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Die Trever-Madonna

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Die Trever-Madonna - Aus dem Jahrbuch 1991 Kreis Trier-Saarburg

Die Trever Madonna Die Trever-Madonna
in Irsch (bei Saarburg)

VON PATER MARKUS LASER SDS

Es handelt sich um eine Figur aus Eichenholz, 36 cm in Höhe und Breite. Sie ist polychrom bemalt und zeigt auf ihrer abgeschrägten Untersicht das reliefartige Wappen des Erzbischofs Johann III. v. Metzenhausen (1531-1540). Die "Kunstdenkmäler des Kreises Saarburg" (1939) bezeichnen sie als "gute spätgotische Arbeit" und zeigen ein Foto (S. 98); 1975 wurde die Figur fachgerecht restauriert. Sie stand in einer Wegekapelle, der sogenannten Trever-Kapelle, die im Besitz der Pfarrkirche war und in jüngster Zeit dem Straßenverkehr und einer Flurbereinigung zum Opfer gefallen ist.

1. Die Leuchterfigur
Sie wurde als Leuchterfigur hergestellt und drückt das biblische Ereignis der "Darstellung Jesu im Tempel" aus (Lk. 2,22), das als kirchliches Fest am 2. Februar (Mariä Lichtmeß) gefeiert wird. Zu diesem Fest hat der Erzbischof v. Metzenhausen eine besondere Beziehung, der goldene Reichsapfel in der linken Hand des Jesuskindes erläutert sie: Metzenhausen wurde am 2. Februar 1532 von Kaiser Karl V. in Boppard zum Kurfürsten bestellt und am 26. März zum Bischof von Trier geweiht.

Damit erhält die Figur den Charakter einer zeitgeschichtlichen Urkunde: das Gold im Wappenzeichen - sonst in Silber - deutet auf den "goldenen Tag" im Leben des Metzenhausen hin, aber auch der fürstliche Kronreif und die goldene Gewandung der Mutter. Ob die wellenartige Strichzeichnung auf dem Wappenrand auf den Ort "am Rhein" hindeutet?
Damit dürfte die Entstehung der Figur in das Jahr 1532 zu legen sein.

2. Die Beziehung zur Wallfahrtskirche St. Marien in Beurig

Das Metzenhausen-Wappen erscheint auch als Konsolfigur in der Gnadenkapelle der Beuriger Kirche mit der Jahreszahl 1529; es ist das Jahr der Vollendung des Hauptschiffes der Kirche, und deshalb ist das gegenüberliegende Wappen das des Erzbischofs Richard v. Greiffenclau (1511-1531), 1516 hat er den Bau begonnen.

Die Relieffiguren auf den Konsolen der Gewölberippen in der Gnadenkapelle geben Aufschluß über die Baugeschichte der Kirche in Form einer bildlichen Trilogie.

Da ist die Figur des heiligen Matthias, Patron des Bistums Trier. Es fungiert hier als Bauherr der Kirche.

Die Konsole mit dem Bild des heiligen Urban, mit der Weintraube auf dem linken Arm, dem Petrusstab im Armgelenk und die päpstliche Tiara auf dem Haupt. der heilige Urban steht als Namenspatron für einen anderen Papst Urban, nämlich Urban VI. (1378-1389), der kurz vor seinem Tod das Fest Mariä Heimsuchung einführte als Gebetsaufruf für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche, die mit drei Gegenpäpsten in arge Bedrängnis geraten war. Der Papst ist sitzend auf dem "Stuhl Petri" dargestellt, dem Entschlafen nahe. Aus dem aufgeschlagenen Buch verkündet er das Fest "Mariä Heimsuchung". Sein Chormantel zeigt die übliche blaue Marienfarbe; hinter seinem Haupt färbt sich der Abendhimmel rot, und eine Quaste am Petrusstab scheint wie ein Ave-Glöcklein zu läuten. Auf diese originelle Weise steht hier der heilige Urban für die Weihe der Wallfahrtskirche auf den Titel "Mariä Heimsuchung".

