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Die ersten Anfänge
Als stummer Zeuge der ersten Anfänge unserer Gemeinde
ragt der frühromanische Ost-Turm der Pfarrkirche in
unsere Gegenwart herein. Während die ungefähr gleichaltrige
Saar-Burg längst verwittert ist, steht unser Turm
wohlerhalten noch heute als Sakristei im Dienst der
Pfarrkirche.
Seine geringe Höhe von etwa 15 m weist darauf
hin, daß es seinem Erbauer nicht darum zu tun war,
ein stolzes Bauwerk zu schaffen, als vielmehr darum,...
ein Wahrzeichen zu setzen für seinen Herrschaftsanspruch
über unser Land und diesen im Geist des Evangeliums
zu begründen: 'Gebt Gott, was Gottes ist, und dem
Menschen, was ihm gebührt!' So verheißt das schützende
Pultdach des Turmes dem bedrängten Menschen Schutz
und Heil, während der Innenraum als Kapelle und Glockenstuhl
Gottes Lob und Ehre verkünden.
Wann und von wem wurde dieser Turm erbaut? über das
'Wann' gibt die massive und trutzige Bauform verbunden
mit einer hohen Sorgfalt, mit welcher die wichtigsten
Bauelemente gearbeitet und zusammengefügt sind, Auskunft.
Nach Süden und Westen sind noch 2 Schallfenster erhalten.
Ihre Rundbögen bestehen aus bis 30 cm hohen,
sorgfältig behauenen und keilförmig gestellten
grauen Sandsteinen. Sie ruhen auf robusten, weit ausladenden
Kämpferschrägen und verlaufen sich unter diesen sockellos
in das Mauerwerk- eine Eigenart des frühromanischen
Baustils der 1. Jahrtausendwende.
Auch auf die Frage: von wem der Turm erbaut wurde,
gibt es eine fast sichere Antwort. Nach dem Jahre
962, in welchem Otto 1. vom Papst in Rom als Deutscher
zum Kaiser des Römischen Reiches gekrönt
wurde, wurden die Trierer Erzbischöfe auch Landesfürsten
über ihr Seelsorge-Gebiet und legten ein 'Verzeichnis
ihrer Rechte und Güter' an. Darin ist aus dem Jahre
1052 eine Urkunde erhalten (Prekarie-Vertrag), in
welcher der Erzbischof Eberhard von Trier (1047-1066)
die Hufe mit Namen 'Evese' auch Hevese oder Euesche
genannt als Lehen mit Gemeinde-Recht einem gewissen
Grafen von Arlo übergibt. Mit der Hufe Evese ist ohne
Zweifel unser heutiges Irsch gemeint, das noch heute
im Flurgebiet 'Heuesen' liegt, wenngleich die Bezeichnung
durch den Sprachgebrauch geringfügig erweitert und
auf das Waldgebiet beschränkt wurde: Heuesener oder
N' euesener (heute: Neunheuser) Wald. Diese Bezeichnung
blieb bis ins 16. Jahrhundert erhalten.
über Erzbischof Eberhard weiß die Chronik, daß er
alemannischer Herkunft war und ein Mann erprobter
Tugenden. Im Jahre 1047 wurde er von Papst Clemens
II. zum Erzbischof von Trier ernannt. Eng befreundet
mit den Grafen von Egisheim und Dagsburg, begleitet
er im Jahre 1048 den Bischof von Toul, Graf Bruno
von Dagsburg, auf einer Romreise. Dort wurde Bruno
im gleichen Jahre zum Papst gekrönt und nahm
den Namen: Leo IX. an. Die Kirche verehrt den Papst
als Heiligen (Fest am l9.April). Er starb im Jahre
1054 und liegt im Petersdom begraben. - Erzbischof
Eberhard nach Trier zurückgekehrt erbaute die Kirche
St. Paulin Zur Einweihung kam Papst Leo IX persönlich
nach Trier. Eberhard starb im Jahre 1066 und liegt
in St. Paulin begraben.
über den Grafen Walram von Arlo und seiner Gemahlin
Adelheid wissen wir nur, daß sie ihren Stammsitz auf
der Burg Arlo, heute Arlon in Belgien, etwa 20 km
westlich von Luxemburg hatten. Um das Jahr 1120 wurde
Arlo zur Markgrafschaft erhoben.
Diese beiden Männer errichteten unsere Turmkapelle
als Anerkennung der Oberhoheit Gottes über Land und
Leute. 'De Voto' zu Gottes Ehre und 'Pro Gratia' zum
Schutz der Menschen (auch Asylrecht genannt). Diese
christlich-fromme Auffassung eines Herrschaftsanspruches
hängt mit der Gründung des 1. Deutschen Reiches zusammen.
Auf der Suche nach einer tragenden Staatsidee und
einem sicheren Grundgesetz für das Reich, stieß Kaiser
Otto III. (993-1002) auf die Ideen des hl. Kirchenlehrers
Augustinus in dessen Buch: 'über den Gottestaat'.
Danach konnte ein Machtanspruch über Land und Leute
nur mit dem Worte des Evangeliums begründet werden:'
Du hättest keine Macht, wenn sie dir nicht von oben
gegeben wäre.' (Joh.19,11 ; Röm.13,1) Sinnfälliger
Ausdruck, eben 'Herrscher von Gottes Gnaden' zu sein,
war der Bau einer solchen Votiv-Kapelle. Diese christliche
Staatsauffassung war besonders lebendig in der 1.
Hälfte des 11. Jh. und wieder insbesondere in den
Landen an Mosel und Saar. Noch etwa 100 Jahre früher
wäre unser Turm, falls er erbaut worden wäre, ein
'Bergfried' mit Ritterwohnung geworden, wie etwa die
Saar-Burg (964), ebenso wäre er es nur kurze Zeit
später geworden.
Zusammenfassend kann demnach gesagt werden, daß unsere
Pfarrkirche als Turmkapelle im Jahre 1052 erbaut worden
ist unter dem Erzbischof Eberhard von Trier.
Das Wappen des Jakob von Sierck
(1439-1456)
Im 15. Jahrhundert wurde das Erdgeschoß unserer Turmkapelle
erweitert, die Wände nach Süden und Osten durchbrochen
und die SO-Ecke durch einen mächtigen Rundpfeiler
unterfangen, um Sakristei-Raum zu gewinnen, wie der
Chronist meint. Das Erdgeschoß, bisher 2,80 x 1,75
m groß, wurde damals um knapp 2 m nach Osten und Süden
erweitert und diente nunmehr als Altarraum für eine
kleine nach Westen hin angebaute Kirche. Der neue
Altarraum erhielt ein gotisches Kreuzgewölbe
mit hohen Birnstabrippen. Die breit gefaßten Spitzbögen
des Gewölbes beginnen über Halbfeilern und tragen
einen runden Schlußstein aus grauweißem Sandstein,
in welchem reliefiert das Wappen des Erzbischofs und
Kurfürsten Jakob von Sierck eingemeißelt ist. Das
alte Mauerwerk des Turmes besteht aus rotfarbigem,
steinsichtig verputzten Bruch-Sandstein. Der Turm
erhielt ein 3. Geschoß mit 4 Bogenfenstern. Der erweiterte
Chorraum wurde unter kleine Pultdächer gelegt.
Die Deutung des o.a. Wappens war bis heute umstritten.
Beim Neuanstrich der Sakristei im Februar 1979 konnte
unser Malermeister Hans Schwebach das Wappen eindeutig
als das des Jakob von Sierck feststellen. Es zeigt
auf Silbergrund das reliefierte Kreuz der Erzbischöfe
von Trier in roter Farbe. Das Familienwappen der Freiherren
von Sierck zeigt auf Goldgrund einen schräg verlaufenden
roten Streifen mit 3 reliefierten Fächermuscheln von
natürlicher Sandsteinfarbe. Außerdem wurde im Kapitel
des mächtigen Auffangpfeilers eine sorgfältig gemeißelte,
etwa 20 cm große Zierblume (gotische Krabbe!) als
Firmenzeichen des Steinmetzen erkannt.
Jakob von Sierck ist ein Sohn des Freiherrn Arnold
von Sierck in Lothringen. 1439 wurde er von Papst
Eugen IV. zum Erzbischof von Trier ernannt und später
1447 von Papst Nikolaus V. bestätigt. Auf kirchlichem
Gebiet suchte er die Frömmigkeit der Gläubigen,
die Zucht der Geistlichkeit und die Reform der Klöster
zu fördern. Im Jahre 1448 verkündete er auf der
Saar-Burg, wo er übrigens oft und längere Zeit wohnte,
einen 40-Tage Ablaß. Die Opferspenden verwandte er
zum Neubau des Hospitals in Saarburg, zur Verbesserung
der Verteidigungsanlagen der Stadt und für kirchliche
Bauten. Aus diesen Gründen dürfen wir die Erweiterung
unserer Turmkapelle in Irsch auf das Jahr 1450 festlegen.
Die Erweiterung unserer Kirche geschah sicherlich
nicht nur, um Raum für eine Sakristei zu bekommen.
Das hätte man viel leichter und billiger mit einem
einfachen Anbau erreicht. Der Grund liegt vielmehr
in der wachsenden Bedeutung des 'Hofes' Evese. Hier
tagte das Hochgericht, hier war die größte Bevölkerungsdichte
rechts der Saar, hier wohnte der Pfarrer, weit von
der 'Mutterkirche'-Serrig entfernt.
Mit dem Erweiterungsbau unserer Kirche betonte der
Erzbischof seine Präsenz in unserem Land, verhalf
unserer Kirche zu mehr Selbständigkeit gegenüber der
kirchlichen Verwaltungsbehörde, dem Erzstift
in Kyllburg, und schließlich begrenzte er durch solche
Maßnahmen den kaiserlichen Einfluß. Als Lothringer
hatte Sierck keine Sympathie für den 'deutschen' Kaiser
des Römischen Reiches. Einige Jahrzehnte später,
im Jahre 1495, trennten sich auf einem Wormser Reichstag
die romanischen Völker Italiens und Frankreichs
aus dem Verbund des 'Heiligen Römischen Reiches',
das von da an nur begrenzt mit dem Beisatz'Deutscher
Nation' weiter bestand. Wenn der Erzbischof im Gewölbe
unserer kleinen Kirche sein Wappen anbrachte, dann
machte er seinem Unmut gegenüber den damaligen politischen
Verhältnissen Luft.
Mit der Zerstückelung des Römischen Reiches
in 'Nationen' fand in jenen Jahren das Mittelalter
sein Ende. Die sogenannte 'Neuzeit' begann - man sagt
mit der Entdeckung Amerikas (1492).
Zusammenfassend kann gesagt werden:
Der Erzbischof und Kurfürst Jakob von Sierck verdient
für das mannigfache Gute, das er in dieser Landschaft
geleistet hat, den Titel: 'Wohltäter von Stadt und
Land Saarburg.'
Sein Wappen im Ostturm unserer Pfarrkirche kennzeichnet
das Ende des Mittelalters und wünscht der Neuzeit
mit der schönen Zierblume am Pfeiler: = BONA
ET MELIORA - Alles Gute!
Deutung der Zierblume am
Turmfeiler
Ursprünglich war die Kirche von Irsch eine Filiale
(Filia=Tochter) von Serrig. Um die Mitte des 15. Jh.
siedelte der Pfarrer von Serrig nach Irsch über, das
durch die Errichtung der 'Gaupflege' rechts der Saar
an Bedeutung gewachsen war. So blieb zwar die Irscher
Kirche eine Tochterkirche von Serrig, was die in der
Himmelsrichtung nach Serrig schauende Blume bedeutet,
aber sie erlangte zu gleicher Zeit gewisse Eigenrechte
(Eigentum, Sakramentenspendung, regelmäßige Gottesdienste
und das kirchl. Gericht) unter der Obhut des Erzbischofs,
weshalb die Blume auf einer angedeuteten Mitra erscheint.
Somit ist die Zierblume ein Dokument für die Erhebung
der Irscher Kirche zu einer bischöfl. Eigenkirche
unter Jakob von Sierck um das Jahr 1450.
Im 1. Jahrhundert der Neuzeit
Unsere Pfarrchronik nennt im Jahre 1502 den Namen
unseres Ortspfarrers: Heinrich von Prume. Er trägt
den Titel: Pastor in Eyhse und Brudermeister der Sakraments-Bruderschaft
in Saarburg.
Pastor in Eyhse. Damit ist unser Irsch gemeint. Bereits
seit 1400 wird unsere Ortschaft Evese gelegentlich
mit dem Suffix '-esche' als Euesche genannt. Nach
1500 verdrängt dieses Suffix das bisherige Stammwort
gänzlich, sodaß es zur Ortsbenennung in folgenden
Wendungen kommt: Eyhse - Ysche - Iasche. Auch heute
noch spricht der Volksmund das Wort Irsch wie lasch
aus. Man muß kein großer Sprachenkenner sein, um darin
das Wort 'Eiche' zu erkennen.
Richtig bemerkt Dr. Laufner in '1000 Jahre Saarburg':
'Die Umbenennung einer Ortschaft erfolgt nicht unmotiviert.
Sie kann im Besitzerwechsel, im Wechsel der Nutzungsart
eines Gebietes oder im Funktionswechsel begründet
sein.' Das zweite trifft für unsere Ortschaft zu.
Weite Teile des Euesener Gebietes waren bis in unsere
Tage von Eichen-Niederwald bestanden. Die Rinde der
jungen Niedereichen, Lohhecken genannt, war von jeher
von den Gerbern (wegen des hohen Gerbstoffgehalts)
sehr gesucht zur Herstellung der Gerbbrühe (Lohe).
Mit höchster Wahrscheinlichkeit bestand schon
vor dem Jahre 1400 in Saarburg eine Zunft der 'Lauer'
(von Lohe). Aus dem Jahre 1569 jedenfalls ist eine
Urkunde erhalten von der Erneuerung der 'Lauer'-Zunftordnung.
Mit der Blüte des Gerberei-Gewerbes ging auch das
Zubringergewerbe der Lohhecken-Schäler Hand in Hand,
das bei uns bis in die neueste Zeit ein wichtiger
Erwerbszweig war. Der 'Schunke-Schäle-Bua' an der
Straße von Irsch nach Ockfen könnte seine Benennung
von den Schunken (Eichenrinden)-Schälern ableiten,
die beim Born ihre Brotzeit hielten.
Von der Nutzungsart des Eichenbestandes dieser Landschaft
hat demnach unser Ort den heutigen Namen Irsch erhalten.
Es mag noch erwähnt werden, daß der 'Casel-Bach' in
seinem oberen Verlauf 'Iasche-Bach' genannt ist, soviel
wie Eichen-Bach. In der Tat war der obere Bachlauf
von Niedereichen bestanden. Wie der Bach so hat unser
Irsch den Namen von der Eiche. - Das gleiche mag gelten
von der Bezeichnung des Ortsteiles 'Büst' am Büsterbach
gelegen, dem entlang sich ein weites Busch-(=Buesst)
Gebiet erstreckte. Ähnlich leitet die 'Schiffelbuesst'
(Schilfbusch) an der Saar ihre Benennung ab.
Der oben genannte Pfarrer Heinrich von Prurne ist
in der Chronik auch als Brudermeister der Sakraments-Bruderschaft
in Saarburg aufgeführt. In dieser Eigenschaft hatte
er über das Inventar der kirchlichen Einrichtungen
zu wachen. Das führt uns auf die Spur der Herkunft
des kleinen vergoldeten Silberkelches in unserer Pfarrkirche.
Dieser Kelch hat einen ausgesprochen spätgotischen
Nodus, wie er in den Jahrzehnten um 1500 üblich war.
Gelegentlich einer kleinen Restaurierung des Kelches
im Jahre 1932 stellte der Goldschmied Johann Lürenbaum,
Trier, fest, daß der Kelch keine Schrauben besaß und
deshalb ein Alter von 400/500 Jahren haben muß, da
solche seiner Zeit nicht im Gebrauch waren.
