damals war, kann man z.B. daran erkennen, daß der Beuriger Josef Merziger als Machinist nach Auflösen der Filiale mit seiner Familie zum Stammwerk nach Saarlouis umgezogen ist.
Die jüdischen Kinder Kurt und Silwe Wolf aus der Klosterstraße besuchten mit uns die gleiche Schule. Auffällig war für mich lediglich, daß sie zusammen mit einigen wenigen evangelischen Kindern vor dem Religionsunterricht die Schule verlassen mußten. Aus einem Brief des Pfarrers Schmitz erfahren wir einiges über die Einflüsse der Tabakfabrik auf den Gottesdienst:
"Kirche und Klostergebäude stehen in engster baulicher Verbindung. Die Empore ist von dem Kloster nur durch eine provisorische Fachwand getrennt. Auch im übrigen greifen Kirche und Klostergebäude ineinander. Die Folge ist, daß die Benutzung des Klostergebäudes leicht zu Störungen des Gottesdienstes in der Kirche Anlaß gibt und für den Pilgerbesuch sich als lästig erweist. Der Beweis dafür ist in recht fühlbarer Weise während der letzten Jahre erbracht worden, als im Klostergebäude eine Tabakfabrik eingerichtet war. Immer wieder wurden Klagen darüber laut, daß das Geräusch der Motoren, der Gesang der in der Fabrik beschäftigten Arbeiterinnen usw. von den Kirchenbesuchern überaus unangenehm empfunden wurden, und daß insbesondere der ätzende Tabakgeruch in widerwärtiger Weise die ganze Umgebung des Gotteshauses und auch das Innere desselben zur größten Belästigung der Kirchenbesucher erfüllte..."
Das Jahr 1935 brachte entscheidende Veränderungen. Durch die Eingliederung des Saargebietes am 1.3.1935 fiel die Grenze weg. Für die Firma Ambach verlor die Fabrikationsstätte Beurig damit ihre Attraktivität und Rentabilität, zumal auch die politische Bedrohung massiv zunahm.
Das Generalvikariat Trier machte mit Brief vom 13.4.1935 den Definitor Schmitz in Beurig auf bevorstehende Veränderungen aufmerksam:
"Wir erfahren, daß in nächster Zeit die Veräußerung der dortigen Gebäulichkeiten um die Pfarrkirche durch Stillegung der Tabakfabrik stattfinden soll. Wir ersuchen um Bericht, wie sich der Kirchenvorstand zu diesem Verkauf stellt, indem er eventuell durch Verkauf des jetzigen Pfarrhauses die Mittel für den Erwerb des ganzen Klosterberinges für Pfarrhaus und Vereinszwecke gewinnen könnte. I.V. Meurer".
Am 8.7. bot Ambach der Kirchengemeinde das Gebäude mit Garten für 22.000,- Mark zum Kauf an. Nach zwei Besprechungen in Saarlouis wurde ein Kaufpreis von 21.000,- Mark ausgehandelt. Am 29.7. holte Pastor Schmitz beim Generalvikariat die Genehmigung zum Verkauf des jetztigen Pfarrhauses und des Ketterschen Hauses ein.
Für die Kaufverhandlung war der Kirchenvorstand und ein Vertreter der Firma Ambach für den 30.7.1935, abends 8 Uhr ins Pfarrhaus in der Hauptstraße eingeladen.
Die meisten Pfarrangehörigen in Beurig begrüßten die Kaufabsicht, weil sie die widrigen Umstände für Pastor und Pfarrei kannten.
Dagegen hatte ein Beuriger Gastwirt ebenfalls Interesse am Kauf. Er wurde nach der Eingemeindung mit zwei weiteren NSDAP-Aktivisten in den Stadtrat berufen. So wird verständlich, daß die Brüder Ambach nicht bereit waren, ihm ein Verkaufsangebot zu machen.
Daß diese Konstellation in Beurig zu einer politischen Affäre mit zum Teil gravierenden Folgen geführt hat, wird nur bei genauerer Betrachtungsweise verständlich.
