|
Aus
dem Jahrbuch 1985 Kreis Trier-Saarburg "Unser Dorf soll
schöner werden":
Irsch erhielt den Staatsehrenpreis
1984 Rekordbeteiligung im Landkreis Trier-Saarburg
Im alljährlich stattfindenden Dorfverschönerungswettbewerb
konnten immer wieder Gemeinden aus dem Landkreis Trier-Saarburg
gute Plazierungen erreichen. So wurden zum Beispiel
die Moselweinorte Longuich (1979) und Detzem (1982)
schon mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Den bislang
größten Triumph konnte 1984 das Winzerdorf
Irsch bei Saarburg feiern, denn es war in der Hauptklasse
des Wettbewerbes auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene
siegreich und erhielt den Staatsehrenpreis des rheinland-pfälzischen
Ministers für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten.
Die Gemeinde Irsch ist also die schönste Gemeinde
im ganzen Land.
Der großartige Erfolg, der sicher viele überraschte,
ist hoch verdient. Die Irscher hatten in den letzten
Jahren durch den Ausbau der Bundesstraße die mitten
durch ihren Ort führt, manchen Kummer gehabt. Sie
widerstanden der Versuchung, von Hausmauer zu Hausmauer
von den Straßenbaufirmen alles zubetonieren zu
lassen, und ließen sich beraten, wie man die Restflächen
zwischen Straße und Gebäuden sinnvoll nutzen
kann. So ist der Straßenausbau nicht zu einer
Betonwüste geworden, sondern aufgelockert durch
Sträucher, Blütenpflanzen und mehrere großkronige
ortstypische Bäume. Ortsbürgermeister Klaus
Fisseni und sein Gemeinderat waren außerordentlich
bestrebt, die grünen Oasen im Dorf zu erhalten
und neue zu schaffen. Die Straßenbauverwaltung
wirkte dabei vorbildlich mit und bepflanzte ihre Freiflächen
im Sinne eines abgerundeten Gesamtbildes ebenfalls mit
Bäumen und Gehölzen.
Was
die 1500 Einwohner zählende Gemeinde weiter auszeichnet,
zeigte sich bei ihrem Wein- und Heimatfest. Die Besucher
erlebten hier eine hervorragend gelungene Veranstaltung,
die Zeugnis ablegte von guter Brauchtumspflege und vorbildlichem
Gemeinschaftssinn der Bürger. So traf es sich gut,
daß im Rahmen des Festprogramms die Kreissiegerehrung
des Wettbewerbs stattfand.
Acht Ortsvereine sorgen in Irsch für ein reges
Vereinsleben, was von allen Bewertungskommissionen mit
Pluspunkten bedacht wurde.
Besonders zu Buche geschlagen sind nach Aussagen des
Leiters der Landeskommission, Ministerialrat Hans Merkl,
auch die umfassende kommunale Grundausrüstung der
Gemeinde Irsch und der durchweg gute bauliche Zustand
der öffentlichen Gebäude wie Kirche, Schule,
Kindergarten, Feuerwehrgerätehaus, Schützenhaus
und Sportlerheim. In der offiziellen Begründung
zur Verleihung des Staatsehrenpreises wird auch die
Information der Bürger für die Dorfverschönerungsmaßnahmen
hervorgehoben, also die Ausklärungsarbeit und die
Einholung von Ratschlägen durch Fachleuten auf
dem Bau- und Bau- und Grünsektor. Die Irscher danken
vor allem für manchen Tip, den ihnen die Kreisbewertungskommission
in den letzten Jahren gegeben hat. Sie zeigten sich
auch wie in keinem anderen Dorf in großer Zahl
interessiert am Diavortrag und der anschließenden
Diskussion zum Thema "Dorfgestaltung". Außerdem
besichtigten sie auf eigene Kosten und unter der Führung
von Baudirektor Jäger und den jeweiligen Ortsbürgermeistern
vor Jahren die damaligen Siegerdörfer, um die Ziele
des Wettbewerbs kennenzulernen.