Die Namen der Pfarrer von Irsch

Vom Jahre 1500 bis auf den heutigen Tag nennt unsere
Chronik in fast lückenloser Folge die Namen der Pfarrer
von Irsch. In dankbarem Gedenken seien sie hier wiedergegeben:
- 1254 Pfarrer Godehard, Zeuge in Trier
- 1502 Heinrich von Prume
- 1512 Johann von Grymelrait, Erbauer der Gnadenkapelle
in Beurig
- 1569 Johann Schönecken, vollendet die Wallfahrtskirche
(1579)
- 1595-1624 Anton Beer, beruft die Franziskaner
nach Beurig
- 1624-1634 Reinerus Gerolstein
- 1634-1637 Pfarrer Simon
- 1637-1652 Peter Bongard aus Wittlich
- 1652-1692 Johann Wilhelm Merfeld
- 1692-1720 Wilhelm Merfeld, Neffe des o.a.
- 1720-1739 Johann Backes
- 1739-1759 Joh. Jakob Eschermann, Erzb. Sekrätär
in Trier
- 1759-1793 Johann Backes aus Oberlauch, erbaut
unser Pfarrhaus in Irsch
- 1793-1803 Johann Hoffmann aus Oberlauch (Prüm)
- 1804-1808 Heinrich Schneider, erbaut das heutige
Hauptschiff der Kirche
- 1808-1813 Joh. Peter Casel aus Ehrang; Grabplatte
hinter d. Kirche
- 1813-1817 Karl Kaspar Eschermann aus Trier, Kanonikus
- 1817-1848 Peter Kremer; Grabplatte hinter der
Kirche
- 1848-1850 B. Pfeiffer, + im Alter von 45 Jahren
- 1850-1865 Peter Schmitt aus Trier
- 1865-1884 Michael Kahlen aus Trier; Grabdenkmal
hinter der Kirche
- 1884-1912 Karl Anton Tinü aus Beckingen; Erbauer
der Pfarrkirche Ockfen
- 1912-1919 Johann Willems aus Ralingen; vergrößert
unsere Pfarrkirche durch Seitenschiff, Empore, Freitreppe
und Westturm.
- 1919-1926 Jakob Hilger aus Trier
- 1926-1928 Michael Rausch aus Tholey
- 1928-1946 Johann Boden aus Kurtscheid; Schreiber
unserer Pfarrchronik
- 1946-1967 Karl Schwaab aus Olewig; restauriert
unsere Pfarrkirche im Sinne der Liturgie-Reform
des II.Vat. Konzils (L966) Begraben auf unserem
Friedhof (+1967)
- 1968-1990 Pater Markus Laser
- 16/17.2.91 - 09.2005 Hubert Nickels
Gnädiger Gott, wir bitten Dich für unsere verstorbenen
Priester. Sie haben Deinen Namen unter uns kundgetan
und uns das Brot des Lebens gereicht; belohne ihren
treuen Dienst und nimm sie auf in die Gemeinschaft
deiner Heiligen im Himmel.
R. I. P.
Die Gnadenstätte der Muttergottes 'Bei der Eiche'
'Seit dem Jahre 1500 brachte der nahe zur Pfarrei
gehörige Wallfahrtsort 'Bureshe' (Beurig) für
die Pfarrer in Irsch viel zusätzliche Arbeit. Das
damals nur aus wenigen Häusern bestehende Beurig -
im Jahre 1725 zählte es erst 22 Bürger - verdankt
der Wallfahrt seinen Aufschwung. Anlaß der Wallfahrten
war die Auffindung einer Statue der hl. Mutter Gottes
mit dem Jesuskind, die in der Gabel einer Eiche des
talwärts gelegenen Waldes bereits im Jahre 1304 aufgestellt
worden sein soll. Bei der zunehmenden Verehrung erbaute
man zunächst bei der Eiche eine kleine Kapelle aus
Holz, wohin man das Bild übertrug. Da die Zahl der
Pilger von nah und fern sich immer mehr steigerte
und Kranke aller Art wunderbare Heilung fanden, ließ
der Kurfürst und Erzbischof Johann II. von Baden im
Jahre 1479 anstelle des hölzernen Heiligenhäuschens
eine größere Kapelle aus Stein errichten. Der
Schlußstein über dem Gnadenaltar zeigt im Wappen des
Verkündigungsengels als untere Hälfte das Emblem des
badischen Erzbischofs: ein roter Balken auf braunem
Grund.
Johann von Baden war als 3. Sohn des Markgrafen Jakob
I. von Baden auf der Burg Hohenbaden im Jahre 1434
geboren. Noch heute schaut die hochgelegene Burgruine
über das offene Tal von Baden-Baden weit übers Land
hinaus. Sein älterer Bruder Bernhard von Baden erwarb
sich um die Verteidigung Europas gegen die Türkengefahr
große Verdienste. Er starb erst 30 Jahre alt an der
Pest in Moncalieri bei Turin, wo er begraben liegt
und ob zahlreicher Wunder als 'Seliger' und Stadtpatron
verehrt wird. - Johann von Baden wurde im Jahre 1456
zum Kurfürsten von Trier gewählt, aber erst im Jahre
1464 wegen seines jugendlichen Alters zum Erzbischof
geweiht. Aus dem gleichen Grunde residierte er größtenteils
auf der Saarburg, wo er auch von seinem jüngeren Bruder
Georg, Erzbischof von Metz, unter großem Gepränge
die Bischofsweihe empfing. Er war ein frommer Bischof,
zog sich gern in die Einsamkeit zu Gebet und Betrachtung
zurück und war wohl der prominenteste Marienverehrer
am Beuriger Gnadenort. Als Freund der Wissenschaft
gründete er im Jahre 1473 die Universität von Trier.
Er starb 1503 auf dem Ehrenbreitstein und wurde im
Westchor des Trierer Domes beigesetzt.
Das Gnadenbild ist eine ca. 1 m hohe hölzerne
Figur im Halbrelief und zeigt Maria, wie sie dem Jesuskind
die Brust reicht. Laut Bericht aus dem Jahre 1854
ist das Bild: 'unansehnlich, klein und unscheinbar,
nicht geputzt und nicht geziert; es zeichnet sich
durch nichts aus als durch seine Wunderwerke.'
Das Gnadenbild von Beurig
Das Bild ist eine Darstellung der Mutterschaft
Mariens im Sinne des 'Hochfestes der Gottesmutter
Maria', welches die Kirche am 1. Januar feiert. Andere
Auslegungen wie: 'Stillende Madonna' oder 'Mutter
der Barmherzigkeit', sind wohl zu sinnfällig oder
zu unpersönlich erhaben. Die Absicht des Bildes
ist nicht etwa, darzustellen, daß die Mutter dem Kind
die Brust reicht, sondern vielmehr das daraufhin entstehende
Gespräch zwischen Mutter und Kind.
Während das im rechten Arm der Mutter sitzende Kind
seine linke Hand an die bloße Brust der Mutter legt,
neigt sich das Haupt der Mutter leicht dem Kinde zu:
'Siehe, deine Mutter - -!' So natürlich diese Aussage
klingen mag, sie ist von tiefem prophetischem Sinn
erfüllt. Erstaunt und betroffen richtet sich das Kind
auf und blickt der Mutter in's Gesicht! Frau, meine
Stunde ist noch nicht gekommen.' Dabei legt sich das
linke Bein des Kindes in Kreuzform über das rechte
und wird mit betonter Geste vom rechten Arm des Kindes
in dieser Stellung festgehalten. Damit ist d i e Stunde
angedeutet, in welcher das Kind am Kreuz auf Golgotha
als Erlöser der Menschheit zu Johannes und allen
unter dem 'Kreuz' das ihm allein zustehende Wort sagen
wird:
'Siehe, deine Mutter- - !' nämlich: die Mutter auch
deines Heiles, betender Pilger! Angesichts der Vision
des Kreuzes legt sich eine Wolke stiller Traurigkeit
über das Antlitz Mariens. Eine zunächst abwehrende
Geste ihrer linken Hand verwandelt sich beim Worte
des Kindes: 'Mutter, siehe dein Kind - !' zum Empfangsgruß
für den Pilger, damit sich an ihm erneut die Verheißung
erfülle: 'Was aus dir (Maria) in der Kraft des Hl.
Geistes geboren wird, wird Kind Gottes sein.'(Lk.1,35)
Das Thema der allgemeinen 'Mutterschaft Mariens'
war im hohen Mittelalter sehr beliebt. So schreibt
der Abt Aelred von Rievaulx (+1167): 'Ganz gewiß,
Brüder, Maria ist wirklich unsere Mutter. Durch sie
sind wir geboren, nicht für die Welt, sondern für
Gott. Ihr glaubt und wißt es: Wir alle waren im Tod,
denn wir hatten Gott verloren. Durch die selige Jungfrau
Maria sind wir weit besser geboren worden als durch
Eva, weil von Maria Christus geboren worden ist -
unsere Heiligkeit, unsere Weisheit, unsere Gerechtigkeit,
unsere Erlösung. Mutter ist sie unseres Lebens.
Darum ist sie uns mehr Mutter als unsere leibliche
Mutter.' (Brev. Rom.)
Wallfahrt und Gebetserhörung
Mit der Glaubensaussage eines religiösen Bildes
ist wesentlich verbunden die Glaubensverkündigung.
Religiöse Bilder sind die 'Bibel des Volkes'.
Deshalb versteht sich ein echter Wallfahrtsort als
Dienst der Kirche am Menschen. Dazu benötigt
er den anerkennenden Segen der Kirche, ihre Gutheißung,
ihre Gnadenvermittlung durch die Sakramente, ständiges
Gebet und das Opfer christlicher Liebe.
Von anderen Kirchen oder Gebetsstätten unterscheidet
sich ein Wallfahrtsort durch seine örtliche Unbegrenztheit,
seine zeitlose Verfügbarkeit und seine Unabhängigkeit
von gesellschaftspolitischen Absicherungen. 'Sie säen
nicht, sie ernten nicht - und doch ...'. Wallfahrtsort
und Gnadenbild sind dabei nur Anlaß, niemals Ursache
einer Gebetserhörung. Die alleinige Ursache einer
Erhörung ist das Gebet des Glaubens: 'Dein Glaube
hat dich geheilt...'! Wobei die seeliche Aufrichtung
und Gesundung durch Herzensfrieden, Trost, Ergebenheit,
Mut und Gottvertrauen weit mehr wiegt, als ein außerordentliches,
wunderbares Geschehen.
Das Gesagte trifft auf die Beuriger Gnadenstätte
zu. Seit alters her steht sie unter dem Patronat der
Bischöfe von Trier. Das bedeuten die Wappen ihrer
Erbauer, (der Erzbischöfe Richard von Greiffenclau
und Johann III. von Metzenhausen, sowie die Reliefbüsten
der Bistumspatrone, St. Matthias und St. Eucharius
auf den Säulenkapitellen der Gnadenkapelle. Als im
Jahre 1827 Beurig zur selbständigen Pfarrei erhoben
wurde, wurde sie als 'bischöflich' betrachtet.
Im Bistums-Archiv in Trier befindet sich eine Handschrift
aus dem Jahre 1654. Auf 78 Folioseiten wird darin
von Gebetserhörungen berichtet, die je einzeln
von Zeugen und Saarburger Notaren beglaubigt und unterschrieben
sind. Danach kamen Wallfahrten und Einzelpilger aus
allen Landschaften an Saar und Mosel bis aus Lothringen
und Luxemburg. Es wird von Krankenheilungen aller
Art, von wunderbaren Hilfen in Notlagen und von Bekehrungen
berichtet. Die Gebetserhörungen und wunderbaren
Geschehnisse sind nicht notwendigerweise an Ort oder
Bild gebunden. Sie ereignen sich oft schon im Augenblick
des Versprechens (Votum) einer Wallfahrt, vor oder
nach dem Besuch der Gnadenstätte, manchmal durch das
stellvertretende Gebet und Opfer eine Pilgers für
einen Menschen in Not, worunter die hl. Messe eine
hervorragende Stellung einnimmt. Auch Andersgläubige
werden erwähnt, die Hilfe gefunden haben; andere Wallfahrtsorte
sind ebenbürtig genannt, denen Gebetserhörungen
gut geschrieben werden
Votiv-Tafeln und Opfergaben: 'De Voto' und 'Pro
Gratia'.
Jedem Wallfahrtsort verleihen die vielen Votiv-Tafeln
und Weihegeschenke, die an den Wänden der Kirche und
besonders um den Gnadenaltar aufgehängt sind, ein
eigenartiges Gepräge.
In der Bestandsaufnahme von 1512 heißt es über den
Beuriger Gnadenaltar: 'Vor dem Bild sind viele Silberkleinodien
aufgehängt, 16 Silberringe, Korallenkränze und ein
Rosenkranz aus Leder; eine Menge Gegenstände aus Wachs
geformt; 2 Kinderfiguren, 3 Kopfbilder. Zum Besitz
des Gnadenbildes gehören ferner: 10 Krücken,
11 Soldatenstöcke und 3 kleine Kinderhemde; große
Mengen Wachs, welche geschehene Wunder figürlich darstellen.
In einer Kiste sind mehrere Handtücher und Windeln;
in einer anderen Leinen und Werg.'
Die Wertgegenstände, Pilgeropfer in Geld oder Naturalien,
Stiftungen und Nachlässe werden gemäß Verfügung des
jeweiligen Bischofs verwendet: zur Instandhaltung
und Ausstattung der Kirche, zur Betreuung und Unterstützung
der Pilger (Essenausgabe und Almosen) und schließlich
zum Unterhalt des Dienstpersonals. - Oft finden sich
bei größeren Wallfahrtsorten verschiedene soziale
Einrichtungen wie: Pilgerheim, Krankenhaus, Waisenhaus
u.a., die durch die Pilgeropfer unterhalten werden.
Zu letzteren reichten die Opfergaben in Beurig nicht,
trotzdem konnte mit ihnen im 17.Jh. ein Franziskanerkloster
gebaut werden, in welchem zeitweilig mehr als 20 Patres
und Brüder lebten.
Ein Bericht aus den 'Wunderakten'
Im Jahre 1621 war eine große Dürre und Hitze. Die
Erde riß auf, Menschen und Tiere verschmachteten fast.
Es konnte nichts mehr wachsen und alles, was gewachsen
war, begann zu verwelken und zu verdorren. Da beschlossen
die Pfarrkinder von Trierweiler einhellig, das wundertätige
Bild zu Beurig in einer Prozession zu besuchen und
dort bei der Mutter Gottes um einen gedeihlichen Regen
anzuhalten. Was geschieht? Als die Prozession schon
5 Stunden unterwegs war, auf der Schodener Flur -
nur eine Stunde von Beurig entfernt, da fing der Himmel
an, sich zu trüben und ließ reichlich den lange gewünschten
und erhofften Regen herunter fallen. An demselben
Ort, wo sie ihre Bitte erfüllt sahen - machten sie
ein Gelübde, ein steinernes Kreuz zu errichten zum
ewigen Gedächtnis an dieses wunderbare Ereignis.
Das Kreuz steht heute noch in der Gemarkung Schoden
als 'Aacher Kreuz' bezeichnet. Es trägt die Inschrift:
Aach - Sirzenich - Trierweiler
1621
Die Pfarrer von Irsch im Dienst des Wallfahrtsortes
Daß die Gnadenstätte der Muttergottes in Beurig zu
großer Blüte gelangte, ist nicht zuletzt der Frömmigkeit
und dem Seeleneifer der Pfarrer von Irsch zuzuschreiben,
in deren Seelsorgsbereich der Wallfahrtsort lag.
Wie groß die Verehrung der Irscher Leute zur Beuriger
Muttergottes war, liegt der legendären Erzählung zu
Grunde, daß sie des öfteren versucht haben sollen,
das Gnadenbild in ihre Kirche nach Irsch zu übertragen.
Als dieses nicht gelang, errichteten sie für das Bild
'bei der Eiche' eine erste hölzerne Kapelle.
Später waren es wieder die Irscher, welche die meiste
Eigenleistung beim Bau der neuen Wallfahrtskirche
unter Johann von Baden im Jahre 1479 'um Gottes Lohn'
erbrachten. So betrachtet auch heute noch das Irscher
Volk die Beuriger Kirche als 'ihre' Kirche und die
meisten Pilger der näheren Umgebung kommen aus Irsch.