Die Figur der "Trever-Madonna" reiht sich zu den Rippenkonsolen der Gnadenkappele durch die erzbischöfliche Verfügung über die Opfergaben der Pilger am Wallfahrtsort. Wie seinerzeit die Opfergaben Mariens dem Hohenpriester zustanden, so wird die Wallfahrtskirche zur "bischöflichen Kirche" erhoben; der Pfarrer von Irsch erhält den Ehrentitel "Vorsteher" (Wunderakten der Beuriger Pfarrkirche, Pfarrarchiv St. Marien). Gleichsam als Ernennungsurkunde erhält er die Figur der Madonna-Lichtmeß; er errichtet für sie die Wegekapelle in Irsch, die vom Volk bald die "Trever-Kapelle" genannt wird, gemäß der Verfügung des trierischen (Trever) Erzbischofs. Dazu erhebt das Jesuskind seine rechte Hand zum bischöflichen Segen.

3. Der "Metzenhausen-Meister" als der Bildhauer
Fragt man nach der Herkunft der Trever-Madonna, so wird man eine Trierer Werkstatt nennen müssen. Zu der entsprechenden Zeit gibt es deren zwei in Trier: Um 1530 besteht die Bildhauerwerkstatt des Jakob Kerre, in der ein Schüler(?) Hieronymus vermutet wird. 1539 wird die Werkstatt des Iheronimus(!), Bildhauer in der Neugasse, genannt, mit Hanß Bildhauer und Peter Bildhauer, Angehörige des Hieronymus (Alois Thomas, der Künstler des Segensis-Epitaphs, in: Kurtrierisches Jahrbuch 1962, S. 26-34, bes. S. 28). Neben den Werken in der Beuriger Wallfahrtskirche und der Trever-Madonnna stammen aus diesen Werkstätten der "Gurtlers-Altar" (heute in der Pfarrkirche zu Zerf) von 1539 und vor allem das Metzenhausen-Grabmal von 1542 im Trierer Dom (Nähe Sakramentsaltar). Man nennt den unbekannten Meister nach diesem letzten Werk: Metzenhausen-Meister. Dahinter vermutet man einen Meister Hieronymus mit Sohn Hans. Kunsthistoriker vermuten in seinen Werken den Einfluß des venezianischen Grabmalstils und bewerten sie als bedeutendste Werke italienischer Renaissance diesseits der Alpen.

4. Ein Venezianer als Meister?
Auf dem "Gurtlers-Altar" brachte der Meister über der Inschrifttafel deutlich seine Signatur an, ein V, eingetaucht in überschäumende Wellen und mit eingeschriebenem I, von dem aus ein langes Band flattert. Bei näherem Betrachten entpuppt sich dieses Band als ein Wurm mit dickem Kopf und schwanzähnlichem Ende - also ein Bandwurm, lateinisch: heronimus, italienisch: eronimo. Setzt man das I davor, liest man den Namen: Ieronimo; dazu beheimatet in einer Stadt mit venezianischem Stil und eingetaucht in schäumende Wellen. Also: Ieronimo.
Nachfrage: In Venetien? Tatsächlich kennt man dort einen bedeutenden Maler und Bildhauer "Girolamo da Treviso, il giovane (1498-1544). Auf verschiedenen Werken nennt er sich "Ieronimo Veneziano, scultore" (Bildhauer).

Sein Lebenslauf berichtet von einer zweimaligen Flucht aus Italien in Richtung Trient(?): in den Jahren 1528 und 1537. In einem Brief teilt er 1538 mit, im Dienste des Königs von England zu stehen, sich der "architettura militare" zu widmen und es zu einigem Wohlstand gebracht zu haben, nachdem es ihm gelungen sei, etliche "Zwistigkeiten" aus dem Wege zu räumen. 1544 wird er bei der Belagerung der Festung Boulogne von einer Kanonenkugel tödlich getroffen.

Genau in diese Jahre der "Zwistigkeiten" fallen die Entstehung des Gurtlers-Altares (1539), die Eintragung in die "Weinsteuer-Bücher Trier" (1539) und dann das Metzenhausen-Grabmal.

Jahrbuch 1991; S. 147-149
Kreis Trier-Saarburg
Hrsg.: Kreisverwaltung Trier-Saarburg
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Aktualisiert am:
31. Dezember 2010

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