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| (Hedwig Reis-Becker, ist von Links gesehen die zweite Person, stehend in der zweiten Reihe) |
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Die Schludderbahn am Millerbersch
(30. April 2008)
Der Name Irsch lässt meine Seele schwingen, wenn ich auf Besuch bin, möchte ich am liebsten für immer da bleiben, wo meine Kindheit war und wundervolle Jahre verbringen durfte. An vielen Stellen welche ich wieder sehe, kommt da und dort die Sehnsucht auf wieder Kind zu sein und die frohen Stunden wieder zu erleben.
Die Nachbarskinder, die im gleichen Alter waren hatten genauso viel Unsinn auf Lager wie ich und das verband.
Der Millerbersch (Am Mühlenberg) wo ich zu Hause war, gab es im Winter viel Schnee und dieser wurde auf den Millerbersch verteilt und mit Wasser überspült damit wir eine richtige Piste hatten, je glatter desto besser.
So wurde das unser Treffpunkt und jeder brachte seinen Schlitten mit.
Die Jungs legten sich mit dem Bauch auf den Schlitten und die Mädchen setzten sich auf den Rücken oben drauf.
Jetzt konnte es losgehen! Bahn frei wurde laut gebrüllt, damit uns niemand mehr in die Quere kam. Was für ein Tempo wir drauf hatten, so dass wir des öfteren umkippten und an die Hauswand geschleudert wurden, aber Schmerzen empfand niemand, die Blessuren wurden mit Pflaster abgeklebt und weiter ging es den Berg hinauf.
Stundenlang fuhren wir den Berg hinab, nass bis auf die Haut war man, aber die Bahn wurde für den nächsten Tag wieder flott gemacht und Eimerweise kippten wir das Wasser den Berg hinunter weil es Nachts wieder herrlich frieren konnte. Für die Nachbarn welche auf dem Millerbersch zu Hause waren, war es eine Kunst den Berg ohne hinzufallen zu erreichen. Was waren das herrliche Tage! Morgens war der erste Blick aus dem Fenster und schnell war man wieder auf der Schludderbahn.
| Hedwig Reis-Becker ist waschechte Irscherin und lebte bis 1957 in Irsch. Heute lebt Hedwig in Gerolstein. Die Verbindung zum Dorf ist noch immer stark und ebenso auch die Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit. |
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| Hedwig Reis-Becker (links) als Schulkind im 1. Schuljahr neben ihrer Schwester |
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Mein erstes Schuljahr in Irsch! 1953-1954 - Das Gutzi gett noch firdisch gelutscht!
(10. Mail 2008)
Fräulein Baumann war meine Lehrerin, um uns Kindern in die richtige Bahn
zu lenken herrschte Strenge und Ordnung.
Ich erinnere mich daran, dass ich um 8.00 Uhr Unterricht haben sollte, aber
erst um 10.00 Uhr am Schulhof ganz verwundert war, weil ich als einzige wartete, so ging ich zu meiner Klassentüre und
klopfte an.
Lehrerin Baumann fragte: "Wo kommst du denn so spät her?" Ich gab zur Antwort"fun daham" und hatte noch ein
Gutzi im Mund und das sollte ich nun raus holen.
Meine Antwort war "das Gutzi gett noch firdisch gelutscht, esch laasen et
drän." Nun Frau Baumann war sauer, meine Schwester welche im 2 Schuljahr war, schämte sich für mich.
Aber ich hatte mein Gutzi fertig gelutscht und war zufrieden.
Ich musste öfters Nachsitzen weil ich den Mund nicht halten konnte. Da ich wusste, an welchem Tag die 8te Klasse kochen hatte, verlegte ich das Nachsitzen auf diesen Tag.
Ich hatte das Glück Mittags mit essen zu dürfen und zwischendurch
meine Hausaufgaben zu erledigen, wo ich von den "großen Mädchen" alles
vorgesagt bekam und ich schneller fertig wurde.
Fräulein Baumann bekam es spitz mit dem Mittagsessen und den
Hausaufgaben. Von da an musste ich meine Strafarbeiten zu Hause
erledigen.
Schade drum, ich hatte Freude am Nachsitzen, für mich war es
keine Strafe.
Mein erstes Schuljahr in Irsch! 1953-1954 - Das Blöckchen!
Mein Papa schenkte mir einen kleinen Stapel Blöckchen zum Aufschreiben.
Da ich kleinere Geschwister hatte welche mir alles bekritzeln könnten, nahm ich diese mit in meine Klasse, suchte mir ein Plätzchen unter meiner Bank wo der Schulranzen hingehörte.