Die NSDAP beherrschte 1935 die kommunale Ebene im Saarburger Raum. Die dominierende Figur war Valentin Eibes als Kreisleiter, Bürgermeister, Amtsbürgermeister und Kreisdeputierter in Saarburg.
Günter Heidt trifft in seiner Veröffentlichung "Saarburg und der Nationalsozialismus" in der Saarburger Chronik die Feststellung "Die NSDAP in Beurig ... zählte Ende 1935 insgesamt 101 Parteigenossinnen und -genossen, das waren 42% aller Erwerbstätigen und ein außerordentlich hoher Anteil..."
In der zahlenmäßig relativ starken SA Beurig befanden sich viele Eisenbahner, die 1923 ausgewiesen waren. Zudem war Kreisleiter Eibes Berufskollege, da er als Bahnassistent zum Leiter der Güterabfertigung in Beurig ernannt worden war.
Der Vater des bereits genannten Gastwirtes gehörte damals dem Kirchenvorstand an. Er konnte zwei weitere Mitglieder aus seiner Nachbarschaft als Gegenstimmen gewinnen. So erklärt es sich, daß die NSDAP und SA in Beurig genauestens über die Absichten der Kirchengemeinde informiert waren.
Durch eine Flugblattaktion wurde versucht, den Pastor und die Kirchenvorstandsmitglieder einzuschüchtern und die Bevölkerung aufzuhetzen. Der Ortsgruppenleiter und eine Schar Beuriger SA-Leute hielten sich für den Sitzungsbeginn beim Pfarrhaus mit Knüppeln und Stöcken in Bereitschaft.

Flugblatt der NSDAP

Pastor Schmitz informiert uns über die Umstände der Sitzung des Kirchenvorstandes am 30.7.1935 in seiner Pfarrchronik:
"Inzwischen hatte aber nun eine Agitation eingesetzt gegen den Kauf, veranlaßt durch eine Concurrenz, wie man stark vermutet. Die Hetze setzte ein unter der Devise "Man darf nicht bei Juden kaufen." Am Morgen des Sitzungstages lag in ganz Beurig ein Flugblatt unter der Haustür, voll Schmähungen gegen den Kirchenvorstand. Am Abend wurde dann das Pfarrhaus belauert von einigen Beauftragten u. als um 8 Uhr die Mitglieder des K.V. u. auch der Büro-Chef der Firma Ambach im Pfarrhaus erschienen waren, da setzte der Radau vor dem Hause ein. Der Ortsgruppenleiter Horrmann rief: "Wir dulden nicht, daß bei Juden gekauft wird." Darauf ertönten Rufe: "Jude heraus, Bonzen heraus, sie alle sollen verrecken, es kommt keiner lebendig heraus" u. ähnl. Dabei wurde mit Fäusten u. mit Stöcken auf die Rolläden geschlagen, ebenso auf die Haustür,..."
Ein SA-Mann, der sich besonders lauthals hervortat, drohte, über das eiserne Tor in den Hinterhof einzudringen.
..."In der Sitzung selbst, die vollzählig besetzt war, platzten natürlich bei dieser Situation die Gegner auch mit Heftigkeit aufeinander. Drei Mitglieder, ... , waren gegen den Kauf, die übrigen sieben alle dafür. Wir kamen aber in der Aufregung nicht zur Niederschrift eines Beschlusses, und gegen neun Uhr brach der Bürochef Fiedler auf, um auf dem D-Zug 9:16 Uhr heim zu kehren. Ich u. zwei meiner Mitglieder begleiteten ihn an den Bahnhof. Hier vor dem Hause ermahnte ich die Leute zur Ruhe unter dem Hinweis darauf, daß gar kein Jude anwesend sei (der Bürochef ist Protestant). Es folgten dann noch einige Pfui-Rufe, und einige liefen vor und hinter uns her mit zum Bahnhof unter allerhand Zurufen. Ich brachte den Bürochef glücklich an den Zug. Als ich nun zurück kam ins Pfarrhaus, saßen die übrigen Mitglieder immer noch in erregter Aussprache zusammen. (ich hatte die Sitzung bereits geschlossen vor dem Gang zum Bahnhof) Nach einer Weile zogen dann alle ab. Anderen Morgens fand ich ein tellergroßes Schild auf meiner Haustür: "Ich kaufe bei Juden." Es klebt heute noch dort und mag meinetwegen dort bleiben als Kultur-Dokument...."
