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Der Scharfenberg wird erobert
Titelbild: Die letzte Reserve

"Der Scharfenberg wird erobert" ist eine Leseprobe aus dem Buch "Die letzte Reserve" von Erwin Frank
Scharzhofstraße 271
54459 Wiltingen
Tel. 06501 / 1 72 41
(Erwin.K.Frank(aet)addcom.de).

Das Buch kann für 12,- Euro (zuzüglich 1,25 Euro für Porto und Verpackung) beim Autor Erwin Frank bestellt werden. Dies gilt auch für das Buch "... dann kommt der Krieg zu dir" (Preis 11,- Euro + 1,25 Euro Porto und Verpackung)

Als der Kampf um den Scharfenberg in seine entscheidende Phase kam, war auf deutscher Seite bei der 2. Batterie der HFAA 1309 seit d em 23.02. der Batterieführer und seit dem 22.02. auch der Abteilungskommandeur ausgefallen. Immerhin standen auf dem Scharfenberg drei Batterien deutscher Artillerie.

In einem gegnerischen Lagebericht der 3. US-Armee heißt es am 24.02.1945:

"Die Einheiten des XX. Corps haben in vier Tagen alle Gebiete zwischen Mosel und Saar durchkämmt. . . Die Verteidigung des Feindes im Saar-Mosel-Dreieck war vollkommen fehlorganisiert, der Feind ist durch unseren schnellen Angriff völlig aus der Fassung gebracht worden. Nur an einzelnen Stellen haben die Truppen der ‚Krauts’ (Spitzname der Amerikaner für die deutschen Soldaten. Es bedeutet Kraut-/ Sauer-krautesser.) heftigen Widerstand geleistet und tapfer gekämpft. Sie waren jedoch schlecht ausgerüstet. . . Wie wir feststellen konnten, haben sie ihre letzten Reserven aufgeboten und waren mit allen Mitteln bemüht, uns aufzuhalten. Insgesamt haben unsere Truppen im Saar-Mosel-Dreieck 40 000 ‚Heinis’ (Ebenfalls ein Spitzname für deutsche Soldaten.) als Gefangene eingebracht.“ (CHRISTOFFEL Edgar, "Der Endkampf zwischen Mosel, Saar und Ruwer 1944/45“, S. 49.)

Deutsche Soldaten als Zeitzeugen, die das Ende des Kampfes um den Scharfenberg selbst miterlebt haben, wurden nicht mehr gefunden. Es steht allerdings fest, dass der Scharfenberg in harten Kämpfen verteidigt wurde und die Stellungen nicht, wie in Wiltingen, geräumt worden sind. Wenn auch keine Zeitzeugen mehr befragt werden konnten, so stellen die sehr detaillierten Darstellungen des amerikanischen Kriegsberichterstatters und Schriftstellers Byrnes, der bereits mehrfach zitiert wurde, eine wertvolle Quelle für jeden Heimatkundler dar.

Am 23.02. haben im Verlauf des frühen Morgens die Amerikaner Ockfen teilweise besetzt, als gegen 9.45 Uhr/10.00 Uhr sechzehn deutsche Panzer der 11. Panzerdivision (Gespensterdivision) von Irsch her vorstießen und die Amerikaner wieder in den Irminerwald zurückwarfen. Ein neuer US-Angriff wurde durch schweres Artilleriefeuer aus acht Batterien mit 10,5-cm bis zu den schweren 24-cm Geschützen vorbereitet. Dieses Sperrfeuer soll Ockfen wie ein Erdbeben getroffen haben. Die deutschen Panzer zogen sich daraufhin wieder aus dem Ort zurück. Als Teile des 2. Btl. des 376. US-Regiments in die Ortslage nachrückten, gab es keinen deutschen Widerstand mehr. Ockfen war ein heilloses Durcheinander, Häuser brannten, Vieh lief auf der Straße und 71 deutsche Soldaten wurden gefangen genommen. Um einen erneuten Angriff deutscher Truppen zu verhindern, wurde der Zugang von Irsch vermint. Vom Scharfenberg her wurden die Amerikaner durch deutsches Feuer und durch Scharfschützen attackiert (BYRNES, a. a. O., S. 347.).