In die Amtszeit des Pfarrers Johann von Grymelrait
fällt das bedeutende Ereignis eines Reichstages, den
Kaiser Maximilian für den 16. April 1512 nach Trier
einberufen hatte. Bei seinem Trierer Aufenthalt ließ
sich der fromme Kaiser genauen Bericht erstatten über
die Grabstätten von Heiligen in Stadt und Land, über
verehrte Reliquien - damals wurde eigens aus diesem
Grunde der Hl. Rock zur Verehrung ausgestellt - und
schließlich über die vorhandenen Wallfahrtsorte im
Trierer Raum.
In einer Urkunde vom 10. Mai 1512 findet sich eine
genaue Beschreibung der damals bestehenden 'Badischen
Kapelle'. Es heißt: 'Die Kapelle hat die Form eines
Quadrates, sie ist genügend lang und breit. Ein Nebenaltar
(altare secundarium) ist der seligen Jungfrau geweiht;
auf ihm steht - umgeben von hölzernen Schranken
- die aus Holz geschnitzte Figur der seligen Jungfrau.
Auf ihrer Rechten trägt sie den Jesusknaben. Sie ist
dunkel (geschwärzt) von wunderbarem Anblick; sie trägt
ein Kleid aus Seide. Vor dem Bild sind viele Silberkleinodien
aufgehängt...'
Wohl auf Anweisung des Kaisers hin berief laut derselben
Urkunde der damalige Erzbischof Richard von Greiffenclau
den Pfarrer von Irsch, Johann v. Grymelrait, andere
Abgeordnete der kurfürstl. Regierung und den kaiserlichen
Notar in das Haus des Domdechanten Philipp von Chriechingen
zu Trier. Dort wurde verhandelt und bestimmt über
die Verteilung der Pilgeropfer zwecks Erbauung einer
größeren Wallfahrtskirche in Beurig.
'-- in ir Marie luden ich ...'
Laut Jahreszahl 1516 über dem Wappen des Erzbischofs
Richard von Greiffenclau in der Beuriger Gnadenkapelle
konnte im Jahre 1516 mit dem Bau der neuen Wallfahrtskirche
begonnen werden. Die Gnadenkapelle wurde um das doppelte
verlängert, nach Süden eine geräumige Pilgerkirche
angebaut. Die Bauarbeiten wurden des öfteren
durch kriegerische Ereignisse gestört und unterbrochen.
Im Jahre 1522 fiel der gewalttätige Franz Sickingen
in diese Landschaft ein, belagerte die Saarburg und
plünderte die umliegenden Ortschaften. Noch Schlimmeres
geschah im Jahr 1552, als im sogenannten 'Mordbrennerkrieg'
Jodokus von Dailberg, Heerführer des Markgrafen Albrecht
von Brandenburg, die Saarburg stürmte und niederbrannte.
Damals sank Irsch in Schutt und Asche.
Erst im Jahre 1579 war dann der Kirchbau vollendet,
wie die Zahl über dem Wappen des Metzenhausen in der
Gnadenkapelle angibt.
Aus der Bauzeit der Wallfahrtskirche, dem Jahre 1529,
stammte eine Glocke in unserem Kirchturm. Sie war
350 kg. schwer, aus Messing und trug in gotischen
Minuskeln folgende Inschrift:
ihesus heischen ich - in ir Marie luden ich -
bos wedder verdreiwen ich -
Dederich von Prom gos mich - MDXXIX
Auf Grund der Inschrift maß ihr der Volksglaube bis
in unsere Tage besondere Bedeutung bei. Es handelte
sich um eine Votivglocke 'Zu Ehren Marias', welche
die Pfarrkinder von Irsch zum Dank für Rettung aus
Kriegsnot stifteten. Sie läutete mit ihrem hellen,
silbernen Klang, von dem die Leute noch zur Zeit unseres
Chronisten (im Jahre 1940) sprachen, zu schweren Zeiten,
bei Gewittern und Feuersbrünsten Mut und Gottvertrauen
ins Herz der Menschen. Leider wurde die Glocke wohl
weil sie gesprungen war, im Jahre 1913 eingeschmolzen
zur Herstellung eine größeren Geläutes für den
neuen Kirchturm Nebenbei bemerkt: der Glockengießer
unserer Glocke, Dederich von Prom, hat auch die 'Maternus'-Glocke
im Trierer Dom gegossen (1516).
Die volkstümliche Erzählung, daß die Glocke von einem
Fuhrmann im Walde gefunden worden sei, hängt wohl
mit einem Raub im Dreißigjährigen Krieg zusammen.
Dasselbe gilt von einer überlieferung, wonach die
Glocke aus einer ehemaligen 'Neunhäuser' Kapelle stammen
sollte - außer es handelt sich eben um unsere Pfarrkirche
zwischen den beiden Benennungen: Euesen und Ysche.
Die 'Dräwer' - Madonna
Am Ortsausgang von Irsch nach Zerf stand bis zum
Jahre 1967 ein Kapellchen, vom Volk die 'Dräwer-Kapelle'
genannt. Es stand laut Katastereintragung auf kircheneigenem
Gebiet: Gemarkung Irsch, 'Hinterm Oberendsweg', Flur
Nr. 807/706; ursprüngliche Größe 0,06 ar, im
Jahre 1880 vergrößert zu 0,12 ar. In der Flurbereinigung
1964 wurde dieses Grundstück offenbar zusammengelegt.
In diesem Kapellchen hing die hölzerne Halbfigur
der Mutter Gottes, vom Volksmund die 'Dräwer-Madonna'
genannt.
Es handelt sich um eine reliefierte Halbfigur der
Muttergottes mit dem Kinde, aus Eichenholz, 36 cm
in Höhe und Breite, als Leuchterfigur hergestellt.
Die Untersicht besteht aus 2 im Weitwinkel zugeordneten
Halbflächen mit einem in der Mitte des Scheitelbodens
befindlichen ca. 10 cm tiefen Zapfenloch für die Aufstellung
auf den Leuchter. Im Rücken der Figur befindet sich
eine ca., 10x10x3 cm große Aushöhlung zum Anbringen
der Figur an einen Wandhalter.
Auf der Untersicht befindet sich das reliefierte
Wappen des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Johann
III. von Metzenhausen (1531-1540). Das Wappen zeigt
in 2 Feldern das Trierer Bischofskreuz in rot auf
Goldgrund; in den anderen beiden Feldern ist das als
Wolfsangel bezeichnete Emblem der Ritter von Metzenhausen
in Gold auf dunkelblaunem Grund.
Der Kopf und das Antlitz Mariens ist anmutig jugendlich.
Auf dem Haupt trägt Maria einen etwa 5 cm hohen goldenen
Kronreif mit Lilienblüten. Das Kind liegt horizontal,
etwas groß, auf einem feinen Linnen von der linken
Hand der Mutter an der Schulter und mit der rechten
am Bein zart gefaßt. Das Antlitz des Kindes zeigt
fast herb-ländliche Züge mit geistvoll offenem Blick
der Augen. Die rechte Hand des Kindes ist zum Segen
erhoben, während die linke den goldenen Reichsapfel
hält. Den übergang vom Bild zum Wappen auf der Untersicht
bildet ein 2 cm breiter Streifen in natürlicher Holzfarbe,
auf dem sich eine vergoldete Strichzeichnung befindet,
wohl eine Krone (kaiserliche) andeutend. Die Bekleidung
der Mutter besteht aus einem goldenen Mantelüberwurf
mit dunkelblauem Futter, darunter ein weinrotes Gewand
mit braunem Schürzenmieder.
Unsere Chronik weiß von der geschichtlichen Vergangenheit
des Bildes nur zu berichten, daß es unter den Kunstdenkmälern
unbekannt war, bei den Ortseinwohnern jedoch seit
altersher in großer Verehrung stand. Bei einer übermalung
im Jahre 1936 wurde das Wappen auf der Untersicht
der Figur entdeckt. Pfarrer J. Boden gab daraufhin
das Bild in die 'Kunstdenkmäler der Rheinprovinz'
auf unter Kreis - Saarburg S. 98 mit sw. Foto.
Zur Geschichte der 'Dräwer-Madonna'
1) Das Wappen des Metzenhausen
mit Bischofskreuz und Emblem des Rittergeschlechts
derer von Metzenhausen legt eindeutig die Herstellung
der Figur in die Amtszeit des Erzbischofs und Kurfürsten
Johann III. von Metzenhausen (1531-1540). Dieser war
im Jahre 1492 geboren, 1511 zum Priester geweiht und
1531 zum Erzbischof gewählt. Am Lichtmesstag (2. Februar)
1532 erhielt er in Boppard von Kaiser Karl V. die
Regalien (kurfürstl. Würden und Rechte) und wurde
kurz darauf am 26.3.1532 zum Bischof geweiht. Zur
Erinnerung an diesen denkwürdigen Lichtmesstag wurde
unsere Madonna angefertigt als 'Darstellung Jesu im
Tempel'. Die Leuchterform bringt sinnvoll den Lobpreis
des greisen Simeon auf das Jesuskind zum Ausdruck:
'Ein Licht, das die Heiden erleuchtet...' - Die nach
oben abgeschrägte vordere Bodenhälfte der Figur bringt
das Wappen des Metzenhausen in Bezug mit dem biblischen
Geschehen und beides zugleich in den Blick des Betrachters.
Der Reichsapfel in der Hand des Kindes, die bischöfliche
Segensgeste, die angedeutete Kaiserkrone und das Gold
im Wappen sowie im Mantel der Muttergottes, schließlich
der fürstliche Kronreif auf dem Haupt Mariens - bringen
deutlich das Geschehen des Lichtmesstages von Boppard
zum Ausdruck.
2) Das Bild als Urkunde.
Aus dem Gesagten geht hervor, daß unser Bild kein
Andachtsbild ist, sondern mehr eine urkundliche Erinnerung
an das persönliche Ereignis im Leben des Metzenhausen,
nämlich seiner Creation zum Kurfürsten. Trotzdem ist
das Bild kein eitles Souvenir, denn es war nicht für
den kurfürstl. Palast bestimmt, sondern für die Irscher
Kirche und ihren jeweiligen Pfarrer. Jahrhunderte
hindurch bewahrte sich im Volksmund das Bild die Bezeichnung
als 'Dräwer' = Trever. = Trierer Madonna. Für das
Volk stand also nicht der Glaubensinhalt (Lichtmess-Madonna)
oder die Herkunft (Metzenhausener Madonna) im Vordergrund,
sondern ein für die Gemeinde bedeutendes Ereignis,
welches in Bezug stand zur Madonna einerseits und
zum Trierer Erzbischof Johann v. Metzenhausen andererseits.
Den Akten nach war der Vergrößerungsbau der
Beuriger Gnadenkapelle um das Jahr 1530 abgeschlossen,
der 1516 von Erzbischof Greiffenclau begonnen worden
war. Gemäß dem Wappen des Erzbischofs Metzenhausen
wurde der neue Gnadenaltar in dessen Amtszeit konsekriert
durch Weihbischof Nikolaus Schienen (+1536), wie der
Reliquienfund im Altar erwiesen hat. Zu gleicher Zeit
ernannte Johann von Metzenhausen die Wallfahrtskirche
zur bischöfl. Eigenkirche, was die schönen
Reliefbüsten der Trierer Bistumspatrone, St. Matthias
und St. Eucharius, an den Säulenkapitellen bedeuten.
Den Pfarrern von Irsch übertrug er das Rektorat über
die Kirche durch übergabe seines Wappens auf einem
Madonnenbild, welches von da an die 'Trierische' Trever.-Verfügung
beurkundete und wie üblich in der Pfarrkirche aufgestellt
wurde. So kam das Madonnenbild, zum Namen 'Trever-Madonna'
und nach Irsch. Nach der späteren übernahme der Beuriger
Kirche durch die Franziskaner, verlor unser Madonnenbild
sein Daseinsrecht in der Pfarrkirche und man errichtete
für seinen neuen Standort eine Kapelle, die 'Trever-Kapelle'
genannt, mit einem Gedenkkreuz des hl. Johannes zur
Erinnerung an den Erzbischof und Kurfürsten Johann
von Metzenhausen. Dieses Kreuz als 'Allerwelthannes'
benannt - stand dort bis in unsere Jahre, da es durch
Alter und Wetter zerfiel.
3) Das Bild als Spiegel der Persönlichkeit des
Metzenhausen.
In einem Brief an Erasmus von Rotterdam beschreibt
ihn der berühmte Dominikaner-Theologe an der Universität
Trier, Ambrosius Pelargus, so: 'Ein Mann mit offenen
Gesichtszügen, von hünenhafter Gestalt, leutselig
und mit hellem Geist.' -
Johann III. von Metzenhausen
war ein Humanist von hoher klassischer Bildung, aber
auch ein frommer Erzbischof, der dem Ansturm der protestantischen
Reform energisch Widerstand leistete. An der Universität
Trier gründete er den Lehrstuhl für Ethik, auf den
er als ersten Magister Justinus Gobler berief. Für
seine Verehrung zur Muttergottes spricht unsere Madonnenfigur
und die Tatsache, daß er den Bau der Gnadenkapelle
in Beurig -laut seines daselbst angebrachten Wappens
- tatkräftig förderte und schließlich um 1536
vollendete. Sein Weihbischof Schienen Nikolaus weihte
den Gnadenaltar, wie ein Reliquienbefund im Altar
ergab.
Im Jahre 1540 reiste er als einer der 4 kath. Abgeordneten
zu einem Religionsgespräch nach Hagenau b. Straßburg,
um die Religionsstreitigkeiten beizulegen. Dort erlitt
er beim Einbruch ungewöhnlicher Sommerhitze einen
Schlaganfall. Todkrank brachte man ihn noch auf die
Burg Daenstein im Wasgenwald (beim heutigen Dahn),
wo er jedoch am 22. Juli 1540 im Alter von nur 48
Jahren starb. Am 26. Juli 1540 wurde er im Trierer
Dom beigesetzt.
Im Auftrag seines Nachfolgers, Johann Ludwig von
Hagen, Erzbischof und Kurfürst von Trier (1540-1547),
schuf Meister Hieronymus Treviris (v. Trier) zusammen
mit seinem Sohn Hans das herrliche Grabmal des Metzenhausen,
das zu den bedeutendsten Denkmälern ital. Hochrenaissance
diesseits der Alpen zählt. In Selbstbildnissen stellten
sich auf dem Grabmal Meister und Sohn dar, indem sie
die Tafel mit der Grabinschrift, aufgehängt an einer
Waage, im Gleichgewicht halten. Auf ihr liest man
in lateinischer Sprache das oben Gesagte:
'Egregio Principi Domino Joanni a Metzenhausen Archiepiscopo
Trevirensi, cuius virtute et industria Ecclesia Trevirensis
per novem annos et quattuor menses foeliciter administrata
est. Successor Joannes Ludovicus ab Hagen Optimo Principi
virtutis causa posuit. Periit in conventu Hagenoensi
in quattuor=viros componendae religionis designatus,
cum annus ferventissimus incidisset, aeger relatus
est in arcem Daenstein vasculae ubi extinctus est
XXII Julii, inde perlatus ad suos hoc loco sepultus
est anno MDXL.'
Der Meister des Metzenhausener Grabmals ist ohne
Zweifel auch der Schöpfer unserer 'Dräwer-Madonna':
Hieronymus Treviris. Das ergibt sich leicht aus dem
Vergleich des doppelkanülierten Bischofskreuzes im
Wappen des Grabmals und im Wappen unserer Madonna.
Kein Wappen anderer Trierer Bischöfe kennt diese
Art von Kreuz. Zudem ist leicht zu erweisen, das unser
Muttergottesbild genauso dem ital. Renaissancestil
zuzuschreiben ist wie das Grabmal. Es wird deshalb
wohl auch zu den Bedeutendsten Werken dieser Stilrichtung
diesseits der Alpen gehören.