Während der Kirchenvorstandssitzung versuchte Pastor Schmitz, die Polizei anzurufen. Er erhielt keine Verbindung. Vielleicht läßt sich dies damit erklären, daß der Gendarmerie-Obermeister Ritzerfeld bereits Kenntnis von den Vorhaben des Ortsgruppenleiters und der Beuriger SA hatte. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, daß Ritzerfeld in seiner Funktion als "Führer der Beamten des Kreises" meinen Vater wegen seines Stimmverhaltens für den Ankauf das jüdischen Anwesens Ambach bereits mit Schreiben vom 2.8.35 scharf rügte. Er schließt sein Schreiben so:
"...sollten Sie nun trotzdem auf Ihrem Standpunkt verharren, so muss ich annehmen, dass Sie unsern Führer und seine Weltanschauung ablehnen. Ich sehe Ihrer Entgegnung umgehend entgegen. Heil Hitler! Unterschrift Ritzerfeld"
Pastor Schmitz verfaßte nach den Ereignissen vom Abend des 30. Juli eine 4seitige Beschwerde auf der Schreibmaschine und sandte sie am 1.8.35 als Anzeige wegen "Haus- und Landfriedensbruchs" an den "Herrn Regierungspräsidenten in Trier".
Sie blieb ohne Folgen, ein Indiz dafür, daß Partei und SA bereits 1935 tabu gegen Anzeigen waren.
Pastor Schmitz schreibt in seiner Chronik weiter:
"Am Abend des 1.8. erfuhr ich, daß das Kirchenvorstandsmitglied Meyer schon wegen unnationaler Gesinnung aus dem sog. Opferring ausgeschlossen worden sei. Anderen Tages wurde ich auf die Kreisleitung beschieden."
Hier drohte der Kreisleiter Valentin Eibes dem Pastor an, daß die Kirchenvorstandsmitglieder Meyer und Faas aus dem Dienst entfernt würden, wenn sie für den Ankauf des Anwesens Ambach stimmen würden. Herr Faas war Bahnbeamter und mein Vater Krankenkassenassistent.
Wegen dieser Drohungen suchte Pastor Schmitz am 8.8.35 den Generalvikar auf. Dieser riet ihm zu einer Beschwerde an die Gauleitung in Koblenz.
Froh war Pfarrer Schmitz nicht über diesen Rat. Er befolgte ihn aber trotzdem und verfaßte einen Beschwerdebrief an die Gauleitung. In diesem Schreiben legte er die Gründe für die Ankaufsabsichten dar, schilderte auch die Vorkommnisse und erklärte diese mit dem Interesse eines Parteimitgliedes am Kauf, und er bat die Gauleitung ausdrücklich darum, "daß solcher Druck auf die K.V.-Mitglieder doch fernerhin unterbliebe."
Wir wissen nicht, was die Gauleitung an die Kreisleitung geschrieben hat, es kann für den Kreisleiter jedoch nicht sehr schmeichelhaft gewesen sein, denn Pastor Schmitz hält in seiner Chronik fest:
"Am 15.8. erhielt ich Bescheid von Coblenz, daß die Kreisleitung Saarburg angewiesen sei, mit mir dieserhalb in Verhandlung zu treten.
Einige Tage darauf erhielt ich Schreiben von der Kreisleitung, daß ich mich mit ihr in Verbindung setzen möge zur Regelung der Angelegenheit, worauf ich antwortete, daß ich dieserhalb hier im Pfarrhause Samstag 31.8. oder Montag 2.9. zu sprechen sei..."
Gegenüber diesem Selbstbewußtsein des Pastors überrascht der Kleinmut und die Hilflosigkeit der Kreisleitung.