Diesen Angriff auf den Ort schildert der Pfarrer von Ockfen in der Pfarrchronik:

"Als es hell wird, wagen wir uns schüchtern heraus und erfahren, dass die Amerikaner seit sechs Uhr morgens schon in den ersten Häusern sitzen. Gegen 9.30 Uhr rollen auf einmal Panzer von Irsch herbei. Es sind deutsche Panzer, die mit Infanterie zum Gegenangriff vorgehen. Die Amerikaner haben bisher noch keine schweren Waffen diesseits der Saar, nur Infanterie.
Meine Schwester und ich sind entschlossen, abends bei Einbruch der Dunkelheit das Weite zu suchen. Wir wollen es aber nicht, ohne die Leute in Wagners Keller benachrichtigt zu haben. Sie wollen bleiben, weil der Pastor bleibt. Also können wir nicht fort, ohne sie verständigt zu haben.
Mitten im Trommelfeuer renne ich zu Wagners und erreiche das Haus, obwohl die Granaten ringsherum einschlagen. Die Leute sind froh, dass ich da bin. Ich bete mit ihnen und spende allen die Generalabsolution. Mein Vorschlag, bei Dunkelheit den Ort zu verlassen, findet allgemeine Billigung. Da kracht es an allen Ecken und Enden. Der kleine Keller ist erfüllt vom Staub des zusammenfallenden Wagnerchen Hauses. Die Kinder schreien, die Mütter jammern. Schnell werden Weinflaschen aufgezogen, jeder nimmt einen Schluck, denn der Staub benimmt uns den Atem.“

Nach der amerikanischen Besetzung Ockfens schreibt der Pastor weiter:

"Aus anderen Kellern kommen auch die Leute, die zurückgeblieben waren, zum Teil mit erhobenen Händen, ohne jedes Gepäck. Es geht aus dem Dorf hinaus, der Saar zu. Nun schießt die deutsche Artillerie. Die Posten, die uns begleiten, sind den alten Leuten behilflich. An der Saar neue Aufregung. Ein deutscher Landser liegt da mit einem Kopfschuss. Ich frage den Posten, ob ich zu ihm darf. Er erlaubt es. Der Soldat ist katholisch, aus Bayern. Ich gebe ihm die Absolution und die heilige Ölung in einfacher Form. Dann müssen wir weiter.
An der Saar sammeln sich inzwischen einzelne Trupps. Der alte Benz, der ein Beinleiden hat, kommt mühsam angehumpelt. Die alte Frau Schuster-Karges wird von zwei Töchtern geführt. Endlich werden wir in Booten übergesetzt. Durch den Schlamm des Ufers müssen wir uns zu den Booten schaffen. Dann geht es querfeldein nach Ayl . . .“ (CHRISTOFFEL, a. a. O., S. 433.)

Am Abend des selben Tages, es ist der 23.02., setzte sich ein Teil des 3. Btl. vom Ockfenerbachtal aus am unteren Scharfenberg fest, wie auf Seite 88 ff. geschildert. Die deutsche Artillerie setzte dem Gegner auch in den folgenden Tagen schwer zu, vornehmlich auch auf die besetzten Teile des Irminerwaldes, des Herrenberges und des Bocksteins. Immer wieder versuchten die Amerikaner vergeblich, den Widerstand der Verteidiger auf dem Scharfenberg zu brechen.

Die Haupt-B-Stelle auf dem Scharfenberg war am 25.02. noch immer in deutscher Hand und Wachtmeister Peskoller verteidigte auch jetzt noch "seinen“ Bunker, B 38 206, oberhalb der Saar Aufm Kamm. An diesem Tage erhielt US-Oberstleutnant Anderson den Befehl, einen Angriff von Ockfen in Richtung Süden nach Beurig durchzuführen, um Verbindung mit dem dort stehenden 3. Btl. des 301. US-Regiments herzustellen. Dabei stieß die Truppe entlang der Saar und über die Höhe im Distrikt Auf der Fröhn/Aufm Kamm auf Beurig vor und schlossen damit den Bunker von Peskoller völlig ein. Byrnes bestätigt zum Datum vom 25.02.1945, dass die Deutschen noch einige Bunker im Brückenkopf besetzen.“ (BYRNES, a. a. O., S. 354.)