St. Gervasius und Protasius
Das Visitations-Protokoll des Landkapitels Merzig
vom Jahre 1569 berichtet: 'Die Kirche in Irsch ist
den hl. Gervasius und Protasius geweiht und besitzt
4 Altäre. Der in Irsch wohnende Pfarrer ist Pastor
von Irsch und Beurig. Er wird in der Seelsorge von
einem Kaplan unterstützt'. Der damalige Pfarrer in
Irsch hieß Johann Schönecken und war Dekan des
Kapitels Merzig.
Zwar ist dieses Protokoll das 1. schriftliche Zeugnis,
das als Schutzheilige unserer Pfarrkirche die hl.
Gervasius und Protasius nennt, doch dürfen wir mit
guter Berechtigung annehmen, daß bereits der Gründer
unserer Kirche, Erzbischof Eberhard von Trier, im
Jahre 1052 die beiden hl. Brüder und Martyrer zu Patronen
unserer Kirche bestimmt hat.
Im Mittelalter waren diese beiden Heiligen besonders
im Frankenreich hoch verehrt. Fränkische Burgherren,
die sich in den römischen Kaiserthermen in Trier
niedergelassen hatten, besaßen daselbst bereits um
das Jahr 900 eine Eigenkirche mit dem Titel der hl.
Gervasius und Protasius (1944 durch Bomben zerstört!).
Sicher ist ebenfalls, daß um das Jahr 1000 (wie unsere
Kirche) die Pfarrkirche in Perl bereits den hl. Gervasius
und Protasius geweiht war. Gräberfunde beweisen ferner,
daß sich in jenen Jahren zahlreiche fränkische Siedlungen
in unseren Landen befanden.
Irgendwelche Reliquien dieser beiden Heiligen hat
unsere Kirche (wie auch die anderen) nicht gehabt.
Die Heiligen-Gräber in einer Kirche sind nicht notwendigerweise
auch Namensgeber derselben. Als unsere Pfarrkirche
im Jahre 1966 nach den liturgischen Richtlinien des
II. Vat. Konzils umgestaltet wurde, erhielt sie auch
einen neuen Altar. Am 1.12.1968 wurde dieser durch
Weihbischof Josef Kleinermeilert konsekriert und in
seinem Relquiengrab die Reliquien des hl. Mauritius
und seiner Genossen, sowie der Trierischen Martyrer
eingeschlossen.
Die hl. Messe auf einem Relquiengrab von Heiligen
zu feiern, ist lediglich ein frommer (zwar kirchenrechtlich
vorgeschriebener) Brauch. Zu solchem Brauchtum gehörte
auch die Ausrichtung eines Kirchenbaues in der Ost-West
Richtung, sodaß der Priester bei der Feier der hl.
Messe immer nach Osten schaute, der aufgehenden Sonne
als Symbol der Auferstehung entgegen. Die ältesten
Kirchen z.B. St. Peter in Rom sind strengstens danach
erbaut. Der christliche Glaube ist auf das innigste
mit der Natur verbunden und erkennt in ihrem Geschehen
symbolhaft das Wirken Gottes, ob es die Spatzen des
Himmels, die Lilien des Feldes sind oder die leuchtenden
Augen eines Kindes. Die Kirche besteht deshalb auch
auf der natürlichen Echtheit der kultischen Gebrauchsgegenstände
wie: Wein, Brot, Wasser, Wachs, Blumen, Holz, Stein
usw. 'Gemachte' Sachen wie: Plastikblumen, elektrische
Kerzen, Gipsfiguren, Schallplatten-Musik uam. sind
im Kirchenraum nicht zugelassen.
In den Martyrerakten der römischen Kirche
lesen wir am Festtage der hl. Gervasius und Protasius:
'Zu Mailand die hl. Martyrer Gervasius und Protasius.
Sie waren Brüder, ersteren ließ der Richter Astasius
(um 300) solange mit Bleiruten schlagen bis er seine
Seele aushauchte. Letzteren ließ er mit Knütteln prügeln
und dann enthaupten. Auf göttliche Offenbarung
hin gelang es dem hl. Ambrosius, ihre Leiber aufzufinden
(im Jahre 386). Sie waren noch blutüberströmt
in einem unverwesten Zustand, wie wenn sie erst den
Tod erlitten hätten. Bei ihrer übertragung in die
Kirche von Nabor und Felix erhielt ein Blinder, der
die Bahre berührte, das Augenlicht. Sehr viele Besessene
erhielten Heilung.' -
Der hl. Ambrosius, 339 in Trier als Sohn des Praefectus
Praetorio über Gallien geboren, wurde 374 Konsular
über Ämilien und Ligurien und bald darauf Bischof
von Mailand. Er schrieb an seine Schwester Marcellina
einen ausführlichen Bericht über die Auffindung der
Martyrer, die in feierlicher Prozession und fast zahlloser
Beteiligung und jubelnder Begeisterung des unter dem
Eindruck auffallender Wunder stehenden Volkes an ihre
neue Begräbnisstätte überführt wurden. Ambrosius starb
im Jahre 397. Im Jahre 1864 wurden die Gebeine der
hl. Martyrer und Stadtpatrone von Mailand in der Kirche
Sant' Ambrogio endgültig beigesetzt.
Im Jahre 774 wurde der Franke Karl der Große
in Pavia (ca. 30 km südlich von Mailand zum König
der Longobarden gekrönt, deren Hauptstadt Mailand
war. Von hier aus verbreitete Karl d. Große die Verehrung
der Martyrer Gervasius und Protasius, nunmehr als
'Soldaten einer römischen Legion', im Frankenreich.
Mit den Franken gelangte ihre Verehrung in unsere
Trierischen Lande.
Im Altarraum unserer Pfarrkirche sind die beiden
Kirchenpatrone in bleigefassten Buntglasfenstern dargestellt.
Der Entwurf ist von R. Schillings, Trier; ihre Herstellung
wurde von der Firma Binsfeld, Trier, im Jahre 1955
übernommen.
Die hl. Kirchenpatrone sind die großen Fürbitter
am Throne Gottes für unsere Gemeinde. Daher ist die
Betglocke auf unserem Kirchturm den hl. Patronen geweiht,
die am Morgen, Mittag und Abend über unser Dorf läutet
und zum Gebet ruft.
'Gervasius und Protasius haben sie mich geweiht,
den hl. Schutzpatronen. Ich rufe sie an, daß Fried'
und Einigkeit, allzeit in Eurem Dorfe wohnen'. - Mit
dieser Inschrift wurde die Glocke (Ton=a; Gewicht:
500 kg; Durchmesser: 0,95 m) im Jahre 1951 von der
Firma Mabilon in Saarburg gegossen.
Die Irscher 'Pflege'.
Die Anwesenheit der Trierer Kurfürsten auf der Saarburg
um die Wende des 15. Jahrhunderts brachte eine Straffung
in der Verwaltung der hier liegenden kurfürstlichen
Güter mit sich. Unsere Landschaft wurde in 2 Verwaltungsdistrikte
eingeteilt. Links der Saar: die 'Gaupflege' mit Sitz
in Saarburg; rechts der Saar: die 'Irscher Pflege'
mit Amtssitz in unserem Irsch.
Sitz des ritterlichen Amtsmannes dieser Irscher Pflege
war das 'Hofhaus' - als Gasthaus heute im Besitz der
Familie Thiel-Hauser. Vom ursprünglichen Gebäude des
'Hofes Euesen,' das hier im 14. Jahrhundert gestanden
hat, ist kaum mehr als der eine oder andere Stein
erhalten. Das heutige Hofhaus ist um 1600 erbaut worden.
Der Baustil mit dem aufsetzenden Fasenprofil der Fenster
an Giebelfront und Treppenturm weist darauf hin. Auf
der Giebelseite ist ein mit Zeltdach abgeschlossener,
2-geschossiger Erker mit vollem Holzgesims. Nächst
dem alten Ostturm der Pfarrkirche ist der Erker des
Gebäudes das älteste Bauwerk unseres Ortes.
In diesem Gebäude tagten unter dem Vorsitz des kurfürstlichen
Amtmannes, gewöhnlich aus einer Rittersfamilie,
die verschiedenen Verwaltungs- und Gerichtsämter.
Es bestanden:
Das Hochgericht, das über schwere Verbrechen, über
'Hals und Bein' - wie man sagte - urteilte. Berüchtigt
wurde dieses Gericht in den unseligen 'Hexenprozessen'.
Die Chronik berichtet noch aus dem Jahre 1629/30 von
der Prozessierung von 5 'Malefizpersonen'. Heute noch
bestehende Flurbezeichnungen wie Feuerstatt, Scheiterwald,
In der Acht und Höllenpfädchen, lassen einiges
von jenen makabren Vorgängen ahnen. Das Grundgericht
urteilte über alle Fragen, die Grund und Boden und
deren Grenzen (Barre) betrafen.
Das Vogtsgericht überwachte mit seinen 'Spähern'
die Einhaltung der Gesetzesvorschriften und fällte
Urteile in kleineren Vergehen. Das Kirchliche Gericht
wachte über das öffentliche Betragen. Wer zum
Beispiel Ärgernis gab durch Fluchen wurde mit einer
'Geleuchtspende' bestraft.
Der Großteil der Bevölkerung fand Arbeit und
Lebensunterhalt auf den kurtrierischen Gutshöfen.
Laut dem Landmeßbuch vom Jahre 1720 gab es einen 'Irscherhof',
einen 'Baarhof', einen 'Schweinhof' und einen 'Kirchhof'.
Neben wenigen anderen Grundstücksbesitzern handelt
es sich bei den genannten Bezeichnungen um Gutshöfe
der verschiedenen Gerichtsbarkeiten der Irscher Pflege.
So ist der 'Irscherhof' dem Hochgericht zuzuteilen,
dem Grundgericht der 'Baarhof' (Barre=Abgrenzung);
dem Vogtsgericht der 'Schweinhof' (von Spähen oder
im Volksmund: Spein, abgeleitet) und schließlich dem
Kirchl. Gericht der 'Kirchhof', dessen direkter Besitzer
der Bischof von Trier (=Treviris, Träver oder Dräwer)
war.
Nach der napoleonischen Umwälzung im Jahre 1818 wurden
die kurtrierischen Gutshöfe unter die Dorfbewohner
zu gemeinsamer Benutzung verteilt. Es wurden 'Gewanne'
gebildet und diese in Streifen an die Nutznießer (Gehöfter)
vergeben des ehemaligen 'Hofeigentums'. Erhalten blieben
dabei die o.a. Bezeichnungen:'Erster(Irscher)Hof,
Barhofen, Schweinhofen und die 'Träv' als Kirchhof,
dessen letzter Rest als 'Dräwerkapelle' bis in unsere
Tage als Kircheneigentum bestanden hat.
Wie groß die Bevölkerung von Irsch zu den verschiedenen
Zeiten war, ist nicht leicht festzustellen. Es gab
'Hörige' (Knechte), Untertanen mit freiem Beruf,
'Gemeinder (=Vollbürger) und 'Herren' (=Beamte). Die
Chronik berichtet die Zahlen bald der einen, bald
der anderen Gruppe oder auch der Wohnstätten. So gab
es in Irsch:
1563: 39 Feuerstellen 1621: 42 Pfarrkinderfamilien
1632: 60 Untertanen
1650: 24 Untertanen
1800: 105 Feuerstellen 598 Seelen 93 Gemeinder
1827: 132 Familien mit 746 Seelen.
Im Jahre 1900 gab es 1.152 Seelen
Im Jahre 1973 gab es 1.536 Einwohner
Es gab in Irsch zu keiner Zeit 'reiche' Leute. Mühsam
und kärglich genug war der Ertrag der Weinernten,
wie unsere Pfarrchronik laufend seit dem Jahre 1638
berichtet. Das Loheschälen war starker auswärtiger
Konkurrenz unterworfen. Aber man freute sich in Irsch
zu jeder Zeit des Lebens, denn in Irsch wurde zu allen
Zeiten viel gebetet.
Krieg - Hunger - Pest
Die 100-jährige Schreckenszeit des 17. Jh., in welcher
die apokalyptischen Reiter: Krieg, Hunger und Pest
über das Land jagten, verschonte auch unser Irsch
nicht.
Begonnen hatte es unter dem anspruchsvollen Namen
der Reformation. Als Luther Martin im Jahre 1517 auf
der Wartburg seine Ideen über die kirchliche Erneuerung
vortrug, hatte zu gleicher Zeit in Rom das V. Latorankonzil
(1512-1517) strenge Beschlüsse zum gleichen Thema
herausgegeben: Aber die Reformvorschläge paßten vielen
weltlichen Herrschern nicht in ihr politisches Konzept.
Es ging ihnen nicht um die Reinerhaltung des christlichen
Glaubensgutes, das noch eindeutig der kirchlichen
überlieferung entsprechend in der 'Confessio Augustana'
(Augsburger Bekenntnis, 1530) von Luther anerkannt
wurde.
Den weltlichen Fürsten ging es vielmehr um die kirchlichen
Besitztümer. Unter dem Vorwand religiöser Erneuerung
griffen sie zu den Waffen und fielen in die Gebiete
'Andersgläubiger' ein: 'cuius regio, illius et religio!'
- frei übersetzt: 'Den Rechtgläubigen gehört
das Land!' war ihre Devise. Die berüchtigte Plünderung
von Rom 1527, 'Sacco di Roma' genannt, durch zügellose
Söldnerhaufen war nur ein Vorspiel für viel schrecklichere
Ereignisse. In unserer Landschaft gaben den bitteren
Vorgeschmack die kriegerischen Einfälle des Sickingers
(1522) und des Dailberg (1552), der die Saarburg in
Flammen aufgehen ließ und unser Irsch ausplünderte.
Immer wieder versuchten einsichtige Männer die Religionszwistigkeiten
unter den Christen friedlich beizulegen. Beim Scheitern
ihres Versuchs brach ihnen das Herz in der Voraussicht
des kommenden Unheils. Wie bereits gesagt, war unter
ihnen auch der Stifter unserer 'Dräwer-Madonna', der
Kurfürst und Erzbischof Johann III. von Metzenhausen.
Auf einem Religionsdisput in Hagenau (1540) erlitt
er einen Schlaganfall und starb erst 48 Jahre alt.
Der unter Waffengewalt sich ausbreitenden Glaubenszerrüttung
folgte auf der Ferse der Terror des Hexenwahns, der
sich auch in unserem Irsch, wie bereits berichtet,
seine Opfer holte. Dann überzog der 30-jährige Krieg
(1618-1648) unser Land. Fremde Söldnerheere fielen
über die Ortschaften her, plünderten, raubten und
mordeten. Im Jahre 1636 brach schließlich in Irsch
die Pest aus. Der Chronist sagt:
'Die Pest wütete so sehr, daß es schien, alle Menschen
würden davon sterben.' Mißernten und einbrechende
Wolfsrudel (die 'Wolfsheck' hat davon noch heute ihren
Namen) machten das Unglück voll. Laut Chronik überlebten
nur 24 Untertanen in Irsch die Schreckenszeit. 1657
war unsere Kirche eingestürzt, das Pfarrhaus abgebrannt.
Mag auch der 'Westfälische Friede' (1648) offiziell
den langen Krieg beendet haben, Ruhe und Ordnung brachte
der Vertrag nicht. Der spanische und dann der polnische
'Erbfolgekrieg' stürzte unser Land immer wieder in
das Chaos wilder Plünderei, von Willkür und Rechtlosigkeit
gegenüber durchziehender Truppen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Schatzfund
im Steinbruch am Scharfenberg vom Jahre 1930. Dort
fand fand ein Weinbergsarbeiter aus Irsch unter einer
Steinplatte die überreste eines vermoderten Lederbeutels
mit 5 Gold- und 15 Silbermünzen, die noch ziemlich
gut erhalten waren. Der Schatzfund bestand aus sogenannten
spanischen und polnischen Talern (Doppelsouvereigns),
Dukaten und Doppeldukaten. Die älteste Münze wurde
im Jahre 1534, die jüngste im Jahre 1670 geprägte
Die Vergrabung des Schatzes ist wahrscheinlich in
Verbindung zu bringen mit dem Einfall der Franzosen
in das Erzstift Trier im Jahre 1673. Die Münzen befinden
sich heute im Landesmuseum in Trier. Nach alter überlieferung
wurde vor 100 Jahren ein ähnlicher Fund in unserer
Gegend gemacht.