Jeden Morgen wurde zuerst gefühlt sind sie noch da, mit der Zeit merkte es Frl. Baumann und hakte sofort nach was kramst die Hedwig denn jeden Morgen kaum das sie sitzt unter der Bank herum?
Mein Kommentar war "Dat geith desch neist un". Aber sie ließ nicht locker.
Damit hatte ich nicht gerechnet. Eine meiner Schulkameradin mußte die Blöckchen unter meiner Bank heraus holen, aber sie wurde noch schnell geschupst bevor sie triumphierend die Blöckchen der Frl. Baumann nach vorne brachte.
Mir schwollen die Nackenhaare so eine Wut hatte ich. Der Kommentar Frl. Baumann war, "die kann ich gut gebrauchen, die kommen wie gerufen."
Die Pause wurde eingeläutet und alles rannte auf den Schulhof.
So, draussen ist mir der Kragen geplatzt
und rief laut "De Lehri esst enn ahl Sou wei wist dirrett all"
Mann tat das gut! Kaum wieder in der Klasse, schon wurde ich verpetzt ... "Fräulein Baumann die Hedwig hat gesagt, sie wären eine alte Sau". Meine Schwester bekam einen Schrecken und schämte sich sehr.
Nun wurde ich auch noch zur Strafarbeit verdonnert. Es war eine Gemeinheit, erst beklauen sie einen und hinterher wird man noch bestraft obendrein.
Aber heute sehe ich es von der lustigen Seite, hauptsache es war eine schöne Erinnerung die man nie vergisst.
Der Nikolausabend bei uns "Daheim"
(Hedwig Reis, 29. November 2008)
Voller Spannung haben meine Geschwister
und ich den Nikolausabend herbeigesehnt,
Der Nikolaus brachte seinen
Gesellen den Knecht-Ruprecht mit, er
hatte einen Angst einflößenden Eindruck
bei mir hinterlassen.
Nun der Abend war da und das Gepolter
und Kettenrasseln auf der Holztreppe war
so gewaltig, dass einem Angst und Bange
wurde. Die Küchentüre wurde mit
Schwung aufgestoßen und herein kamen
der Nikolaus und Knecht-Ruprecht. Seine
rote Zunge zeigte er ständig und ließ sie
auch mal aus dem Mund hängen. Auf
dem Rücken trug er eine Sack der war so
groß das ein Kind hineinpasste, und aus
dem Sackende hingen zwei ausgestopfte
lange Strümpfe mit angenähten Schuhen
hinunter, für mich einen Heidenschreck,
wenn ich nun auch noch dazugesteckt
werde, brülle ich los. Der Nikolaus nahm
sein großes Buch hervor und blätterte
eifrig darin und tat so als hätte er weiß der Teufel so viel aufgeschrieben was wir
angestellt haben sollten.
Mich schaute er als erste an und schon
sagte er mir, ich hätte meiner Tante Lena
einen Vogel gezeigt. Das hätte er gesehen,
auch sei ich auf der Straße ein
freches Kind und er würde mich nun mitnehmen,
was ich sehr befürchtet hatte.
Aber zuerst sollte ich noch das "Vater
unser" vorbeten. Als ich mit dem Beten
fertig war, zog er mich Richtung
Ruprecht. Ich hielt mich aber an der Besteckschublade
fest und diese riss ich mit
Schwung aus dem Schrank und es gab
ein Mords Gepolter. Meine Oma kam die
Treppe hinaufgeeilt und half mir aus der
Klemme, in dem Moment liebte ich meine
Oma noch mehr.
Vom Nikolaus bekam ich zur Strafe eine
Rute und er ging mit Gefolge weiter. Aber
meine Oma hat auch das noch fertiggebracht,
mein Geschenk dem Nikolaus
zu entreißen und brachte es mir freudestrahlend
zurück.

Ein Pfund "Hau mich blau" bei Bäcker Alex
(Hedwig Reis, 30. März 2009)
Zum 1.April fällt mir eine wahre Geschichte ein, was mir widerfahren ist.
Meine Nachbarin rief mich zu sich und fragte, kannst Du mir zum Bäcker Alex ein Pfund "Hau mich blau" kaufen gehen? Ich verlangte noch Geld, aber sie meinte lass es aufschreiben. Ich lief zum Bäcker und mein Onkel Alex fragte, was bekommst du denn? Ich gab zur Antwort, Ein Pfund Hau mich blau. Mein Onkel kam hinter der Theke hervor, legte mich über das Knie und verhaute mir den Popo. Ich war platt über diese Reaktion.