An diesem Sonntagmorgen, dem 25.02., hörte die deutsche Mannschaft auf der Haupt-B-Stelle eine Detonation in der Nähe des Bunkers von Peskoller. Gleichzeitig ist die Verbindung abgebrochen (Aussage des Zeitzeugen Walter Gröger nach dem Kriege gegenüber Xaver Lerch. Walter Gröger war als Beobachter auf der Haupt-B-Stelle Scharfenberg.). Was dort passiert ist, könnte mit dem Bericht von Byrnes erklärt werden, der im Zusammenhang mit dem Vorgehen von Ockfen aus in Richtung Süden nach Beurig steht (BYRNES, a. a. O., S. 355.):

"Panzerabwehrgeschütze eröffneten über den Fluss hinweg (von der Straße Saarburg/Niederleuken - Biebelhausen, der heutigen K 130 – Anm. d. Verf.) das Feuer gegen die deutschen Stellungen. Der Stoßtrupp kam an die Seite des ersten Bunkers. Die Panzerabwehrgeschütze folgten auf dem jenseitigen Ufer, um die Operation mit ihrem Feuer zu unterstützen. Zu den Schwierigkeiten kam, dass die deutschen Bunkerbesatzungen während des Angriffs Granatwerferfeuer angefordert hatten. Hauptgefreiter Scheer schoss mit seiner Panzerfaust genau in eine der Schießscharten, verletzte einen feindlichen Maschinengewehrschützen und zerstörte sein Waffe. Darauf hin ergab sich der Bunker. Die Kompanie rückte weiter nach Süden vor und nahm mehrere Bunker ein.“

Die Ursache der von den Kameraden auf dem Scharfenberg vernommenen Detonationen könnte das Feuer der Panzerabwehrgeschütze gewesen sein.

Der ehem. Wachtmeister Max Schreiber hat nach dem Kriege über das weitere Geschehen berichtet: Peskoller hatte auf Drängen der Bunkerbesatzung am 25.02. morgens kapituliert. Die Männer gingen in Kriegsgefangenschaft. Auf dem Weg in die Gefangenschaft, also bereits entwaffnet, wollte einer der GIs Peskoller seine Auszeichnungen von der Brust reißen, möglicherweise um sie als Souvenir mitzunehmen. Peskoller gab dem Betreffenden eine Ohrfeige. Daraufhin wurde er von drei Amerikanern gegriffen und hinter eine Feldscheune gezerrt. Einige Schüsse fielen und die Amerikaner kamen ohne Peskoller zurück. Er ist von ihnen hinter der Scheune liquidiert worden. Auf dem Soldatenfriedhof in Sandweiler/ Luxemburg fand Wachtmeister Richard Peskoller seine letzte Ruhe. Von alledem erfuhr Uffz. Lerch erst nach dem Kriege.

Bei den Recherchen im Jahre 2006 konnte noch mit dem Bruder (PESKOLLER Jakob, Zeitzeugenbefragung im Jahre 2006. Der Bruder ist 89 Jahre alt, aber bei erstaunlich geistiger Rüstigkeit.) von Richard Peskoller gesprochen werden, der trotz seines hohen Alters in allen Fragen ansprechbar war. Über den Tod des Bruders Richard haben die Angehörigen andere Informationen. Ihnen wurde erst acht Monate nach Kriegsende von einem Kameraden der Artillerieabteilung berichtet, dass Richard Peskoller den Bunker nicht aufgegeben habe. Es sei eine Panzerfaust in die Schießscharte geschossen worden und dann hätten die Amerikaner den Bunker mit Flammenwerfer gestürmt. Dabei sei Richard Peskoller regelrecht verbrannt (wie das auch in der F 1102 in Wiltingen geschehen ist). Wenn diese Version richtig sein sollte, dann würde das mit der vorhergehenden Schilderung übereinstimmen, wo der US-Hauptgefreite Scheer mit einer Panzerfaust in eine Schießscharte geschossen und die Besatzung zur Aufgabe gezwungen hat.

Möglich ist auch eine Kombination beider Schilderungen, dass Peskoller nach dem Schuss in die Schießscharte den Bunker aufgegeben, aber nicht mit Flammenwerfer, sondern wie nach der ersten Darstellung erschossen wurde. Exakt lässt sich das nicht mehr ermitteln.