Bei aller Schrecken erregenden Finsternis dieser
Jahrzehnte huschte aber doch immer wieder ein heller
Lichtstrahl des Himmels über unser Land. So konnte
1579 der Bau der großen Wallfahrtskirche in Beurig
beendet werden. Als im Jahre 1595 Pfarrer Anton Beer
in sein Amt als Irscher Pastor eingeführt war, bemühte
er sich sogleich um eine bessere Betreuung der Pilger.
Durch Vermittlung des Erzbischofs Lothar von Metternich
(1599-1623) übernahmen Franziskaner der Kölner
Ordensprovinz im Jahre 1609 den Wallfahrtsort, nachdem
der eifrige Pastor alle Rechte über Pfründen und Einkünfte
diesen überlassen hatte. Ein gewisser Pater Johannes
Romery, ehemaliger Reiterhauptmann, war der 1. Guardian
des Klosters in Beurig.
In der Folge wurde der Gnadenort in Beurig zum Brennpunkt
religiösen Lebens für weit und breit. Pfarrer
Beer war den Mönchen wie ein Vater, sagt die
Chronik. Nach seinem Tode (1624) wurde er an der Mauer
vor dem Gnadenaltar begraben. Auch seine Nachfolger
und mit ihnen die Irscher Pfarrkinder blieben mit
der Gnadenstätte und dem Kloster eng verbunden. Die
Kloster-Chronik spricht von ihnen als 'großzügige
Freunde und Wohltäter des Konvents'. Mehrere traten
in den 3. Orden des hl. Franziskus ein und wurden
nach ihrem Tode bei der Wallfahrtskirche begraben.
Namentlich erwähnt ist der Hofmeier aus Irsch J.A.
Schrembken. Das Wirken der Patres, die Frömmigkeit
und der Opfergeist unseres Volkes zogen den Segen
Gottes in reichem Maße auf unsere Gemeinde herab.
- Früher als die umliegenden Ortschaften erholte sich
unser Irsch von den verheerenden Folgen der Schreckenszeit.
St. Sebastian und Sta. Luzia
Auf dem alten Hochaltar unserer Pfarrkirche standen
neben den Patronen St. Gervasius und Protasius die
Statuen der hl. Sebastian und Luzia. Sie befinden
sich heute in der Sakristei. Es handelt sich um bemalte
Holzfiguren aus dem Jahre 1902. Aber die Verehrung
der Heiligen in Irsch geht zumindest bis in die 1.
Hälfte des 18. Jh. zurück.
Im Jahre 1739 berichtet nämlich ein Visitations-Protokoll
von einer Sebastians-Bruderschaft in Irsch, die sich
4 x im Jahre zu Bruderschafts-Festen unter Beteiligung
auswärtiger Pfarrgemeinden und deren Geistlichen in
Irsch zusammenfand. Als Entschädigung für die daraus
entstehenden Unkosten erhielt der Pfarrer von Irsch
ein Stück gerodete Lohhecke: 'Sebastians-Wiese' genannt.
Als nach der napoleonischen Umwälzung (1817) dieser
kleine Grundbesitz der Kirche verloren ging, wurde
zu Ehren der Heiligen Nebenpatrone eine Stiftung errichtet,
die ein feierliches Hochamt an den jeweiligen Festtagen
vorsah und dafür der Kirche 6 m Scheitholz lieferte.
Ein Bericht aus dem Jahre 1808 erwähnt als Eigentum
der Pfarrkirche ein kupfernes Gefäß mit Reliquien
des hl. Sebastian und eine Bruderschafts-Fahne mit
dem Bild des Heiligen.
Die römischen Martyrer-Akten wissen vom hl.
Sebastian, daß er als hoher Offizier der kaiserlichen
Leibwache in Rom seine hohe Stellung nutzte, um den
Rechtlosen, Verfolgten und Armen Gerechtigkeit und
Hilfe zu vermitteln. Unter Kaiser Diokletian (um 300)
des Hochverrats beschuldigt wurde er zum Tode verurteilt,
brach zunächst unter den Pfeilen von Bogenschützen
schwer verletzt zusammen und wurde schließlich mit
Keulen tot geschlagen.
Bürgerwehren und Schützenvereine erwählten den hl.
Sebastian zu ihrem Patron, ebenso die Bruderschaften,
die sich für die Pflege von Pestkranken einsetzten.
Ähnlich wurde die hl. Luzia zur Patronin uneigennütziger
Nachbarschaftshilfe in der christl. Gemeinde. Wegen
ihrer Freigebigkeit den Armen gegenüber wurde sie
von ihrem heidnischen Verlobten der Veruntreuung angeklagt
und als Christin zum Tode verurteilt. Da ihr aber
weder glühendheißes Pech noch der lodernde Scheiterhaufen
ein Leid zufügten, tötete man sie durch einen
Dolchstoß in die Kehle. Zu Lebzeiten rühmte man die
besondere Schönheit ihrer Augen. Ihr letztes
Wort an den Verlobten war: 'Nur mit den Augen des
christl. Glaubens sieht man die Dinge richtig.' Deshalb
wird sie als Helferin bei Augenkrankheiten angerufen.
Feuerwehr und Hilfswerke verehren sie als ihre Patronin.
Die 'heiligen heisger'.
Das Aufblühen der Fronleichnams-Prozessionen brachte
die Errichtung von Kreuzen und Kapellen für die 4
entsprechenden Segensaltäre mit sich. So erstanden
um das Jahr 1750 zusammen mit der Kreuzstelle an Kirchhügel
ein, wie die Chronik sagt, 'hohes Kreuz mit den Bilde
der Schmerzhaften Muttergottes' - 'Auf der Kees' -
bei der Weggabelung Ockfen-Zerf und die beiden Kapellen
am Anfang und am Ende des 'Kapellenweges' in Buest,
die 'Dräwer' und die 'Buester' Kapelle genannt. Aus
den Jahre 1793 bereits berichtet die Chronik von einer
'Reparation der zwey heiligen heisger'. Daß die beiden
Segensaltäre in Buest Kapellen hatten, mag mit den
Wetterlaunen an diesen Festtag zusammenhängen. Bis
in unsere Jahre ging im Volk die Rede: 'Wenn die Prozession
durch Buest zieht, kommt bestimmt ein Regenguß!'
Durch notwendige Straßenerweiterungen gingen im Laufe
der Zeit diese kleinen Bauwerke verloren. Der Vollständigkeit
dieses Berichtes wegen seien sie kurz aufgeführt:
1) Das Kreuz 'auf der Kees' wurde in vorigen
Jh. durch ein kleines ersetzt, auf welchem die Jahreszahl
1850 zu lesen ist.
2) Die Dräwer-Kapelle stand auf Kur-Trierischem
Eigentum ('Kurentriesch oder Trever Kirchhof genannt).
In ihr wurde um 1790 die 'Lichtmess-Madonna' des Metzenhausen
aufgestellt, nachdem diese Figur für einen neuen Altar
in der Pfarrkirche zu klein und durch die Zeiten zu
unansehlich geworden war. Vor der Kapelle stand ein
kleines Sandsteinkreuz mit einer Inschrift vom 'Allerwelthannes',
die wohl auf den 'Johannes-Segen' für die Weinberge
hindeutete. Heute befindet sich in allernächster Nähe
das Kellereigebäude des Winzervereins.
3) Die Buester-Kapelle am Ortsausgang von
Buest nach Ockfen im Flurstück 'Kreuzgarten'. In ihr
stand die etwa 50 cm. hohe barocke Sandsteinfigur
der Schmerzhaften Muttergottes mit dem Leichnam ihres
gekreuzigten Sohnes auf dem Schoß. Die königliche
Krone auf ihrem Haupt stellt sie als 'Königin
der Martyrer' dar, auch 'Pieta' genannt. In Kriegsgeschehen
1945 wurde der Figur der Kopf abgeschlagen, notdürftig
repariert wurde sie farbig übermalt und wartet nun
auf eine fachgerechte Restaurierung. Die Figur verweist
mit ihrem barocken Stil und ihrer Aufstellung im Flurstück
'Kreuz'-Garten auf ein merkwürdiges Kreuz hin, das
sich bis zum Jahre 1940 am Wege nach Ockfen im Flurstück
'Kreuzberg' etwa 50 m vor dem sog. 'Schunke-Schäle
Bua' befand, ebenfalls im letzten Krieg zerstört
und nachher durch ein kleines bescheidenes Sandsteinkreuz
('Erneuert') ersetzt wurd.
4) Das 'Thressel-Kreuz'. Unser Chronist sagt:
'Bis in die letzten Jahre zogen zahlreiche Beter aus
dem Ortsteil Buest, oft in sehr großer Zahl, abends
zu diesem Kreuz, um dort den 'Neunten' zu halten (d.h.
in einem schwerem Anliegen einer Familie oder der
Gemeinde an 9 aufeinander folgenden Abenden zu beten).
Es war oft ergreifend, wenn das laute Gebet zu später
Stunde dort in die Nacht hinein hallte'.
Das Kreuz war aus rotem Sandstein, etwa 1,50 m hoch.
Im oberen Teil war unter einem barock gewölbten,
auf die Querbalken herabhängendem, Dach das Bild des
Gekreuzigten aus dem Stein gemeißelt. Im unteren Teil
des Kreuzstammes befand sich ein kleines Bild der
Muttergottes von den 7 Schmerzen. Auf dem Sockel des
Kreuzes war eine längere Inschrift in lateinischer
Sprache zu lesen (teilweise fast unleserlich geworden),
die besagte:
'Crux erecta Jesui Patienti a Christophoro Thressel
et Maria Elisabetha (conjugibus) solis in Irsch =
Stat ob-lata septem doloribus onera (munera) de Mariae
(Virginis) voto. 1781'.
Danach war das Kreuz im Jahre 1781 von den kinderlosen
Eheleuten Tressel (Christoph Tressel war in jener
Zeit Schulmeister und Küster in Irsch) errichtet zu
Ehren des bitteren Leidens Jesu. Verbunden damit war
eine Stiftung zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes.
Die Stiftung bestand in einer Meßstiftung von 25 Thalern
und 2 kleinen Grundstücken, die noch heute mit 'Kreuzberg'
und 'Kreuzgarten' benannt werden. Im 'Kreuzgarten'
stand aber die Buester-Kapelle, in der sich die o.a.
Piet… befand als Stiftung der Gemahlin des Christoph
Tressel, Maria Elisabetha.
Das Kreuz stand beim 'Schunke-Schäle-Bua' überdies
in der Nähe der berüchtigten Fluren 'Wolfsheck' und
'Feuerstatt. Noch im Jahre 1793 erlegte dort ein Schweinehirt
eines der raubgierigen Tiere. Die Feuerstatt erinnerte
in jener Zeit noch lebhaft an die Greuel des Hexenwahns.
Bis in unsere Zeit waren verspätete Heimkehrer froh,
wenn sie die unheimlichen Stellen hinter sich hatten
und das Kreuz erblickten.
5) Die Antonius-Kapelle. Sie wurde um das
Jahr 1860 am Ortsausgang nach Irsch von einem Mann
namens Becker auf dem Grundstück der Familie Peter
Baltes-Fell erbaut. In ihr fand ein altes Bild des
hl. Antonius v. Padua Aufstellung, das sich in der
Gabelung einer uralten Eiche gegenüber der Kapelle
befand. Es handelte sich um eine hölzerne Halbfigur
des Heiligen mit dem Jesuskind auf dem Arm. Etwa 50
cm groß. Statue und Verehrung des hl. Antonius sind
der Zeit der Anwesenheit der Franziskaner (1609-1802)
in Beurig zuzuschreiben. Während die Eiche ihrem hohen
Alter im Jahre 1941 zum Opfer fiel, wurde die Figur
des Heiligen im Kriege 1945 zerstört. Die Verehrung
des hl. Antonius blieb bis heute bestehen. Noch zur
Zeit des Chronisten beteten dort viele Leute abendlich
den 'Neunten'. Noch heute brennen im Kappellchen sehr
oft Andachtskerzen.
'An Straßen und Feldwegen...'
'Gehe hinaus an die Straßen und Feldwege' - befahl
der Hausherr des Evangeliums seinem Knecht - 'und
dränge die Leute, zu meinem Fest zu kommen.'
Die vielen Kreuze und Bildstöcke entlang der
Wege unserer Landschaft wollen der drängenden Einladung
des Evangeliums sinnfälligen Ausdruck verleihen. Auf
Bergeshöhen, an Wasserquellen oder im Schatten
eines Baumes errichtet, sind sie ein Lobpreis auf
den Schöpfer-Gott. An Weggabelungen erinnern
sie an die Gebote Gottes als Weg zum Ewigen Leben.
Hier sind es Dankeszeichen für erhaltene Hilfe in
Not, dort bitten sie um ein Gedenken im Gebet. Immer
wollen sie Antwort geben auf die wichtigste Frage:
'Wozu bist du auf Erden ? - Um Gott zu dienen!'
Die 'Alte Spein' hinauf bis zur Höhe
des 'Speiner Bildchens' finden sich gleich 4 Votiv-Kreuze
zur Danksagung. Am Beginn der Steige steht das Kreuz
errichtet von M. Benzschawel im Jahre 1870/71 für
glückliche Heimkehr aus dem Kriege. Dann folgt:
Die 'Heilig-Kreuz-Kapelle', so benannt wegen
des 'schönen großen Kreuzes', das sie bis in
unsere Tage schmückte und leider in den Kriegstagen
zerstört wurde. Die Kapelle mit Kreuz ist ebenso
als Dank für glückliche Heimkehr aus dem Kriege 1870/71
von Familie Kees errichtet worden. Die Bewohner des
Ortsteiles 'Dräw' zogen gern zum abendlichen Gebet
eines 'Neunten' zur Kapelle hinauf.
Am oberen Ende der 'Spein' steht das Kreuz der Familie
Reuter-Konz mit der Jahreszahl 1866.
Ein wenig weiter in der sog. 'Johannis-Grube' steht
das Dankkreuz für Errettung aus den Wirren des Frontüberganges
1945, errichtet von einigen Familien des Ortes.

Schließlich auf der Höhe die Kapelle des 'Speiner
Bildchens' so nach einer Muttergottes-Statue benannt,
die seit 1945 spurlos verschwunden ist.
Die Kapelle wurde ursprünglich als 'Rastkapelle' für
durchziehende Pilger zur Gnadenstätte in Beurig erbaut, etwa um 1734, später
erneuert im Jahre 1830, wie die Zahl über des Einganges
bedeutet. - In unmittelbarer Nähe erbaute die Gemeinde
Irsch im Jahre 1928 einen geräumigen Stall zur Unterstellung
und Fütterung des Viehs bei Unwetter.
Unweit davon, am Heckenweg von der Speiner Strasse
nach Neunhäuser beim Hof 'Dahm-Greif', stand das
'Mordkreuz' mit Jahreszahl 1814. An dieser Stelle
wurde ein Dienstmädchen aus Greimerath, Tochter des
Nikolaus Wagner, von einer Gruppe versprengter napoleonischer
Soldaten umgebracht. In seinem Schmerz ließ der Vater
in den Stein die Worte meißeln: 'Hier wurde mein Kind
erschoosen'!
Gedenk-Kreuze zur Erinnerung an Unglücksfälle
mit der Bitte um's Gebet trifft man an verschiedenen
Stellen. An der Irscherstr. zum Ortsende im Garten
Baltes steht ein kleines Kreuz, immer wieder von Bolden
beschädigt. Es erinnert an das Jahr 1893, als sich
am 21. Juni mittags gegen 2 Uhr ein schweres Gewitter
über Irsch entlud. Ein Blitz erschlug den Michael
Wagner (56 Jahre) und ein 18-jähriges Mädchen, Margarethe
Schmitz, die in der nahen Dorfwiese mit Heuarbeiten
beschäftigt waren.