Es sind viele kleine Mosaiksteine, aus denen sich das
Bild des schönsten Dorfes zusammensetzt. Da sind
beispielsweise die mit Holz gut verkleideten Bushaltestellen
und die vorbildlich restaurierten Kapellen, Wegekreuze
und Bildstöcke. Da finden wir die einfache dörfliche
Brunnenanlage, den Dorfplatz mit Reibestein und zweckentsprechenden
Ruhebänken. Auch der Kinder-Robinson-Spielplatz
gefällt in seiner Art.
Hervorzuheben ist gleichermaßen die alte organisch
gewachsene Bausubstanz im privaten Bereich, die größtenteils
noch erhalten ist und im Sinne der Denkmalpflege modernisiert
wurde. Besonders positiv zu vermerken sind die noch
vorhandenen vielen alten Haustüren in Holz. Aber
nicht nur alte Häuser prägen den Ort, zahlreiche
solide Neubauten sind am Dorfrand zu sehen. Es ist darauf
geachtet worden, daß sie sich gut anpassen und
ins Ortsbild einfügen.
Immer wieder fällt das Auge auf die Grüngestaltung,
wenn man durch den Ort geht. Die Pflanzaktion von standortgerechten
Laubbäumen zu den zahlreichen vorhandenen Nuß-
und Obstbäumen verdient Anerkennung, ebenso wie
die intakt erhaltene Flur für die Nutzung mit Schutzpflanzungen,
Feldgehölzen und Bäumen. Beeindruckend auch
der gute Übergang vom privaten Grün in die
Landschaft, also die Anlage von Gemüse- und Obstgärten.
Und schließlich die Vor- und Wohngärten,
die teilweise gut bepflanzt sind mit einfachen "Bauernblumen",
wie Phlox, Malven, Balsaminen oder einer bunten Vielfalt
von Blütensträuchern. Hinzu gesellen sich
vorbildliche Rank- und Schlinggewächse an Hauswänden,
Mauern und Pergolen wie Efeu, Geißblatt, Clematis
und Wein.
Die Verschönerungsmaßnahmen sind im Siegerdorf
Irsch mit dem erreichten Erfolg noch keineswegs beendet.
Der Gemeinderat hat beschlossen, einen Dorferneuerungsplan
in Auftrag zu geben, auf dessen Grundlage die privaten
und gemeindlichen Vorhaben künftig beurteilt und
koordiniert werden können.
Der Staatsehrenpreis für Irsch soll auch nicht
darüber hinwegtäuschen, das noch viele anderen
Dörfer im Landkreis Trier-Saarburg den richtigen
Weg in Sachen Dorfverschönerung eingeschlagen haben.
So verdient es festgehalten zu werden, daß 1984
unser Landkreis mit 82 Gemeinden die mit Abstand höchste
Beteiligung am Wettbewerb im ganzen Lande verzeichnete.
Es stellte damit sogar zwei Drittel aller teilnehmender
Dörfer im Regierungsbezirk Trier. Die Leistungen
der Dörfer in den Spitzengruppen beider Wettbewerbsklassen
waren nahezu gleichwertig, so daß der Kreisbewertungskommission
die Plazierung nicht leichtfielen.
Nach Irsch belegten in der Hauptklasse mit jeweils nur
geringem Abstand Kenn, Beuren/Hochwald, Bekond und Kordel
die nächsten Plätze. In der Sonderklasse siegte
die Obermoselgemeinde Palzem, gefolgt von Edingen, Kanzem,
Lampaden und Trassem. Bedauerlicherweise hat die Bezirkskommission
keines dieser fünf Dörfer in der Sonderklasse
für den Landesentscheid gemeldet.
Dennoch haben alle die Chance, künftig auf Landesebene
ganz vorne dabeizusein. Wichtigste Voraussetzung dafür
ist die Bereitschaft der Bürger, sich aktiv an
der Dorfverschönerung zu beteiligen, hiermit steht
und fällt der Wettbewerb.
Jahrbuch 1985; S. 59-63
Kreis Trier-Saarburg
Hrsg.: Kreisverwaltung Trier-Saarburg
|