Am 25.02. meldet Oberstleutnant Anderson an General Malony über den Zustand und den Erfolg seines 376. US-Regiments. Er berichtet, dass das Regiment 60% der Bunker, ein 8,8-cm-Geschütz, eine Gebirgsartillerie eingenommen und 452 Gefangene gemacht hat. Schätzungsweise 700 deutsche Soldaten seien bei diesen Kämpfen gefallen (BYRNES, a. a. O., S. 354).

Das 3. Btl. des 302. US-Reg. erhielt am 27.02. den Befehl, einen Angriff nach Nordosten, also von Irsch aus, auf den Scharfenberg durchzuführen. Dazu schreibt Byrnes (BYRNES, a. a. O., S. 329.):

"Leutnant Cloudt unternahm seinen Angriff um 17.50 Uhr mit Unterstützung aller verfügbaren Luftabwehr-, Panzer- und Panzerabwehrwaffen. Dieser Feuerhagel durchlöcherte buchstäblich den Felsenkamm mit seinen Stellungen. Als die Stoßtruppen des Bataillons etwa 500 Yards weit auf den Berg vorgedrungen waren, begann der Feind, der diese Stellungen hielt, sich zu ergeben. Der geballte .50 und 75kalibrige (FLEISCHER, Schreiben an den Autor: Mit dem Kaliber .50 (deutsche Kaliber-bezeichnung: 12,7 mm) sind die überschweren Maschinengewehre Browning M-2 HB gemeint. Sie dienten ursprünglich der Flugzeug- und der Panzerabwehr, waren auf fast allen Selbstfahrlafetten und Mannschaftstransportern der amerikanischen Streitkräfte, auch auf Jeeps, anzutreffen und wurden wegen ihrer großen Schussweite und der Durchschlagskraft häufig auf Erdziele mit größerer Distanz zum Einsatz gebracht. Das Kaliber 75 (deutsch: 7,5-cm) gehört zur amerikanischen Feldkanone M. 16. Das Geschütz wurde von den Amerikanern bereits im Ersten Weltkrieg verwendet.)) Feuerüberfall hatte zu sehr gewirkt. Die Stellung fiel ohne nennenswerten Widerstand.
Als die Kompanie L weiter dem Bergrücken entlang vordrang, stieß sie auf vier Bunker, die sich gegenseitig unterstützten und ihre Kapitulation verweigerten. Ein deutscher Hauptfeldwebel, der den Festungsabschnitt befehligte, war mit der Übergabe einverstanden, wenn die Amerikaner ein Scheingefecht durchführen würden, damit er sein Ansehen wahren könne. Die Kompanie führte die abgesprochene Schau durch, anschließend ergaben sich drei Bunker. Der vierte Bunker verweigerte die Übergabe. Da es mittlerweile dunkel geworden war, wurde der Angriff auf den letzten Bunker auf morgen verschoben. Beim Vorwärtsdringen entdeckte die Kompanie K einige große Stollen im Berghang. Diese waren mit deutschen Zivilisten gefüllt. Sie wurden unter Bewachung in Richtung Irsch geführt.

Unter diesem Sperrfeuer machte einer unserer Männer, der etwas deutsch konnte, einen Zuruf an den Feind. Sehr bald wurde ihm klar, dass die Verteidiger zu Übergabeverhandlungen bereit seien. Er kroch zurück zur Stellung von Captain Cop, der fließend deutsch spricht. Die zwei Männer machten sich zusammen auf den Weg nach vorn. Gleichzeitig wurde der deutsche Kompanieführer von seinen Soldaten nach vorn geleitet. Die Übergabeverhandlungen begannen und nach einigem Gerangel übergab der deutsche Hauptmann seine Kompanie zusammen mit den Bunkern auf diesem Berg.“

Eine weitere Episode wird aus amerikanischer Sicht geschildert, die eine Folge der telefonischen Vernetzung der einzelnen Bunker untereinander war:

"Leutnant Baumgaertner befrug einige Gefangene dieser Stellungen über ihren Oberleutnant, als in einem der Bunker das Telefon läutete. Am anderen Ende der Leitung frug ein feindlicher Artillerieoffizier an, ob mehr Artilleriefeuer nötig sei um den Feind zurückzuschlagen. Leutnant Baumgaertner teilte dem deutschen Offizier mit, dass lediglich eine kleine Patrouille die Aktion ausgelöst habe und jetzt alles still sei. Die Erklärung muss ziemlich plausibel gewesen sein. In den nächsten drei Stunden gab es kein deutsches Artilleriefeuer in die Umgebung (BYRNES, a. a. O., S. 330.).“

Dieser Umstand wurde auch von Xaver Lerch erwähnt, der sagte, sobald die Amerikaner einen Bunker erobert hatten, konnten sie alle unsere Gespräche mithören.