Ein ähnliches Kreuz steht am Fußweg zur Feuerstatt
hinauf, wo am 3. Juni 1897 die Witwe Margarethe Merten-Peters
bei Heuarbeiten während eines schweren Gewitters von
einem Blitz getroffen wurde.
Ein Kreuz im Scharfenberg erinnert an Matthias Reuter
-Wallrich, der dort im Jahre 1934 bei Feldarbeiten
tödlich verunglückte.
Ein neueres Dank-Kreuz steht schließlich an der Zerfersteige,
Ortsende, zum Dank für glückliche Heimkehr aus dem
2. Weltkrieg.
Die Christus-Kapelle im
Keltergarten

Für die im Jahre 1965 abgebrochene 'Büster-Kapelle'
erbaute die Zivilgemeinde Irsch auf dem nahe gelegenen
Grundstück 'Im Keltergarten' eine Zeltkapelle in 5-eckiger
Form aus einfachen Betonstreben und Zinkdach. In Anlehnung
an das zerstörte Thressel-Kreuz (auch Schulkreuz
genannt) wurde die Kapelle: 'Jesui patienti' - Jesus,
dem Schmerzensmanne - am 4. Oktober 1970 geweiht.
In der Kapelle steht auf schlichtem Sockel eine
1,20 m hohe Figur aus rötlichem Sandstein, die
nach der Schilderung des Propheten Isaias den Erlöser
als Knecht beim Keltern von Weintrauben darstellt.
Gleichsam als Schraubstock mit Stricken in die Kelter
gefesselt versinkt die Gestalt bis an die Knie in
den Trauben, während aus Wunden an Händen und Seite
Blut hervorquillt. 'Ich stand allein in der Kelter...
niemand wollte mir helfen.' Stellvertretend für alle
Menschen nahm Christus alle Schuld, alle Verbrechen
und Sünden auf sich, wurde deshalb unter die Verbrecher
gezählt. Wie die gekelterten Trauben zum Wein der
Freude werden, so wird durch das Leiden und den Tod
des Christus Gerechtigkeit und Sühne, Heilung und
Leben. In einer Welt, in der so viele Verbrechen ungesühnt
'verjähren', weiß der Christ um den Sühnetod seines
Erlösers, der vielmehr und besser Gerechtigkeit
wirkt als eine mögliche Identifizierung und Bestrafung
des tatsächlichen übeltäters. Und der reuige Sünder
weiß in Dankbarkeit seine Seele reingewaschen im Blute
des Gottesknechtes 'Jesus': Gott will nicht den Tod
des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe!
Die Figur ist ein Werk von Willy Hahn, Trier, im
Stil der Gegenwart. Sie zeichnet sich aus durch die
klare Glaubensaussage, die Echtheit des Ausdrucks
und die sorgfältige Zeichnung bis in's Detail.
Kreuzweg-Hügel und Friedhofskapelle
Als letztes und jüngstes der 'heiligen Heisger' wurde
im Jahr 1970 die Friedhofskapelle errichtet und später
im Jahre 1973 der zu ihr hinaufführende Kreuzweg im
Freien.
An der Stelle des Kreuzweghügels stand bis dahin
das alte und baufällige Küsterhaus mit Stallung und
Scheune, sowie ein unter Pfarrer Willems angebauter
kleiner Pfarrsaal. Bergwärts befand sich ein Pfarrbungert,
der zeitweilig als Tummelplatz für Kleinkinder, 'Kindergarten'
genannt, diente. Nach dem notwendig gewordenen Abbruch
der Gebäulichkeiten ergab sich wie von selbst die
Verwirklichung der von Pfr. Willems gehegten Idee
der Errichtung eine Kreuzweges im Freien. In gleicher
Weise eröffnete sich die Möglichkeit für
einen befahrbaren Zugangsweg zum höher gelegenen
Friedhof der Gemeinde, und die Errichtung einer der
Zeit entsprechenden Friedhofskapelle, mit welcher
auch gut ein Ehren-Denkmal für unsere gefallenen Soldaten
in den Weltkriegen verbunden werden konnte. Dazu kam
der dringend notwendige Bau eines Kindergartens, der
den Erfordernissen unserer Zeit entsprach. Fast unglaublich
klingt der Zeitplan der Bauleistungen im Jahre 1970:
am 5. Juli - Einweihung der Friedhofskapelle
am 4. Oktober - Einweihung des neuen Kindergartens
am 25. Oktober - Einweihung der Christuskapelle
am 18. November - Einweihung des Kriegerdenkmals
am 20. November 1974 schließlich die Einweihung des
Kreuzweges.
Ergänzend muß an dieser Stelle dankbar erwähnt werden:
die Opferbereitschaft der Bevölkerung, die Initiative
und Energie des Bürgermeisters von Irsch, Peter Schu,
und die glückliche Unerfahrenheit des Ortspfarrers
in derlei Dingen. Ohne den Zusammenklang aller dieser
Faktoren wären die Werke nicht zustande gekommen.
Als besonders glücklich gelungen darf die Verbindung
des Kriegerdenkmals mit der Friedhofskapelle angesehen
werden. Nicht nur, weil sich die Kapelle harmonisch
und sinnvoll in die umgebende Landschaft einfügt,
sondern noch vielmehr ob des gelungenen 20 qm großen
Mosaikbildes auf der Frontseite der Kapelle mit den
seitwärts angebrachten Bronzeplatten mit den Namen
der Gefallenen.
Das Bild stellt die Auferweckung der Toten am 'Jüngsten
Tag' dar. Beim letzten Trompetenschall stürzen die
Weltelemente bruchstückweise auseinander. Der Vorhang
des Glaubens - des Alten und Neuen Bundes - öffnet
sich. Christus - der Erste der Auferstandenen - erscheint.
Ihm folgen aus den Gräbern alle, die zu IHM gehören.
'Und wir werden mit eigenen Augen sehen, was wir geglaubt
haben.' (1.Kor.15)
Das Mosaik in Natursteinen ist ein Werk von Werner
Persey aus Trier.
Die Kreuzstele am Kirchhügel 1745
Wer den Hügel zu unserer Pfarrkirche hinaufsteigt
erblickt zur Linken einen 2 m hohen Bildstock aus
hellem Sandstein. Das gesamte Bildwerk hat die Form
einer Monstranz und ist ein in Stein gehauener Lobpreis
des Altarssakramentes.
Unter einem barock gewölbtem Giebeldach mit
seitlich herabhängenden Zopfvoluten ist eine aus dem
Stein herausgemeißelte Kreuzgruppe dargestellt. Die
Gestalten des Gekreuzigten, mit Maria zur Rechten
und Johannes zur Linken, sind bis in's Detail gezeichnet
und bringen in bewegter Art das Abschiedswort Jesu
zum Ausdruck: 'Frau, siehe da deinen Sohn.' Im Sockel
des Kreuzstammes ist die Jahreszahl 1745 eingegraben.
Das darunter liegende Kapitell der Stele ist von aufwärts
sich weitenden und einwärts gerollten Voluten gerahmt,
aus denen Feldfrüchte herabranken. Die Stirnfläche
des Kapitells ist beherrscht von einem mächtigen Rinderkopf.
Das ganze Bildwerk ist eine gelungene Interpretation
des Fronleichnam-Hymnus: 'Tantum ergo'. (GL.541) Der
Rinderkopf stellt die Opfer des Alten Bundes dar (,antiquum
documentum'); Die Kreuzgruppe zeigt das Opfer des
Neuen Bundes ('novo cedat ritui')
Der von unten nach oben sich verjüngende Säulenschaft
zeigt in der oberen Hälfte ein mit 3 Bandschleifen
geziertes Gebinde von Früchten aus Weinberg und Garten
als Lobpreis der Dreifaltigkeit (Genitori, Genitoque...Procedenti
ab utroque): Ihnen, dem Vater, dem Sohne und dem hl.
Geist sei: Laus et jubilatio, salus, honor, virtus
quoque benedictio! (Lob und Jubel, Heil, Ehre, Herrschaft
und Segen!)
An den Seiten der Stele
ist das Unvermögen der Sinne (Sensuum defectui)
zu diesem Glaubensgeheimnis dargestellt: ein drastisch
plumper Kopf mit langem Rüssel und aufgebauschter
Befiederung
Die untere Hälfte des Stelenschaftes enthält eine
gerahmte, unbeschriftete Tafel: 'praestet fides suppiementum'
= glaubend, nicht schauend, erfassen wir das Geheimnis
der Gegenwart Christi im Sakrament.
Als Fronleichnamskreuz weist der Bildstock darauf
hin, daß an dieser Stelle je am Fronleichnamstage
der Eucharistische Segen über Gemeinde und Land gegeben
wurde. Im Jahre seiner Errichtung (1745) stand es
hier an der markantesten Stelle unseres Ortes umgeben
von Kirche, Schulhaus, Hofgebäude und Pfarrhaus.
Im Zeitgeschehen steht das Kreuz am Ende der 100-jährigen
Schreckenszeit und kündet von tiefer, neu erwachter
Glaubensfreude im christlichen Volk.
Das Altarkreuz von 1770
Das Altarkreuz hing zur Zeit der alten Kirche aus
dem Jahre 1739 in der Mitte der Chorwand über einem
kleinen barocken Hochaltar. Rechts und links von ihm
standen die Statuen der Kirchenpatrone Gervasius und
Protasius, sowie die der Nebenpatrone Sebastian und
Luzia. Auf dem Altar selbst befand sich das kleine
Messingkreuz sowie die 2 noch erhaltenen Leuchter
aus Messing und einfacher Form. Etwas später kamen
die ebenfalls noch erhaltenen 4 versilberten, 68 cm
hohen Metalleuchter klassizistischer Form hinzu. Unseren
älteren Leuten ist das Altarkreuz bekannt als Wandkreuz
bei der Kanzel.
Der Körper des Gekreuzigten ist aus Buchenholz
geschnitzt, 98 cm hoch und von vornehm eleganter Form.
Das Haupt, ohne die sonst übliche Dornenkrone, ist
leicht zur rechten Seite geneigt und läßt in auffälliger
Weise eine längere Haarlocke über die rechte Schulter
hinabgleiten. Das Lendentuch ist in großen Partien
um einen doppelt gelegten Hüftstrick geschlagen und
hängt mit Knoten seitwärts straff herab. Die Füße
sind übereinander gelegt und ohne Stütze mit einem
Nagel ans Kreuz geheftet. Die Anatomie des Körpers
ist exakt genau und fein gearbeitet. Das Antlitz des
Gekreuzigten hat einen Lippen- und einen kurzen Kinnbart,
der wiederum in zwei kurze Lockenansätze endet. Mit
halb geschlossenen Augen strömt das Antlitz himmlische
Ruhe und Ergebenheit aus: 'Vater, in deine Hände empfehle
ich meinen Geist.'
Den geschilderten auffälligen Merkmalen nach gehört
das Kreuz der sog. 'Zopf'-Stilrichtung an, die nach
1750 in unseren Landen blühte. Ein wahres Kunstwerk
jener Zeit. Nebenbei bemerkt, das Kreuz ist bis heute
nie übermalt worden. Der Kreuzständer mit Inschrift
ist 1975 vom Schreiner des Ortes Gessinger Johann
angefertigt.
Das Pfarrhaus

In seinem heutigen Zustand ist im gleichen Zopfstil
derselben Zeit etwa im Jahre 1780 erbaut worden. Die
Fensterstürze aus Sandstein mit ihrem stark betonten
Schlußstein (Kopf) und den geschwungenen Fensterbogen
(Locken) weisen eindeutig darauf hin. Das kleine Zeltdach
im Giebel der Fassade, der großzügig angelegte Treppenaufgang
im Hausinnern und die Stukkaturen an den Zimmerdecken
sind weitere Hinweise. Diesem Stil entspricht der
weiße Anstrich der Fassade mit ziegelrot abgesetzten
Fensterstürzen, wie er zum letztenmal im Jahre 1978
erneuert wurde. Der kleine 'Park' zur Westseite des
Hauses mit den schönen Gartenanlagen und der
mächtigen Rotbuche, die wohl zur Erbauungszeit gesetzt
wurde, geben dem Pfarrhaus ein ländlich-herrschaftliches
Aussehen.
Das 'Schulersch'
Von ihrem göttlichen Stifter Jesus Christus
ist die Kirche zu einem Lehrauftrag an die Welt verpflichtet:
'Geht hinaus in alle Welt und lehret alle Völker...!'
Religiöse Blütezeiten legten deshalb immer großen
Wert auf gründliche geistige Bildung des Menschen.
Aber die Kirche versteht unter'Bildung' nicht einseitige
Fachwissenschaft von Erkenntnissen und Funktionen,
sondern die Erziehung des Menschen zu verantwortbarem,
sittlich guten Handeln. Nicht jeder Gelehrte ist ob
seiner 'Bildung' auch schon ein sittlich guter Mensch!
'Exclusiv-Wissenschaftler' degradieren leicht zu Robotern
des Experiments und der Manipulierung. Die Kirche
hat sich solchen Wissenschafts-Extremisten immer heftig
widersetzt, was ihr den Vorwurf einbrachte:
'Religion ist Opium für das Volk.' - Aber der religiöse
Mensch beugt sich eben nicht weder vor dem Moloch
der Macht noch vor dem Idol der Wissenschaft. Der
Lehrauftrag der Kirche heißt: 'Liebe - zu Gott und
den Menschen.' - Schulen, Krankenhäuser, gemeinnützige
Vereinigungen verdanken der Kirche ihre Entstehung.
Lag das Bildungswesen in alten Zeiten fast ausschließlich
in den Händen von Klöstern, Geistlichen und -
im Bereich der Gemeinde - in der Hand des Ortspfarrers,
so entstanden zu Beginn des 18. Jh. in unserer Landschaft
die ersten Gemeinde- oder Volksschulen. Es ist das
Verdienst des Benediktinerabtes Johann Ignatius von
Felbiger (1724-1788), das Volksschulwesen in den ländlichen
Gemeinden eingeführt zu haben. An Stelle des Einzelunterrichtes
'von Haus zu Haus' je nach den Gegebenheiten eines
'Meisters', den Bedürfnissen der Ortsgemeinde oder
den Fähigkeiten des Schülers, trat nunmehr die grundlegende
Allgemeinbildung aller Kinder des Ortes durch Klassen-Unterricht.
Das brachte natürlich Schwierigkeiten mit sich. Ein
Schulgebäude wurde erforderlich, ein Lehrer mußte
angestellt und besoldet werden.
Das schon oft zitierte Visitations-Protokoll von
1739 berichtet, daß in Irsch ein Schulhaus vorhanden
sei. Dabei handelt es sich um das Haus Nr. 85, das
heute noch das 'Schulersch' genannt wird und Eigentum
der Familie Burg-Düren ist. Etwas später kam als Mädchen-Schule
noch das Haus Nr. 82 dazu.
50 Jahre später berichtet die Chronik unter dem 25.6.1780
von einem Besuch des erzbischöfl. Schulvisitators,
Pastor Canaris von Conz. Unter dem damals abgefaßten
Protekoll liest man noch folgende Namen: Johann Backes,
Ortspfarrer von Irsch; Christoph Thressel, Schulmeister
und Küster in Irsch; Johann Hein, Bürgermeister; Karl
B. Flörchingen, Meier; Peter Hauser und Matthias
Rommelfangen, Sendschöffen; Matthias Wagner und
Nikolaus Loch, Deputierte.
Im Protokoll heißt es weiter: 'Das Schulhaus in Irsch
ist gut. Es sind 31 Buben und 23 Mädchen schulbar.
5 Buben schreiben; kein Kind rechnet. Die von der
Behörde geforderte 'Felbiger'sche' Lehrart ist
nicht eingeführt. Der Pfarrer entschuldigt sich mit
dem Widerstand der Eltern gegen diese insbesondere
gegen die Einführung des Bibel-Unterrichts als Schulfach.
Die Befähigung der Jugend im Katechismus ist gut;
in der biblischen Geschichte jedoch ist sie nicht
unterrichtet.'
Im Jahre 1785 zählte die Schule in Irsch:
70 Kinder, die nur lesen konnten und 12 albus Schulgeld
zahlten.