Pastor Schmitz dokumentiert in seiner Chronik:
"8 Tage später erschien der Adjutant der Kreisleitung, Ortsschulze Josef Konz, mittags 12 Uhr hier zur Aussprache. Er erklärte, die Partei habe opponiert, weil ihr gesagt worden sei, daß hier im Kloster eine Schwestern-Niederlassung errichtet werde, ferner, daß eine Concurrenz durch ein Partei-Mitglied nicht bestehe. Auf meine Erklärung, daß der Plan einer Schwesternniederlassung diesseits nie bestanden habe, zog er ab mit dem Bemerken, daß seitens der Partei weiterhin keine Bedenken gegen den Ankauf durch die Pfarrgemeinde vorlägen..."
Dieser Besuch fand am 9.9.35 statt. Pastor Schmitz hatte bereits für Sonntag, den 18.8. eine Kirchenvorstandssitzung nach dem Hochamt in der Sakristei anberaumt zwecks Ankaufsbeschluß des Klosters.
"Ich hatte die Sakristei gewählt, weil ich dachte, da doch sicher zu sein vor Störung. Den Mitgliedern Meyer u. Faas hatte ich geraten, der Sitzung fern zu bleiben, weil wir ja doch die Majorität für das Projekt sicher hatten (von den übrigen 8 Mitgliedern standen immer noch 5 gegen 3). Alle 5 für das Projekt erschienen, von den Gegnern fehlte F... M...; die beiden anderen R... u. S... protestierten heftig gegen die Sitzung in der Sakristei. Ich schnitt ihren Protest ab mit dem Bemerken, daß ich gewichtige Gründe hätte für die Sitzung in der Sakristei. Dann las ich den Entwurf des Beschlusses vor, ließ abstimmen, 5 für, 2 gegen den Beschluß; die 5 Mitglieder unterschrieben sodann, die 2 Gegner nicht. Dann schloß ich die Sitzung..."
Am folgenden Tag erhielt der Pastor beim Generalvikar sofort Kaufgenehmigung. Anschließend trug er bei der Bezirksregierung die Gründe für den Ankaufsbeschluß vor, und Regierungsrat Schulte versprach baldige Genehmigung.
Zwei Tage später legte der Pastor dem Landrat von Saarburg die Gründe für den Ankaufsbeschluß dar und bat um Befürwortung. Wahrscheinlich forderte Herr Freiherr von Mirbach aus Opportunismus oder aus Respekt vor seinem Beigeordneten Eibes vom Pastor die Aufstellung eines Kostenvoranschlages der notwendigen Reparaturen im Kloster. Pastor Schmitz beschied das Ansinnen des Landrates abschlägig, indem er diesem erklärte, daß er für die Reparaturkosten persönlich aufkomme. Nach nochmaliger Verhandlung zwischen Generalvikariat und Bezirksregierung erhielt der Pastor endlich am 20.9. telefonischen Bescheid über die Kaufgenehmigung.
Am 23.9.1935 wurde der Kaufvertrag in Saarlouis beim Notar Justizrat Dr. Carl Mathieu unter Register-Nr. 1499/1935 getätigt. Als Verkäufer war erschienen Herr Fritz Ambach, Kaufmann zu Saarlouis, handelnd für sich und seinen Bruder Karl Ambach; als Käufer in Vertretung der römisch-katholischen Pfarrgemeinde Beurig 1. der Vorsitzende Pfarrer Michael Schmitz, 2. Kirchenvorstandsmitglieder a) Johann Peter Tressel, b) Bernhard Reuter. Der Kaufpreis betrug "18.000,- Reichsmark entsprechend dem Preise von 18.000 mal 0,35842 gr Feingold".
Mehrere Indizien sprechen dafür, daß neben dem notariellen Kaufpreis 3.000,- Mark gezahlt worden sind, so daß die tatsächliche Kaufsumme 21.000,-Mark betragen hat.
