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Hausnamen in der Geschichte
Mit dem Erscheinen des sogenannten intelligenten Menschen war auch eineerste bewußte Namengebung verbunden.
Die erste Unterscheidung der einzelnen Individuen waren die sogenannten Rufnamen.
Mit ihnen konnten sich die Menschen von einander unterscheiden und mit einem eigenen Namen anrufen.
Damit war ein wichtiger Schritt zur Personenunterscheidung getan.
Er reichte in der Urzeit bei einer dünnen Besiedlung vollkommen aus.
Jedoch brachte die Zunahme der Bevölkerung ein großes Problem mit sich.
Der Rufname alleine genügte nicht mehr um auf Dauer zur Unterscheidung der groß gewordenen Bevölkerung zu dienen.

So kam es, dass sich zum Rufnamen bald ein Merkmal herausbildete, das eine Identifizierung der einzelnen Person möglich machte.

Man nennt diese zusätzliche Bezeichnung der Person "Beinamen".
Vor allem waren den Behörden und Verwaltungen diese Unterscheidungen behilflich um Steuerlisten und andere Aufzeichnungen genauer zu erstellen.

Wenn die Beinamen des hohen Mittelalters zum Teil unter amtlichem Druck an Dauer und Festigkeit alsFamilienname gewannen, so hat das Vorgehen der Behörden ein bestimmtes Entwicklungsstadium der Namengebung doch nur teilweise und bedingt zu beeinflussen vermocht.
In den Städten galten und gelten heute ausschließlich die amtlichen Familiennamen.
Auf dem Lande aber hat sich diese Namengebung in der Umgangssprache bis heute nicht so fest verankert, dass man auf den Hausnamen, teils auch aus Bequemlichkeit, verzichtet.
Sie ist in ihrer Eigenart und Ausdrucksweise immer lebendig geblieben.
So hat sie ihren eigenen Ausdruck in der Wortschöpfung nach eigenen Regeln beibehalten.

Ungeachtet der behördlichen Maßnahmen, hat sie in alten Formen bis auf den heutigen Tag ihre Form beibehalten.
Die amtlichen Namen waren den Dorfgenossen oftmals gar nicht bekannt, oder spielten im Umgang keine Rolle.
Vielmehr bediente man sich zur Kennzeichnung der Familien in der Regel den nichtamtlichen Beinamen:
der sogenanntenHausnamen.

Diese verändern sich fortwährend mehr oder minder, blieben aber auch oftmals durch Generationen unverändert. Sie wurden vererbt oder erheiratet.
In ihnen sehen wir noch die gleichen Verhältnisse und Bedingungen lebendig vor uns, die vor Jahrhunderten zur Bildung der Familiennamen führten.
Inhaltlich lassen die Hausnamen dieselben Bedeutungsgruppen erkennen, wie die amtlichen Familiennamen.
Sie sind in der Regel in den verschiedenen Landschaften unterschiedlich geformt.
So gehen auch sie von den verschiedenen Berufen oder Wohnorten oder Personenbesonderheiten aus.
Nur Eingewanderte hatten keinen Hausnamen und brauchten keinen, weil der Familienname oft singulär war.

Nicht selten zeigen die Hausnamen ein genaueres genealogisches Gespür, als die offiziellen Familiennamen. Inhaltlich weichen die Hausnamen von den Familiennamen oft dadurch ab, das sie in einem stärkeren Maße eine jüngere Beschreibung der Persönlichkeit darstellen.
Vielfach haften die Hausnamen (daher diese Bezeichnung) nicht an der Familie, sondern an Haus und Hof.
So kann es vorkommen, dass bei einem Kauf oder Einheirat der Hausname mit übernommen wird.
Selbst der Name einer längst ausgestorbenen Familie kann so weitergeführt werden.
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Der Hausname "Bauern"
In unserem Beispiel spricht man von den Bauern, obwohl der Familienname Weber heißt.
In dem Falle der Sippe Weber ist es zur Zeit noch ungeklärt, auf welchem Wege der Hausname in die Familie kam.
Tatsache ist, dass der Hausname "Bauern" bis auf den heutigen Tag in der Gemeinde Irsch als gemeinsamer Name der Familie Weber in Umlauf ist und auch als solcher zur Identifikation und zum Einordnen zu dieser Familie heran gezogen wird.
Selbst in den Gemeinden der Umgebung wird dieser Hausname verstanden und verwendet.
Zwar bringt die neuere Zeit eine gewisse Verdünnung des Umgangs mit den alten Begriffen, aber noch werden diese Namen lebendig benutzt.
Eine Begriffsdeutung des Namen Bauern ist in aller Regel nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Bauer bedeutet mittelhochdeutsch buwäre-buwen ,das bedeutet: Ackerbau treiben.
Es ist ein unmittelbarer Berufsname, welcher aber hier nicht zum Familiennamen wurde.
Nun war der Ackerbautreibende in der Vorzeit das normale Element in einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung und Landschaft.
In einer Weinbau-Gemeinde wie Irsch, wäre der Hausname bei einem großen Winzer nicht Bauern geworden.
Es mußte also eine besondere Art oder Größe hier vorherrschen, um den Namen als besonderen Hausnamen zu führen.
Der Hausname "Bauern", wie auch manchmal der Familienname, bezeichnet einen "Freien Bauern", d.h. er ist kein Leibeigener oder Höriger.
In Süddeutschland kann man diese Höfe von der Lage oder Größe her noch heute erkennen.

Ebenso auffallend ist die Form der Namensnennung des Hausnamens Bauer-N-, mit der Endung auf -n.

Die exakte Benennung müßte hier lauten: die Bauern.
(Artikel + Substantiv im Plural 1. Fall )
Auch beim Fortfalle des Artikels bleibt die Form -Bauern -bestehen.
Dies wird auch in der Verbindung mit den Rufnamen konsequent angewandt.
So heißt die Weber-Tochter Hilde = Bauern Hilde.
Was der Name letztlich bedeutet, können wir heute zur Zeit noch nicht deuten. Vielleicht bringen Erforschungen eines Tages die Erkenntnis darüber, wie die Familie Weber zu diesem Hausnamen kam.

Weitere Infos bei Klaus Geissler
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Aktualisiert am:
21. November 2010

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