11 Kinder, die auch schrieben und 24 albus zahlten.
Schule wurde gehalten nur im Winter, von Martini
bis Ostern. Sie wurde besucht vom 7. bis 14. Lebensjahr.
Die neue Lehrart war eingeführt. Die Lehrerwohnung
ist nicht ohne Mängel. Es gab nur 1 Lehrer 'Schulmeister'
zu jener Zeit. Fast 50 Jahre lang war es ein gewisser
Christoph Thressel, ein bescheidener, frommer und
gottesfürchtiger Mann, wofür das von ihm errichtete
Steinkreuz am 'Schunke-Schäle-Born' spricht. Es wird
noch heute von den Leuten das 'Schulkreuz' genannt,
weil der fromme Lehrer gerne dorthin mit seinen Schülern
eine Wanderung machte, aus der Bibel vorlas, Gebete
und Gesänge übte. Damit suchte er auch den Bann des
Aberglaubens zu brechen als ob jene Wegstrecke 'verhext'
wäre ob der ehemaligen Ereignisse daselbst.
Ein schwieriges Kapitel war beim neuen Schulbetrieb
die Besoldung des Lehrers. Teilweise mußte das Schulgeld
durch die Eltern aufgebracht werden. Um billiger 'davon'
zu kommen verzichteten viele Eltern auf 'Schreiben-Rechnen'
und vor allem 'Bibelunterricht'! Um den Gehalt des
Lehrers aufzubessern gab ihm die Gemeinde ein kleines
Wiesen- und Ackergrundstück. Ausserdem hatte er das
Küsteramt inne, das ihm ein paar Groschen aus dem
Klingelbeutel einbrachte. Gegen:eine Gebühr hatte
er die Burschen zu Irsch im Choralgesang zu unterweisen.
-Bei Gewittern hatte er allein die Glocken zu läuten,
ansonsten mußte er als Bürger 'fronen und alle gemeinen
Lasten tragen, nur von den Wachten ist er frei.'
Mit dem Anwachsen der Bevölkerung wurde bald
ein größeres Schulhaus nötig und im Jahre
1828 an der Grenze Irsch/Buest erbaut, das über 100-Jahre
bestand. Die Lehrerzahl wurde 1833 auf 2, 1886 auf
3 und 1928 auf 4 Lehrer erhöht. In den Jahren
1938/41 wurde die heutige Schule gebaut. Getrennt
von ihr wurden 2 Lehrerwohnungen erbaut. Das Gebäude
wird vom Chronisten als 'herrlich' bezeichnet. Am
7. Juli 1941 als Schule bezogen, wurde es beim Frontübergang
arg beschädigt und konnte wegen Materialmangel nicht
mehr mit der vorgeschriebenen Balkenstärke restauriert
werden, so daß die Decken 'federn'. -
'...brüderlich und gemeinschaftlich versprochen...'
Die zahllosen Einfälle kriegerischer Heere in unser
Land, der aüßerst dürftige Schutz von seiten des Kurfürstl.
Staates, dafür die wachsenden steuerlichen Belastungen
einerseits und andererseits die Bevölkerungs-Zunahme,
die Reform des Schulwesens führten im Laufe des 18.
Jahrhunderts unser Volk zum Selbstbewußtsein eigener
Stärke und Verantwortung. Geistige Grundlage des wachsenden
Gemeindesinns war das Trinom - Elternhaus - Schule
- und Kirche. Dem Ortspfarrer fiel mehr und mehr die
Aufgabe zu, durch die Verkündigung christlichen Glaubens
und christlicher Sitte die treibende Kraft des inneren
Zusammenhaltes der Gemeinde zu sein. Was man später
- etwas abwertend - mit 'Kirchturmspolitik' bezeichnete,
war in jenen Jahren für eine christl. Gemeinde die
einzige Möglichkeit zum überleben.
Aus den Jahren dieser Entwicklung berichtet das 'Irscher
Gemeindsbuch' unter dem 7. August 1794: 'Beim bevorstehenden
Anrücken der Truppen Napoleons ist die Gemeinde Irsch
beim Läuten der Glocke zusammengetreten und hat sich
brüderlich und gemeinschaftlich versprochen ... sie
wollen alle Lieb' und Leid brüderlich miteinander
tragen.'
Wie richtig man in Irsch die Zeichen der Zeit erkannt
hat, bewiesen die Ereignisse der folgenden Jahrzehnte:
1794 - Der Zusammenbruch des Kurstaates Trier; Einmarsch
Napoleons.
1803 - Das Ende des 1. Deutschen Reiches
1813 - Der Sturz Napoleons
1817 - Die Machtübernahme durch Preussen
Während unter den Umwälzungen der französischen
Revolution die traditionsgebundene Einheit von Kirche
und Staat zerbrach, Rechtsansprüche und Besitztümer
der Kirche 'säkularisiert' - der Willkür des Staates
zum Opfer fielen, die 'Göttin Vernunft' auf die
Altäre eines 'aufgeklärten' Europa gehoben wurde und
siegestrunkene Heermassen unter der Fahne von 'Freiheit
- Gleichheit - Brüderlichkeit' die Völker mit
Krieg, Raub und Unterdrückung überzogen - damals hatte
man in Irsch die Weisheit des Herzens bewahrt: 'Der
alte Gott lebt noch!'
Drei Wahrzeichen für ihre tief christliche Glaubensüberzeugung
hinterließen uns unsere Vorfahren aus jenen turbulenten
Jahren:
das überaus schöne große Altarkreuz, das Pfarrhaus
und die neue Pfarrkirche. Ehrenvoll sei an dieser
Stelle der Name des damaligen Pfarrers genannt: Johann
Backes aus Oberlauch b. Prüm, der mit seiner starken
Persönlichkeit über 40 Jahre unsere Pfarrgemeinde
leitete (1749-1793).
Die Pfarrkirche - Anno 1806
Die Pfarrkirche - wie sie heute vor uns steht
- wurde in 2 Bauabschnitten an den alten Ostturm angebaut:
1806 und 1913. Ihr heutiger Innenraum wurde im Jahre
1966 nach den Richtlinien der Liturgiereform des II.
Vatikan-Konzils gestaltet.
Vom 1. Bauabschnitt in Jahre 1806 sind 2 Urkunden
erhalten. Ein handgeschriebener 'Beschluß des Munizipalrats
und des Send', verfaßt am 27. Juli 1806 im Irscher
Pfarrhaus, befindet sich im Pfarrarchiv. In ihr wird
gesagt, daß die Kirche aus 'eigenen freiwilligen Beiträgen
der Einwohner des Ortes Irsch' gebaut wurde. Sie enthält
die kuriose Bitte an den Bischof von Trier: 'die Kirche
unter dem Patronat des Heiligen Napoleon gefälligst
einweihen zu wollen' und endlich eine Einladung für
den 'Prefect von Trier' zur Kirchweihe. Zu dieser
kam es erklärlicher Weise nicht. Ein Reliquienbefund
im alten Hochaltar legt die Einweihung der Kirche
in das Jahr 1830, die Amtszeit des Bischofs J. L.
Alois von Hommer (1824-1836), durch dessen Weihbischof
Joh. Heinrich Milz (1826-1833). Kirchenpatrone blieben
die hl. Martyrer Gervasius und Protasius
Eine 2. Urkunde ist uns in einer etwa 25 cm großen
Bleitafel im Turmpfeiler des heutigen Glockenturmes
erhalten. Sie trägt in Maiuskeln die folgende lateinische
Inschrift:

Anno 1806
aut anno I. Gallicorum Imperatoris
Napoleonis
aedificata est ecclesia in Irsch
Es folgen die Namen des Pastors, Heinrich Schneider,
des Bürgermeisters J.B. Britten und der 11 Ratsmitglieder,
sowie der Name des Baumeisters Matthias Funck aus
Saarburg.
Erbaut unter französischer Fremdherrschaft und
in wirtschaftlicher Notzeit war der Bau klein und
bescheiden, 75 Fuß lang und 29 Fuß breit. Der alte
Turm erhielt ein 4. Stockwerk. Der Innenraum war im
Saalstil der Zeit gestaltet mit abgerundeter Flachdecke
und hatte nebst 2 Chorfenstern je 3 Rundbogenfenster
im Schiff der Kirche.
Von den Pfarrern im 19. Jh. wurde der Kirchbau immer
als unvollendet angesehen und seine Vollendung angestrebt.
Während die nötigen Formalitäten zwecks Baugenehmigung
den Beginn der Arbeiten immer wieder verzögerten,
ging man unterdessen daran, die Innenaustattung zu
erneuern. Eine schöne barocke Strahlen-Monstranz,
sowie ein barockes Zibonum stammen aus jenen Jahren.
Schließlich ersetzte Pastor Tine' 1902 den alten Barockaltar
durch einen neugotischen. Die Konsekration dieses
neuen Altares fand statt am 22. April 1902 durch Weihbischof
Karl Ernst Schrod. Zur Vorbereitung wurde eine Mission
gehalten. Die große schöne Kreuzgruppe aus Terracotta
(heute an der Rückseite des Nebenschiffes) erinnert
daran.
Unsere Pfarrkirche - Renovata 1913

Als am 15.11.1912 Pastor Johann Willens in sein Amt
als Pfarrer von Irsch eingeführt war, griff er tatkräftig
die Arbeiten zur Vollendung der Pfarrkirche an. überall
in Irsch gab es damals nur ein Gespräch, in den Familien,
in Versaumlungen, auf der Straße: der Kirchbau. Mit
Kirchen-Vorstandsbeschluß von 15.5.1913 wurden die
Arbeiten dem Architekten Peter Marx, Trier, und den
Bauunternehmen Pütz & Bisson, Trier-Konz, übergeben.
Nach Eingang der baupolizeilichen Genehmigung vorn
12.8.1913 konnte mit den Arbeiten begonnen werden.
Die Finanzierung wurde 'durch freiwillige Gaben der
Pfarrangehörigen und durch Eigenleistung' erbracht.
Die notwendigen Bruchsteine wurden auf der Höhe
oberhalb der Kirche gebrochen und auf einer Feldeisenbahn
zur Baustelle gefahren. Dabei verunglückte tödlich
Herr Nikolaus Fuhs-Clemens am 13.6.1914. Ihn sei an
dieser Stelle ehrend in Dankbarkeit gedacht.

Der Bau zog sich bis in den August 1914 hin. Die
Fassade der Kirche wurde abgebrochen und um 6,20 m
nach Westen vorverlegt, was genügend Raum für eine
Orgelempore gab. Dabei mußten die Priestergräber vor
dem alten Portal eingeebnet werden. Reste ihrer Grabmäler
befinden sich heute in der Friedhofsmauer hinter der
Sakristei. Es handelt sich um Steinreste der Gräber
von: Pfr. Michael Kahlen (1865-1884); Joh. Peter Casel
('Widersehn'/1808-1813); Peter Kremer (Sandsteinkreuz,
1817-48)1 ein 4. Grabstein ist dem einzigen Irscher
Gefallenen des 70-ger Krieges gewidmet: Matthias Steuer,
gestorben im Lazarett Heidelberg.
In
der ganzen Länge der Kirche wurde an der Nordseite
über den Kinderfriedhof ein Seitenschiff von 6 m Breite
angebaut und an dessen Front ein 34 m hoher barocker
Glockenturm errichtet. Der 'alte Turm' wurde wieder
ein Stock niedriger und vom Berghang abgegraben freigelegt.
Sein Innenraum wurde etwas vergrößert, erhielt
ein schönes gotisches Fenster mit den Bild des
'Guten Hirten' und als Schlußstein im Kreuzgewölbe
das 'Osterlamm' eingemeißelt. Zusammen mit der nordwärts
angebauten Ministranten-Sakristei wurde er unter Pultdächer
gelegt. Die Kirchenfenster zeigten in bleigefasster
Buntglasmalerei die 8 Seligkeiten, dazu auf der Orgelempore
die hl. Cäcilia. Die Fenster des Hauptschiffes wurden
in letzten Krieg zerstört. Vor die Fassade wurde
ein großzügiger bis 3 m hoch führender Treppenaufgang
in Zangeforn gelegt. Im Giebel der Fassade fand eine
Kreuzgruppe aus Terracotta Aufstellung. über den Hauptportal
liest man auf einem mit Girlanden gezierten Medaillon:
Haec Domus aedificata 1806
Renovata 1913
Mit der Vergrößerung hat nun die Kirche folgende
Größenmaße:
Hauptschiff - 29,10 m lang; 9,30 m breit; 8 m hoch
Nebenschiff - 25 m lang; 5,10 m breit; 6,40 m hoch
Äußere Länge mit Sakristei = 37 m
Äußere Breite = 16 m
Fassadenhöhe = 15 m
Kirchturmhöhe bis zum Knopf = 32 in. (Kreuz
+ Hahn: 2 m) Das Urteil des Chronisten lautet: 'Schön
an der Kirche ist:
die zentrale und hohe Lage inmitten des Ortes - die
hohe Freitreppe - die breite Fassade mit der Kreuzgruppe
und vor allem der 34 m hochragende Barockturm mit
Strahlenkreuz und Wetterhahn - das romanische Seitenschiff
mit den schönen Säulen und ebenmässigen Bögen,
sowie der lichte, übersichtliche Raum mit dem hochgelegenen
Hochaltar, der an Kalvaria erinnerte. Der Nebenaltar,
die Kirchenbänke und die Sakristeimöbel wurden
nach Entwurf des Architekten Peter Marx von den Schreinern
unseres Ortes in Eiche angefertigt.
Im allgemeinen ist die Vergrößerung gut gelungen
und gefällt den Einheimischen und Fremden gut. Sie
ist sehr einladend zum Gebet und hat eine gute Akustik.
Erhebend ist der Gedanke an der Stätte zu beten,
an der auch die Vorfahren seit bald 1000 Jahren gebetet
haben, die im Schatten der Kirche zur Ruhe gebettet
sind.'
Der Kirchbau konnte noch gerade vollendet werden,
da brach im August 1914 der 1. Weltkrieg aus. Monat
auf Monat läuteten die Glocken vom neuen Turm die
traurige Nachricht über das Dorf, daß wieder einer
seiner Söhne im widersinnigen Völkermorden
das Leben lassen mußte. 44 Gefallene waren die blutige
Bilanz des Krieges für Irsch. Am Ende brach das kaiserliche
Hohenzollernreich zusammen. Dann kam das tragische
'Vae victis' (Wehe dem Besiegten) mit innerer Zerrüttung
und geistiger Haltlosigkeit über große Teile unseres
Volkes und stürzte es in die schmachvolle Erniedrigung
der NS-Diktatur (1933-1945). Der 'Totale Krieg' (1939-1945)
forderte von Irsch 56 Menschenleben. Mit einem ohnmächtigen
Protest gegen die Tollwut des 'nordischen Übermenschen
weist unser Chronist bescheiden darauf hin, daß bei
den politischen Wahlen jener Schreckenszeit die christlichen
Parteien in Irsch jeweils mehr als 2/3 aller Stimmen
erhielten, der Diktator nie 1/3 erreichte. Diese Bemerkung
diene als Zeugnis der Wahrheit für kommende Generationen!

Pfarrer Johann Boden (1928-1946)
An dieser Stelle sei anerkennend gedankt dem seeleneifrigen
Pfarrer, guten Geschichtskenner und unermüdlichen
Schreiber unserer Pfarrchronik, Johann Boden. Von
1928 - 1946 führte er unsere Pfarrei. Krankheitshalber
verließ er am 1.6.1946 die ihm liebgewordene Pfarrei
Irsch. Er starb am 15.11.1962 in Kurtscheid, seinem
Heimatort.
Zum Gedenken an das Heilswirken Gottes in seiner
Kirche. Irsch 1964
In die
Amtszeit von Pastor Karl Schwaab (1946-1967) fiel
das II. Vatikanische Konzil (1962-1965). Papst Johannes
XXIII hatte es einberufen unter dem programmatischen
Leitwort 'Aggiornamento' (= Ausrichtung der Kirche
auf die Veränderung der Welt von heute und morgen).