So mein Kind jetzt weißt du was ein Pfund hau mich blau ist, denke das nächste Jahr daran, wenn wieder der 1. April ist.
Mein Onkel war ein herzensguter Mann und gab mir ein Teilchen zum Trost.
Die Nachbarin wartete schon ungeduldig auf mein Erscheinen und war erstaunt, dass ich so fröhlich mit einem Teilchen zurück kam. Seit der Stunde war ich schlauer geworden.
Kühe hüten in den Herbstferien
(Hedwig Reis, 28. Oktober 2009)
Karl- Heinz, mein Cousin, kam jedes Jahr zur Oma Katharina in die Herbstferien. Somit begann für mich eine herrliche Zeit, denn endlich hatte ich jemanden, der mit mir Omas Kühe auf die Wiese trieb und wir hatten schöne Tage vor uns.
Zuerst wurden 2 Dosen bis zur Hälfte mit einem Nagel durchstochen, am Rand wurde dann einen Draht an beiden Seiten befestigt. Fertig war dann die Schleuder um die Holzglut auf zu nehmen. Die Kühe standen unruhig im Stall, als wüssten sie, dass es endlich losging.
Karl- Heinz war etwas älter und war ein geübter Hüter der Kühe. Auf den Wiesen angekommen, wurde die Glut, die unterwegs gut geschleudert wurde, auf einen gemütlichen Platz geschüttet und Holz nachgelegt, somit das Feuer größer wurde. Die Kühe wussten, wo gutes Gras war, und ließen sich nicht mehr stören.
Die Bauern hatten die Kartoffeln schon geerntet, aber die kleinen Kartoffelchen blieben auf dem Feld zurück. Für uns eine Freude sie zu raffen und ins Feuer zu werfen.
Bis die Kartoffelpelle schwarz war dauerte es noch ein Weilchen, und wir spielten Verstecken und schauten nach den Kühen. Oh weh, sie hatten sich aus dem Staub gemacht, und wir Beide nichts wie hinterher, aber wo sollten wir suchen? Weit und breit keine Kuh zu erblicken. Nun ging die Sucherei los, Karl- Heinz rannte links und ich rechts, wer sie gefunden hatte, sollte laut rufen.
Ein Glück für uns, wir fanden sie wieder. Zurück mit den Kühen an der Leine, um die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen, schwarz und verkohlt sahen sie aus, egal, wir ließen es uns schmecken. Die Hände schwarz, ebenso der Mund, wir sahen aus wie die Mohren. Mit dem Taschentuch rieb man sich den Mund ab. Die Hände wurden mit Gras abgerieben und fertig war man wie frisch gewaschen.
Der Tag war gelungen, die Kühe waren rund um satt und die Oma freute sich uns Beiden eine große selbst gebackene Brotschnitte belegt mit Kochkäse und dazu frische Buttermilch her zu richten.
Oh, was läuft mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammen, solche Köstlichkeiten erlebt man nur in der Kindheit.
Weihnachten bei uns "Daheim"
(Hedwig Reis, 8. Dezember 2009)
Ich sehne mich nach dem 1. Weihnachtstag in meiner Kinderzeit zurück.
Meine Geschwister und ich wurden von unseren Eltern in so eine Stimmung auf das Weihnachtsfest vorbereitet, das im Advent jeden Abend Weihnachtslieder mit Kerzenschein und Flötenspiel ein Erlebnis in meinem Gedächtnis blieb. Am 1. Weihnachtsmorgen gingen wir alle um 5:00 Uhr in die Messe. Die ganze Nacht zuvor konnte eh niemand von uns schlafen, die Aufregung war einfach zu groß.
Die Messe war so feierlich und dauerte für uns Kinder einfach zu lange, denn wir wussten ja, zu Hause stand der Christbaum und die Geschenke lagen darunter.
Endlich war man wieder in der warmen Stube, der Christbaum mit seinen vielen Kerzen zauberte ein leuchten in unseren Augen.
