| Tonnenschwerer "Neunhäuser
Sandstein" fand neuen Standort in Irsch
(Alfred
Karges, 16. Oktober 2003)
Am letzten Samstag wurde in Irsch ein tonnenschwerer
Sandstein als Skulptur mitten im Ort aufgestellt. Nachdem
bereits zwei Wochen zuvor ein großes Wandbild
am Giebel eines Schuppens mitten in der Ortslage in
Irsch angebracht worden ist, hatten sich viele Bürgerinnen
und Bürger seither gefragt: "Was soll dieses
Bild darstellen bzw. bezwecken?"
Im Irscher Gemeindewald "Neunhäuser"
gibt es ein Vorkommen sehr harter Sandsteine. Wegen
des hohen Anteils an festem Quarzit blieben sie als
Reste einer durch Erosion im Laufe von Millionen von
Jahren abgetragenen mächtigen Sandsteinschicht
übrig.
Diese Neunhäuser Steine wurden im Laufe der Jahrhunderte
begehrtes Baumaterial. Als Bodenplatten, Mauersteine
und als Hauwerke an vielen Fenstern, Türen und
Toren haben sie bis heute überdauert.
Bei Winzern und Obstbauern waren die Neunhäuser
Keltersteine -weit über unseren Raum hinaus- wegen
ihrer besonderen Qualität sehr begehrt. Steinmetzen
haben die Steine im Neunhäuser Wald an ihren Fundorten
zugehauen und bearbeitet. Zum Abtransport wurde der
schwere Stein unter einen Wagen gebunden und angehoben.
Gerät, Pferdegespann und Fuhrleute waren starken
Strapazen ausgesetzt. Manches Rad ging dabei entzwei,
bis der einige Tonnen schwere Stein beim Winzer an Saar
oder der Mosel ankam.
Bei einem Waldspaziergang im Irscher Gemeindewald entdeckte
der Irscher Bürger Friedel Leinen, der sich wiederholt
schon einen Namen als "ehrenamtlicher Denkmalpfleger"
mit der Restaurierung von Wegekapellen und -kreuzen
gemacht hat, ein sehr stattliches Exemplar eines teilweise
fertig behauenen Keltersteines und sofort reifte bei
ihm der Plan, diesen Kelterstein in der Ortsmitte von
Irsch aufzustellen. Dieser Stein wurde bereits vor dem
I. Weltkrieg von den Steinmetzen aufgegeben, da sich
beim Herumdrehen zeigte, dass er auf der Unterseite
eine Rissbildung zeigte, so dass er als Kelterstein
unbrauchbar war.
Schon bald war ein geeigneter Standort am Fuße
des Kirchenhügels ausfindig gemacht worden. Mit
einigen ehrenamtlichen Helfern, Handwerkern und mit
Unterstützung durch die Gemeinde, wurde die Grünfläche
von Bewuchs befreit und der Verputz am rückwärtigen
Giebel erneuert. Der Kunstmaler Alfons Stüber aus
Heddert machte sich ans Werk und schuf ein beachtliches
und gelungenes Wandbild. Dieses Gemälde zeigt den
von Friedel Leinen entdeckten halbfertigen Kelterstein
an seinem Fundort im Neunhäuser Wald und stellt
weiter dar, wie dieser Stein von Steinmetzen in mühevoller
Handarbeit behauen wurde.
Am
vergangenen Samstag wurde nun dieser gut drei Tonnen
schwere Stein mittels schweren Gerätes vom Neunhäuser
Wald nach Irsch transportiert und hier begleitet von
der Freiwilligen Feuerwehr bis zu seinem neuen Standort
gebracht. Ein schwerer Bagger hievte hier den Koloss
vor einer großen Zuschauerkulisse auf seinen Platz,
wo er zusammen mit dem Wandbild ein beachtenswertes
Ensemble bildet. Hier soll er in Verbindung mit dem
Reibstein auf dem Dorfplatz als Zeitzeugnis an ein altes
heimisches Handwerk und das mühsame Bauern- und
Winzerleben vergangener Zeiten erinnern.
Ortsbürgermeister Alfred Karges dankte dem Initiator
dieser Aktion Friedel Leinen, den vielen ehrenamtlichen
Helfern und Firmen für ihre Arbeit bzw. vielfältige
Unterstützung. Er hob besonders hervor, dass durch
das hier gezeigte bürgerliche Engagement erneut
ein sicherlich viel beachteter Blickfang geschaffen
und ein wichtiger Beitrag zur Dorfverschönerung
geleistet wurde. Während die Mitwirkenden und Zuschauer
noch ein Weile gemütlich zusammen standen, ergriffen
etliche Kinder sofort Besitz von Stein und kletterten
auf ihm herum, was ein Zuschauer so kommentierte: "Die
Trierer haben ihren Domstein, auf dem sie runter rutschen
können, die Irscher haben ihren Neunhäuser
Stein".
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