Im besonderen verstand er darunter: die anzustrebende
Wiedervereinigung der christlichen Konfessionen, die
Gesprächsbereitschaft der Kirche mit allen Religionen
und Völkern, vor allem aber die Berufung der
katholischen Laien zur aktiven Teilnahme in den kirchlichen
Diensten und der Glaubensverkündigung.
Pastor Schwaab, dessen Priesterleben geprägt war
von tiefer Ergebenheit an Kirche und Papst, unterließ
nichts, um der Gemeinde die Konzilsbeschlüsse getreu
und ohne Abstriche zu übersetzen. Zu diesem Zwecke
ließ er zunächst in Irsch eine Volksmission abhalten
vom 30. November 1963 bis 15. Dezember, die äußerst
segensreich verlaufen ist. Um der Stimme der Kirche
noch eindringlicheres Gehör zu verschaffen, ließ
er im Frühjahr 1964 eine 4. und größte Glocke
- die St. Michaelsglocke - für unseren Kirchturm gießen.
Auf dieser ließ er nebst dem Weihespruch den bedeutenden
Beisatz anbringen: 'Zum Gedenken an das Heilswirken
Gottes in seiner Kirche.' Schließlich leitete er noch
im selben Jahr die grundlegende Umgestaltung des Kircheninneren
gemäß den liturgischen Richtlinien des Konzils ein.
Im Jahre 1966 war der Plan zur Ausführung fertig.
Zwei namhafte Experten auf dem Gebiet der Kirchenrestaurierung
hatten die Arbeiten übernommen: Architekt Peter van
Stipelen u. Kunstmaler Werner Persey, beide aus Trier.
Als Grundsatz für die Umgestaltung galt: 'In
der Kirche ist nicht wichtig, was darin ist, sondern
vielmehr - was darin geschieht: das Heilswirken Gottes!'
- Dieses wollen Anlage, Motiv und Gestaltung der neu
eingebrachten Einzelteile bildhaft deutlich zum Ausdruck
bringen:
Zeltdach der neu eingezogenen Holzdecke. 'Seht
Gottes Zelt auf Erden! Verborgen ist er da; in menschlichen
Gebärden bleibt er den Menschen nah.' (GL.639/4) -
Wie ein Zelt immer nur etwas Vorläufiges ist und der
Versammlung von Menschen dient, so führt Gott sein
Volk zusammen und auf den Weg zum Heil: 'Sein wandernd
Volk will leiten der Herr in dieser Zeit; er hält
am Ziel der Zeiten dort ihm sein Haus bereit.' (GL.639/5)
Der Altar als Stätte der steten Erneuerung
des Versöhnungsopfers Christi bringt mit seinem
mächtigen, unverrückbarem Steinblock die Unveränderlichkeit
des Helswillens Gottes zum Ausdruck. Seine Tischform
weist auf das 'Letzte Abendmahl' hin, die angedeutete
Kreuzform auf das Gedächtnis des Kreuzesopfers Christi.
Das Altarkreuz stellt bildhaft das 'Geheimnis
des Glaubens' dar, welches auf dem Altar in der Eucharistie
gefeiert wird. Es sagt die großen Glaubenswahrheiten
über Jesus Christus aus: Die Menschwerdung des Sohnes
Gottes in der Menschengestalt und sein Tod am Kreuze.
Die Auferstehung von den Toten im Hinweis auf die
fahnenartig-sieghaft blutenden Wunden
Die Himmelfahrt Christi im blauen Grund des Bildes.
Die Sendung des Hl. Geistes in der flügelartigen
Form des Kreuzes und schließlich die Wiederkunft Christi
am 'letzten Tag' in den Bruchstücken des Mosaiks und
des aufgehenden Morgenrots hinter seinem Haupt. Das
Altarkreuz ist damit eine überaus glücklich gelungene
Zusammenfassung des Rufes im Augenblick der hl. Wandlung:
'Deinen Tod, O Herr, verkünden wir und deine Auferstehung
preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit.' - Die
Wiederkunft Christi in 'Herrlichkeit' wird noch eigens
betont durch die Heiligen in den Kirchenfenstern:
'Siehe der Herr wird kommen - und alle seine Heiligen
mit Ihm!' (Isaias)
Der Tabernakel ist gedacht als Heiligenhäus'chen
und Raststätte am Pilgerwege. Er birgt die 'Wegzehrung':'...Du
wahre Speise, Jesus, stärk uns auf der Reise - heim
in deines Vaters Reich!'(GL.844) Das Mosaikbild auf
der Tabernakeltür zeigt Abraham - den Vater der Glaubenden
- bei der Bewirtung seiner drei Gäste. Die Eucharistie
ist nicht nur Unterpfand der künftigen Herrlichkeit,
sondern auch Verpflichtung an die Menschen in Not:'
Gib uns die Kraft zu heilen, zu helfen in der Not
- daß Freud' und Leid wir teilen, und teilen unser
Brot!' (GL.842/4).
Die 12 Kirchweih-Kreuze an den Wänden der
Kirche erinnern an die 12 Apostel, auf deren Verkündigung
das christliche Glaubensgebäude ruht. In den verschiedenen
Richtungen angebracht weisen sie die christliche Gemeinde
auf den Auftrag Christi hin: -Geht und Lehret alle
Völker....!'
Der Marienaltar mit dem Reliefbild (Terracotta)
der 'Immerwährenden Hilfe' fügt sich sinnvoll an das
Hauptschiff der Kirche an. Das Bild ist eine Stiftung
des Soldaten Anton Müller aus Irsch in der Vorahnung,
aus dem Kriegsgeschehen nicht zurückzukehren. In der
Tat ist er am 20. Oktober 1914 an der Westfront gefallen
erst 20 Jahre alte Seither stand das Bild in großer
Verehrung bei unserem Volk.
Das Original des Bildes ist eine griechische Ikone
aus dem 14. Jh. und befindet sich als Gnadenbild hochverehrt
in der Kirche 5. Alfonso der Patres Redemptoristen
in Rom. Dort hat es den Namen: 'De Perpetuo Succursu'
(=von der ständigen Hilfsbereitschaft!). In der Eile
Hilfe zu bringen, verliert das Kind auf dem Arme Mariens
- sogar einen Schuh! Glücklich der Beter, der ihn
auffängt! Er wird nicht anders können als zum
Himmel zu laufen. -
Unsere Orgel - Einweihung am 25.3.1956
Der Domorganist Dr. Paul Schu, Trier, beurteilte
die Orgel: 'Aufbau und musikalische' Leistung der
Orgel sind: 'Sehr gut'. - Alles in allem ist sie tadellos
und entspricht vollauf den liturgischen Anforderungen'.
- Sie wurde gebaut von Fa. Eduard Sebald, Trier, zum
Preis von 22.750,-DM. Sie hat:
2 Manuale mit je 56 Tasten; 1 Pedal mit 30 Tasten.
18 Klingende Register mit insgesamt 1.170 Pfeifen
(54 aus Holz, 218 aus Zink, 898 aus Zinn).
4 Nebenregister; 22 Registerkipper und 22 für freie
Kombination. Elektrische Gebläse.
Unser Kirchenchor ist im Jahre 1730 gegründet
worden. Laut des noch erhaltenen Visitations-Protokoll
vom 25.6.1780 beauftragte der erzbischöfliche
Schulvisitator, Pastor Canaris von Conz, den Schulmeister
und Küster von Irsch, Christoph Tressel: '..die Burschen
von Irsch im kirchlichen Choralgesang zu unterweisen
gegen eine Gebühr'. Derselbe Schulmeister errichtete
im darauf folgenden Jahre 1781 beim 'Schunke-Schäle-Born'
ein Votivkreuz, das bis zum Jahre 1940 dort mit einer
längeren Inschrift gestanden hat. An jener Stelle
besteht eine sehr gute Akustik in der Landschaft und
es ist anzunehmen, daß daselbst an schönen Sommerabenden
die 'Chorproben' gehalten wurden. Jedenfalls war das
Kreuz bis in unsere Tage hochverehrt und das 'Schulkreuz'
vom Volk genannt. - Im Laufe der 2 Jahrhunderte seines
Bestehens hat unser Kirchenchor wesentlich dazu beigetragen,
auch den Volksgesang bei den Gottesdiensten in Irsch
zu stärken und zu pflegen. In neuerer Zeit hat sich
große Verdienste um den Kirchengesang erworben der
langjährige Chorleiter und Organist, Josef Paulus,
der auch ein 4-stimmiges Magnificat für unseren Kirchenchor
komponiert hat. (1922-1965)

Die Glocken auf unserem Kirchturm
,Wovon das Herz voll ist, fließt der Mund über' -
sagt das Sprichwort. In besonderer Weise trifft das
auf die Kirchenglocken zu. Schon der hl. Hieronymus
sagt um das Jahr 400: 'Der Glockenklang ist die Verkündigung
der Frohbotschaft Gottes an die Welt, die Glocke selbst
ist der Mund des Verkündigers, der Klöppel seine
Zunge, der Glockenstrang erinnert an die Kürze des
Lebens.' - Nebst der Orgel gehören die Glocken
einer Kirche zur selbständigen Eigenart des musikalischen
Ausdrucks ihrer christlichen Verkündigung. Sollten
sie einmal verstummen, dann ist 'Karwoche' in der
Kirche - sei es ob der Vergewaltigung durch Herodes
und Pilatus, sei es ob der Feigheit ihrer Fliehenden
Jünger. -Aber es wird wieder Ostern! Und die Glocken
werden immer wieder zurückkehren und die frohe Osterbotschaft
verkünden. So stehen Orgel wie Glocken als Zeichen
der Sieghaftigkeit christlichen Glaubens im Dienst
der Kirche und werden von ihr feierlich geweiht auf
den Namen heiliger Patrone. - Zur Zeit sind folgende
Glocken auf unserem Kirchturm:
Im Jahre 1951 wurden gegossen und geweiht
1) die Glocke: 'St.. Matthias' - Ton h - 340 kg -
Durchmesser 0,83 m - Inschrift:
,Hl. Matthias - des Bistums Schutzpatron, bitt für
uns an Gottes Thron Erflehe du von Jesus Christ, was
uns zum Heile ist.'
2) Die Betglocke: St. Gervasius u. Protasius: Ton
a - 500 kg - Durchmesser 0,93 m 'Gervasius und Protasius
haben sie mich geweiht, den heiligen Schutzpatronen.
Ich rufe sie an, daß Fried und Einigkeit allzeit in
eurem Dorfe wohnen.'
3) Die Glocke: 'Maria, Friedenskönigin' - Ton
g - 700 kg. - Durchmesser 1,04 m 'Maria Friedenskönigin
heiße ich - und erfleh für euch den Frieden. Den Frieden
da droben ewiglich - und endlich den hienieden.'
Am 3. Mai 1964 wurde die 4. Glocke geweiht
4) 'St. Michael' - Ton e - 1.150 kg. - Durchmesser
1,24 m - mit Bild und Inschr. 'St. Michael, die Kirch
dir anbefohlen ist
du unser Schutz- und Schirmherr bist
Beschütz mit deinem Schild und Schwert die Kirch,
den Hirten und die Herd.'
Beisatz: 'Zum Dank und Gedenken an das Heilswirken
Gottes inseiner Kirche durch das II. Vatikanische
Konzil in den Jahren
1963 - 1964.' - Irsch 1964
Pastor Karl Schwaab (1946-1967)
,Solange 2x2=4 ist, solange sind die Gebote Gottes
gültige Lebenswahrheit.' - war einer der markanten
Worte von Pastor Schwaab. 21 Jahre hindurch hat er
unsere Pfarrei umsichtig und klug, aber auch energisch
und unnachgiebig den Weg des Glaubens und christlichen
Lebenswandels geleitet. Gottesfurcht, Treue zur Kirche
zeichneten ihn ebenso aus wie innige Volksverbundenheit.
Erst 62 Jahre alt starb er an Herzinfarkt. Bischof
Bernhard Stein nahm persönlich an seinem Begräbnis
teil. Sein Andenken bleibt unserer Gemeinde in hohen
Ehren!
Aus dem Kirchenschatz
Nur Weniges vom kirchlichen Inventar vergangener Jahrhunderte hat
die Zeiten überstanden bis in unsere Tage. über Einiges
davon wurde bereits berichtet. Es waren
1) der kleine vergoldete Silberkeich, etwa aus dem
Jahre 1500
2) die Lichtmeß-Madonna aus dem Jahre 1532
3) das ehemalige Altarkreuz mit 4 Leuchtern aus dem
Jahre 1770
4) ein Rokoko-Ziborium, kupfervergoldet, aus dem
Jahre 1750
Ihrer Bedeutung und ihres Wertes wegen seien hier
noch 2 Monstranzen besonders erwähnt:
Die barocke Strahlenmonstranz
ist 48 cm hoch und messingvergoldet. Die handgetriebenen
Rokokoformen am ovalen Fuhs, Schaft und Nodus, die
Darstellungen von Gottvater unter einem überhängendem
Baldachin und der Heilig-Geist-Taube, das grundrißlose
Schaufenster umgeben von 16 gut geschliffenen Quarzsteinen
in den Farben Smaragd, Aquamarin, und Karneol, und
schließlich der flache Eichenlaub-Kranz aus Silber
weisen auf ihre Herstellung um das Jahr 1750 hin.
Als Handarbeit ist die Monstranz mit besonderer Bedeutung
für unser Irsch angefertigt, das seinen Namen und
seine Lebensexistenz in vergangenen Zeiten vom Eichenbestand
der umliegenden Landschaft ableitete. Das besagt die
schöne Eichenlaub-Verzierung in Silber rund um
das Schaufenster des eucharistischen Brotes. Wie die
Eiche den hiesigen Menschen das Brot für das tägliche
Leben bedeutete, so die Eucharistie das Brot für das
Ewige Leben. Damit stellt die Monstranz das 'Wahrzeichen
von Irsch' dar sowohl als Zivilgemeinde wie als Kirchengemeinde.
Geschichtlich gesehen gehört somit das Eichenlaub
als wesentliches Merkmal in das Wappen der Gemeinde
Irsch.
Die Christkönigs-Monstranz
ist gestiftet von einem Frl. Anna Dawen aus Irsch,
entworfen und angefertigt im Jahre 1930 von der Firma
Brems-Varain Trier. Sie ist 68 cm hoch, massiv Silber
(3,15 kg) und ganz vergoldet. 6 Medaillons zeigen
in Relief die Bilder der Heiligen: Gervasius und Protasius,
Maria und Josef, Sebastian und Luzia. (Schutzpatrone
der Kirche, der Familie und der Gemeinde). 14 Bergkristalle,
3synthetische Rubine, 12 Karneole, 6 Chrysopase nebst
edlem Email schmücken die Front. Auf dem Fuß ist das
Bild Christkönigs eingraviert, auf dem Nodus
die Schrift: 'Tu Rex Gloriae Christe'. Ein 5 cm hohes
Silberkreuz, vergoldet, krönt mit einem Rubin
die Monstranz. -
Beim Frontübergang im Jahre 1945 wurde die Monstranz
von einem amerikanischen Soldaten als Beutegut mitgenommen.
Bei einer Militärkontrolle in der Nähe von Hermeskeil
entdeckt landete die Monstranz beim dortigen Pfarrer.
Was an ihr fehlte, war das krönende Silberkreuz,
das sich der Soldat wohl als Souvenir abgeschraubt
hatte. Im Jahre 1950 kam dieses jedoch wohlbehalten
in einem Päckchen aus den USA wieder nach Irsch.
Die Stifterin der Monstranz starb bald nach deren
Fertigstellung am 1.11.1930. Ihr geringes Gut und
Haben stellte sie wie ihr Leben ganz in den Dienst
Gottes und das zu einer Zeit, da sich in unserem Land
der antichristliche Terror breit machte.
In Dankbarkeit und mit dem fürbittenden Gebet sei
an dieser Stelle aller verstorbenen Stifter gedacht,
die mit ihren Gaben zum Ausbau und zur Erhaltung unseres
Gotteshauses beigetragen haben ob bekannt oder ungenannt.
RIP
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