Zuerst wurden Weihnachtslieder gesungen,. Mein Papa hatte eine klangvolle Stimme. Endlich Bescherung, worauf wir so lange gewartet hatten. Was mich heute noch sehr berührt, ist, das ein brauner Karton auf der Bank stand und niemand von uns Kindern wusste, was da wohl drin sein mag. Alle wollten hinein sehen, die Spannung stieg, als der Karton aufgemacht wurde und Papa eine Ziehamonika hinaus hob. Es war sein sehnlichster Wunsch, seid langen Jahren, endlich dieses Geschenk im Arm halten zu dürfen. Nun hielt Ihn nichts mehr auf, die Ziehamonika wurde zur Freude zum Gesang angestimmt und Papa war glücklich, dass er Tränen der Freude in den Augen hatte. Diesen Ausdruck im Gesicht meines Vaters habe ich bis heute in meinem Herzen bewahrt.
Mama hatte meinem Papa diesen Heißersehnten Wunsch endlich erfüllt, und wir Kinder wussten, das es ein wunderschönes Weihnachtsfest war, weil meine Eltern ein sehr bescheidenes Leben führten.
Christenlehre in der Pfarrkirche St. Gervasius und Protasius
(Hedwig Reis, 1. Februar 2010)
Jeden Sonntag wurden wir Kinder von Pastor Schwab zur Christenlehre eingeladen. Die Kniebänkchen ganz vorne waren für die Kinder reserviert, welche noch nicht zur Schule gingen. Ich gehörte zu den Kleinen.
So kam es, das an einem Sonntagnachmittag Pastor Schwab uns Kindern was zum überlegen gab. Er wollte wissen was man als erstes tut wenn man in die Kirche eintritt. Eines der Kinder hob die Hand und sagte: "Man nimmt Weihwasser und bekreuzigt sich damit." "Ja richtig" war die Antwort.
Als nächste Frage kam dann, "Was tut man wenn man vor der Bank steht?" Ich zeigte mit dem Finger nach oben. Pastor Schwab sagte zu mir, "Na das kleine Beckerschen weiß es bestimmt." "Dann knüt man sich!" war meine Antwort. Alle Leute, sowie meine Eltern und Verwandten, welche in der Kirche waren, haben laut gelacht. Nun ja. ich war ein Irscher Mädchen und konnte nur platt sprechen. Ich war doch erst knapp 6 Jahre alt. Egal gesagt war gesagt. Pastor Schwab schmunzelte ein wenig, aber er gab mir Recht und sagte "Beckerschen du hast es richtig gesagt, man kniet sich, was einigen Leuten nicht in den Sinn kommt".
Ich wurde noch oft daran erinnert wenn mir Leute begegneten: "Et Hedwig knüt sich"!
Heute kann ich mich darüber amüsieren, wenn ich an diese Christenlehre denke.
Ein Sonntag bei uns "Daheim"
(Hedwig Reis, 8. März 2010)
Sonntags war für mich, als ich Kind war, der schönste Tag in der Woche,
da saßen wir Kinder und Eltern beim Frühstück zusammen, tranken gemütlich Kaffee und erzählten was wir in der vergangenen Woche alles so erlebt hatten,
Papa ging mit uns Kindern zur Messe, Mama, welche schon in der Frühmesse war, bereitete das Mittagessen vor, backte Hefekuchen und räumte die Wohnung auf.
Um 12.00 Uhr wurde zu Mittag gegessen, gespült und dann zogen wir uns
zum Spaziergang an. Es wurde geplant wohin und welche Richtung wird gegangen.
Mein Papa, der jeden Baum und Busch im Wald kannte, wusste wo es am gemütlichsten war.
Damit uns Kindern nicht langweilig wurde, konnte mein Vater immer herrliche
Geschichten aus seiner Kindheit erzählen, sie waren oft so spannend, dass wir vergaßen
wie lange wir unterwegs waren.
Einmal lief uns ein Hase über den Weg, Papa lachte und meinte: "Schade, nun bräuchte ich eine Hand voll Salz, dann würde ich dem Hasen das Salz auf den Schwanz werfen , der Hase bliebe stehen um das Salz abzulecken, ich bekäme den Hasen am Kragen zu packen und wir hätten einen guten Hasenbraten." uns lief bei dem Gedanken das Wasser im Mund zusammen, Papa hatte seinen Spaß daran , wie er das angestellt hätte.
Das Schönste was mein Papa basteln konnte, war aus den Weidenstöcken für uns Kinder
Pfeifchen zu schnitzen. Das Taschenmesser durfte daher nie fehlen. Die Pfeifchen hatten kleine Löcher, damit konnte man einige Töne hervor locken.
Da meine Eltern uns immer zu beschäftigen wussten, wurden die Spaziergänge nie
langweilig. Es ist und bleibt für mich eine der schönsten Erinnerungen meiner Kindheit.
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