Über den vorhergehend erwähnten 4. Bunker, der sich nach dem Scheingefecht nicht ergeben hatte, wird für den Morgen des 28.02. weiter berichtet (BYRNES, a. a. O., S. 332.):

"Als die Infanteristen die Vorbereitung zur Zerstörung des Bunkers abgeschlossen hatten, änderte die deutsche Besatzung ihre Meinung und ergab sich.“

Zu der folgenden Nacht schreibt Byrnes:

"Es war extrem dunkel, als die Truppen vor sich einen steilen Abhang in eine Schlucht hinunter- und auf der anderen Seite einen langen felsigen Anstieg hinaufstiegen. Das Bataillon kam ständig vorwärts, konnte jedoch keine Spur von feindlichen Bunkern finden. Die Wälder wurden in alle Richtungen abgesucht, ohne dass ein einziger Bunker entdeckt wurde. Als es hell wurde und die Ziele immer noch nicht ausgemacht wurden, wurde die Artillerie aufgefordert, eine Nebelgranate ins Fadenkreuz der feindlichen Stellungen zu schießen. Sie explodierte bei den Bunkern, etwa tausend Yards hinter dem Bataillon. Diese Stellungen waren so gut getarnt, dass die Spähtruppen des Bataillons über sie hinwegzogen, ohne sie in der Dunkelheit zu entdecken.“

Der Widerstand der Verteidiger des Scharfenbergs brach am 28.02. endgültig zusammen. Diesem fünf Tage dauernde Kampf hatten die Deutschen angesichts des an Menschen und Material weit überlegenen Gegners nichts entgegenzusetzen. Sie standen nach einem 5 ½-jährigen Krieg ausgeblutet auf verlorenem Posten.

Nach dem Kriege berichteten Kameraden Xaver Lerch, dass sie auf dem Scharfenberg von hinten durch die Amerikaner völlig überrascht wurden. Sie glaubten den Feind nur vor sich, aber nicht hinter sich zu haben. Ein großer Teil wurde gefangengenommen, andere konnten noch ostwärts fliehen und dem drohenden Kessel entweichen. Denn am Abend des 27.02. hatte die Frontspitze Niederzerf hinter sich gelassen und Baldringen – Hentern erreicht. Damit war der Kessel um den Scharfenberg endgültig geschlossen und der Fluchtweg der Deutschen abgeschnitten. Das schließt allerdings nicht aus, dass dennoch Einzelne durch die feindlichen Linien unbemerkt hindurch kommen konnten. So war es ja auch bei der Räumung der Wiltinger Stellung.

Xaver Lerch hat von seinen Kameraden gehört, dass diejenigen, die sich noch absetzen konnten, auf ständiger Flucht vor dem Gegner waren. Zu einer organisierten Sammlung wie bei der 1. Batterie kam es bei der 2. Batterie nicht. Aber auch bei der 1. Batterie berichtete der Zeitzeuge Harald Franke, dass sie die Amerikaner ständig im Rücken hatten. Dabei muss man sich vorstellen, dass die Deutschen nur zu Fuß unterwegs waren, während die Amerikaner nach Überwindung des Westwalls ungeahnt schnell in Richtung Rhein rollten – denn einen organisierten Widerstand gab es kaum noch. Einzelne wurden dann auf der Flucht von den Amerikanern eingeholt und kamen in Gefangenschaft, andere schafften es noch bis zu dem Ausgangsort ihrer Artillerieabteilung, nämlich Vilsbiburg zu kommen. Dann war es endgültig aus, die Amerikaner hatten auch die letzten Deutschen eingeholt und in Gefangenschaft genommen.