Der Kaufabschluß verzögerte sich jedoch. Pastor Schmitz in der Chronik:
"Tags nach dem Act bei Notar Mathieu ging der Kirchenrechner Baumann der Sicherheit halber auf das Grundbuch-Büro und fand dort zu seinem Schrecken einen Antrag des Finanzamtes Saarburg auf Belastung des Klosters von 85.000,-Mark vorliegen. Mit dieser Nachricht reisten mittags 25.9. meine beiden Sendschöffen Tressel u. Reuter nach Saarlouis zum Notar, der sie beruhigte mit dem Hinweis darauf, daß der Act erst perfect werde, wenn die schriftl. staatliche Genehmigung vorgelegen habe. In den nächsten Tagen hatte ich 2 Unterredungen mit dem Finanzamtmann Freiberger (hier wohnend). Derselbe erklärte mir, wie folgt: "H. Ambach zahlte an Betriebssteuer für die hiesige Filiale monatlich ca. 20.000,-Mark. Am 1. März d.J., nach Rückgliederung des Saargebietes, zahlte er jedoch nicht mehr, hielt aber den Betrieb noch bis 1. Juli hier aufrecht, also 4 Monate noch. Wir müssen Zahlung der Betriebssteuer nach hier verlangen (4 x 20.000,- = rund 85.000,-Mark)"
Demgegenüber behauptet H. Ambach, er habe seit dem 1. März die ganze Steuer an Saarlouis zu zahlen und auch bezahlt. Jetzt heißt es also abwarten, bis die beiden Finanzämter Saarburg und Saarlouis diesen Competenz-Conflikt ausgefochten haben..."
Endlich erhielt Pastor Schmitz grünes Licht:
"In der Woche vom 20. Oct ab begannen Bauunternehmer Lorth, Schreiner Kirsch, Anstreicher Engbrocks u. Installateur Maas mit den Reparaturarbeiten im alten Kloster..."
Mit großer Freude beschreibt der Pastor seinen Umzug:
"Noch nachzutragen wäre, daß ich am 17. Dez. 1936 meinen Umzug hielt ins alte Kloster neben der Kirche; wohne also nun mit dem Heiland unter einem Dache, in Wahrheit also im ’Domesticus Dei’. Die Pfarrkinder ...sind voll des Lobes über die schönen großen Räume. Manche bisherigen Gegner des Ankaufs sind schon bekehrt, aber nicht alle!"
Für den 20.3.1936 wurde die Versteigerung des alten Pfarrhauses angesetzt.
Drei Interessenten (darunter auch der öfter genannte Gastwirt) boten bis zu 13.050,-Mark. Es erfolgte kein Zuschlag.
Über den Verkauf steht in der Chronik:
"Anton Weber (sein Haus war baulich mit dem Pfarrhaus verbunden) machte ein Angebot von 14.050,-Mark, dazu Aufgeld u. Zahlung in 6 jährlichen Terminen. Er erhielt den Zuschlag... Am folgenden Tag wurde der Kaufact in Saarburg gemacht. Ich freue mich dieser Entwicklung, denn so gerät das alte Pfarrhaus wohl nicht in Gefahr, ein Wirtshaus zu werden..."
Leider konnte die Freude des Pastors, der so tapfer, energisch und unermüdlich um die "Tubaksfabreck" gekämpft hatte, nicht andauern. Am 3. September 1937 verstarb er, und am 7.9. wurde er unter überaus großer Beteiligung in Beurig beerdigt. Dort wird sein Grab bis heute in Ehren gehalten.
Mein Vater wurde noch einige Male vom Ortsgruppenleiter vorgeladen. Er durfte seinen Arbeitsplatz behalten. Kreisleiter Eibes sorgte aber dafür, daß er 15 Jahre lang Assistent geblieben ist, obwohl er Abiturient war und bereits 1929 die erforderliche Aufstiegsprüfung abgelegt hatte und bei der AOK Saarburg die Aufgaben eines Abteilungsleiters erfüllte und den Dienststellenleiter vertreten hat. Dies erfüllt mich noch heute mit Ärger und Stolz, wenn ich an die Notzeiten meiner Kindheit in einer kinderreichen Familie zurückdenke.
Die Brüder Ambach konnten noch vor der ‘Reichskristallnacht’ in die USA fliehen und ließen sich in New York nieder.
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Aktualisiert am:
23. August 2010

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