Xaver Lerch selbst kam über St. Wendel und etliche Lazarett- und Reisestationen schließlich mit einem Lazarettzug in Ulm an. Der Bahnhof und die Stadt waren ein einziger Trümmerhaufen. Uffz. Lerch stieg aus und machte sich auf den Weg in Richtung Heimat. In Zivil erlebte er den Einmarsch der Franzosen. Wochen später meldete sich Lerch im amerikanischen Entlassungslager in Neu-Ulm. Drei Tage war er in Kriegsgefangenschaft, dann erhielt er am 13.07.1945 seinen Entlassungsschein.
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Die letzte Reserve

Erwin Frank ist ein fleißiger Schreiber: "Die letzte Reserve" heißt sein neuestes Werk. TV-Foto: Ludwig Hoff (TV, 13. November 2006)
Ein Stück Heimatgeschichte, wenn auch ein trauriges, hat der Hobby-Autor Erwin Frank aus Wiltingen der Nachwelt erhalten mit seiner Dokumentation "Die letzte Reserve". Seine Berichte führen den Leser mehr als 60 Jahre zurück in die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs.
Geschrieben hat Erwin Frank (72) sein ganzes Leben lang, nur waren es keine Bücher. Diesem Genre hat sich der ehemalige langjährige Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung Saarburg erst in den vergangenen Jahren gewidmet, als er pensioniert war und mit mehr oder weniger interessanten Behördenbriefen nichts mehr zu tun hatte. Sein jüngstes Werk, es trägt den Titel "Die letzte Reserve", stellte der Kommunalbeamte in Ruhe nach jahrelangen Recherchen vor wenigen Wochen fertig. Schon der Titel lässt auf ein leidvolles Kapitel (Heimat-)Geschichte schließen.

Zwei Schwerpunkte auf 142 Seiten

Auf 142 Buchseiten nimmt sich der Autor zweier Schwerpunkte an: In Teil eins seiner Berichterstattung aus den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs geht es ihm um "die Artillerie auf dem Wiltinger Berg und dem Irscher Scharfenberg", wer dort kämpfte, die Stellungen räumen musste und wer sie eroberte. Und weil im Zweiten Weltkrieg nicht nur die Soldaten an der Front unsägliches Leid ertragen mussten, sondern auch die Zivilbevölkerung auf dem flachen Land schlimmsten Kriegshandlungen hautnah ausgesetzt war, beschreibt der Autor in Teil zwei den Wiltinger Berg als Zufluchtsort der Menschen.

Der Anhang mit Beschreibungen und Kartenmaterial hilft bei der Orientierung denen, die diese Zeit durch das Glück der späten Geburt nicht miterleben mussten. Franks heimatkundliche Dokumentation geht ausführlich auf die 1. und 2. Heeres-Festungs-Artillerieabteilung 1309 ein, die in Wiltingen, Irsch und Ockfen dem drohenden Ende nichts entgegenzusetzen hatte. Es war höchste Zeit, so Frank, sich mit den damaligen Ereignissen zu beschäftigen, weil die Zeitzeugen immer weniger werden. Einen Kämpfer von damals machte er im Allgäu aus, einen weiteren in Thüringen und wieder einen anderen in der Region, der als "vorgeschobener Beobachter" dienen musste. Über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat der Wiltinger bereits vor seinem neuen Werk das Buch mit dem Titel "…dann kommt der Krieg zu dir" herausgegeben. Erzählt wird darin das Schicksal von deutschen und amerikanischen Gefallenen auf der Gemarkung Wiltingen, von Ziviltoten und von Zwangsarbeitern, die ums Leben kamen.

Recherchen führten bis in die USA

Bis in die USA führten Franks Recherchen für einen Beitrag in dem Buch "Einsatzziel: Überleben". Seit 1989 schreibt Frank Beiträge für das Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg, darunter "Wiltingen und seine Gehöferschaft" (2006), über "Jugoslawische Zwangsarbeiter" in seiner Heimatgemeinde (2005) oder "Rund um die Honigbiene" (1989). Gerade letztes Thema kam dem naturverbundenen Menschen (Frank über sich selbst) sehr entgegen, da er sich noch mit der Imkerei beschäftigt. An Ideen mangelt es Frank nicht: "So Gott will, möchte ich mit dem Schreiben so schnell noch nicht aufhören..."
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Aktualisiert am:
26. Februar 2010

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